Die Rückkehr

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Ich lebe jetzt zwar schon einen Monat mit meiner Mutter in diesem Haus aber ehrlich gesagt habe ich mich noch immer nicht daran gewöhnt.

Das Haus ist ein altes Anwesen und liegt mitten in irgendeinem gottverlassenen Wald, weit abseits von jeglicher Zivilisation. Bis in die nächste Stadt dauert die Fahrt mit dem Bus etwa eine Stunde und ich bin wirklich nicht erfreut darüber das ich heute dahin zurück muss. 

Die letzte Woche habe ich bei meiner großen Schwester auf ihrer Ranch verbracht und es tat echt gut mal wieder unter Leute zu kommen. Aber wie dem auch sei heute Abend fahre ich zurück auf dieses gruselige Anwesen. 

"Ich will nicht dahin zurück" gebe ich zu als ich gerade meine Tasche fertig gepackt habe. 

Meine Schwester sieht mich traurig an und zieht mich dann in ihre Arme. 

"Du bist jetzt fast 21 Jahre alt Lia" sagt sie und streicht mir ein paar dunkle Strähnen aus dem Gesicht, "du solltest wirklich keine Angst haben, es ist nur ein altes Haus."

 Das sagt sich so leicht wenn man noch nie dort war denke ich etwas verärgert, aber Josy kann ja nicht wissen wie es dort ist. Da ich sie nicht beunruhigen will erzähle ich ihr nichts von den merkwürdigen Ereignissen die sich dort abspielen. Vermutlich würde sie sofort Mum anrufen und die würde mich sicher für verrückt erklären. Also behalte ich es einfach für mich. 

"Lia dein Taxi ist da" höre ich Josy's Freund Nick von unten rufen. 

Schnell steige ich die Stufen hinab und meine Schwester folgt mir. An der Tür umarmt sie mich noch einmal und gibt mir einen Kuss auf die Stirn. Als Nick mir die Hand entgegen streckt muss ich lachen, schiebe seine Hand beiseite und umarme auch ihn.

"Pass gut auf dich auf Lia" bittet er als ich ihn loslasse. 

"Das werde ich", verspreche ich ihm "und pass du gut auf meine Schwester auf."

"Versprochen" sagt er. 

Ich öffne die Tür und renne durch den strömenden Regen zu dem Taxi was auf mich wartet.Bevor ich einsteige winke ich ein letztes Mal. 

"Saint Rhodes" fragt der Fahrer als ich die Tür des Autos hinter mir schließe und mustert mich durch den Rückspiegel. 

Ich nicke stumm und lehne meinen Kopf gegen das Fenster. Also geht die Fahrt los, nach etwa einer halben Stunde schlafe ich auf der Rückbank der Taxis ein.

"Aufwachen" reißt mich die raue Stimme des Fahrers aus dem Schlaf. 

Ich schaue aus dem Fenster, es regnet noch immer und in einiger Entfernung erkenne ich die dunklen Umrisse des Anwesens. Schnell gebe ich dem Mann sein Geld und steige aus. Das gelbe Taxi rast davon und die Motorgeräusche verstummen allmählich in der Ferne. 

"Also los" spreche ich mir selbst Mut zu, "es ist nur ein altes Haus wie Josy gesagt hat."

Langsam bewege ich mich auf den Eingang zu und bleibe vor der großen aus dunklem Holz gefertigten Tür stehen. Mein Herz schlägt schnell in meiner Brust und ich versuche es mit einigen tiefen Atemzügen ein wenig zu beruhigen. Leider funktioniert das nicht so ganz also krame ich mit zittrigen Fingern den Schlüssel aus meiner Hosentasche. 

Als ich ihn gefunden habe stecke ich ihn ins Schloss und mit einem lauten Knarzen öffnet sich die schwere Eichenholztür fast wie von selbst.Die Angst schnürt mir die Kehle zu und für einen Moment stehe ich einfach da und starre in die Finsternis welche sich vor mir auftut.

Meine Knie zittern und ganz kurz kommt mir der Gedanke in den Sinn einfach kehrt zu machen und wegzulaufen. Aber ich reiße mich zusammen und trete ins innere des Anwesens. Mich überkommt dasselbe Gefühl wie am Tag des Einzugs als ich mich das erste Mal der selben eisigen Dunkelheit gegenüber gesehen hatte. 

Eigentlich freut man sich wenn man sich doch, wenn man nach einiger zeit in der man unterwegs war wieder Zuhause ankommt, aber ich freue mich ganz und gar nicht. Nichts an diesem Ort lädt auch nur ansatzweise zum bleiben ein, es fühlt sich fast so an als wäre man hier nicht erwünscht. 

Genau in dem Moment fällt mir das weiße Blatt Papier auf was neben dem uralten Telefon welches noch eine Wählscheibe besitzt auf einer hölzernen Kommode liegt. Dass dieses Telefon noch eine Wählscheibe besitzt weist neben der riesigen antiken Standuhr auch noch daraufhin wie alt dieses Anwesen eigentlich wirklich ist.

Die Antwort lautet sehr alt, wie alt genau weiß ich es nicht. Mit einem sehr unguten Gefühl nehme ich den Zettel an mich und beginne zu lesen. In der unsauberen Handschrift meiner Mutter steht dort geschrieben: 

Hallo Lia, ich muss dir sagen das ich es nicht schaff ein den nächsten Tagen nach hause zu kommen, in der Küche liegt etwas Geld ich weiß nicht wann ich zurück komme bis dann, Mum. 

Nachdem ich zu ende gelesen habe lasse ich das Stück Papier vor mir auf den Boden fallen. 

Saint RhodesWhere stories live. Discover now