»die Spuren der letzten Jahre«

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„Halt still.“ flüstert er, drückt mich zurück in die Matratze.
Mein Blick ist auf seine grünen Augen gerichtet, die gefährlich funkeln. Sein Gesichtsausdruck ist mir nicht fremd, aber trotzdem fühle ich mich nicht mit ihm verbunden, er macht mir Angst, treibt mir erneut Tränen in meine Augen.
„Wieso verstehst du mich nicht?!“ er greift grob nach meinem Kinn, dreht meinen Kopf stärker in seine Richtung. Ich wimmere leise auf, er presst seine Lippen zusammen und nickt leicht. „Du willst es nicht anders, oder?“
Die letzten Jahre haben für mich viel mit Schmerz, Zerbrechen und Hass zu tun. Hass auf mich, weil ich es soweit habe kommen lassen, ohne mich zu wehren, als es vielleicht noch möglich war. Aber schon damals war ich schwach, niemals so sehr wie jetzt, aber mir fehlte das Selbstbewusstsein.
Vielleicht hat es irgendetwas gutes, so rede ich es mir zumindest ein, wenn ich nachts wach liege. Vielleicht sollte es so kommen, vielleicht sehe ich irgendwann den Sinn darin.
Bis jetzt ist es nicht so weit gekommen, aber ich klammere mich an den letzten Funken Hoffnung.
Ich versuche an etwas anderes zu denken, während er mich erneut benutzt, fertig und krank macht. Er hat mich so sehr erniedrigt, hat mir so häufig weh getan, dass ich mit meinen siebzehn Jahren, wortwörtlich am Ende stehe.
Mein Körper zeigt die Spuren der letzten Jahre, mein Charakter die Veränderung, die ich durchlebt habe. Ich habe meine Freunde verloren, habe nur noch ihn, falls man es so nennen kann- eher hat er mich.
Und vielleicht sorgt mein nahes Ende dafür, dass ich meine letzten Kräfte bündeln und nutzen kann, um all dem zu entkommen. Vielleicht bin ich stärker als gedacht, vielleicht kann ich hier heraus finden- oder vielleicht, macht mich all das, einfach nur schlussendlich, richtig krank.

SaviorWhere stories live. Discover now