Am klaren Horizont schien die Sonne in voller bracht. Einige Vögel zwitscherten um die Wette und der Wind zog über die prachtvolle Wiese und durch die Bäume des angrenzenden Waldes.
„Ach wie herrlich es doch heute ist!"
Kichernd ließ ich mich, meinen Sonnenhut festhaltend, zwischen ein paar Blumen in die Wiese fallen. Für einen kurzen Augenblick schloss ich meine Augen, genoss die angenehme Wärme und das leichte kitzeln des Grases. In der Natur fühlte ich mich noch immer am wohlsten. Aus einiger Entfernung hörte ich, wie sich mir jemand oder etwas näherte. So öffnete ich meine Augen, drehte mich auf den Bauch und stützte meinen Kopf mit meinen Händen.
„Hier bist du also." Lächelnd stand mein bester Freund vor mir.
„Ja, wo sollte ich auch sonst an so einem herrlichen Tag sein?" Kichernd blickte ich ihn an, während er sich in die Wiese vor mir setzte.
Er sah gut aus, wie immer eben. Brünettes kurzes Haar, ein leicht bräunlicher Teint und sommerliche Kleidung. Seine braunen Augen funkelten vor Freude.
„Heute Abend wird es bestimmt toll!" Begeistert klatschte er in die Hände.
Lächelnd drehte ich mich zurück auf den Rücken und sah in den blauen Himmel.
„Stimmt, das Dorffest, das hätte ich jetzt beinahe vergessen." Grübelnd legte ich mir einen Arm über die Augen.
Das alljährliche Sommerfest stand wieder an.
„Deswegen hatte ich dich auch gesucht." Sein Lachen klang herrlich. „Ich wusste ja das ich dich irgendwo hier draußen finden würde. Du vergisst immer alles um dich herum, wenn du in der Natur bist."
Leicht erstaunt darüber das er mich doch so gut kannte, nickte ich kurz. Wir kennen uns seit Kindertagen und er ist mein bester Freund, doch seit einiger Zeit verspüre ich in seiner Gegenwart immer so ein angenehmes kribbeln im Bauch.
„Na was ist jetzt? Kommst du mit mir zurück ins Dorf?" Fragend blickte er zu mir.
„Ja ich werde mitkommen."
Lächelnd setzte ich mich auf, strich mir die Grasreste aus meinen langen blonden Haaren und ergriff seine Hand, die er mir schon stehend hinhielt.
„Merci Lukas." Sagte ich süß, als ich vor ihm stand.
„Gerne meine Liebe." Lächelnd strahlte er mich an und mein Herz schlug etwas schneller.
Auf dem Weg zurück ins Dorf fragte ich mich, ob er wohl genauso fühlte wie ich. Das wünschte ich mir wirklich sehr.
„Du wirkst so grübelnd Mia. Stimmt etwas nicht?" Besorgt sah er mich an.
„Äh nein, es ist alles in Ordnung." Leicht verlegen wedelte ich mit den Armen.
Lukas sah mich kurz durchbohrend an, sodass ich für einen Moment dachte das er in mein Inneres sehen könnte. Doch dann grinste er, nahm meine Hand und ging weiter. Merkend wie ich leicht rot wurde, sah ich auf seine Hand, die meine ganz feste hielt und folgte ihm artig. Nichts wünschte ich mir in diesem Moment mehr, als das wir uns heute Abend bei dem Fest näher kommen würden. Wieder zurück im Dorf brachte er mich nach Hause und verabschiedete sich. Kurz winkte ich ihm nach und ging dann rein.
Meine Mutter stand in der Küche und machte gerade Essen, als ich zu ihr trat.
„Kann ich dir helfen Mama?" Fragte ich sie.
„Nein Mia Liebes."
Sie schüttelte den Kopf und so ging ich nach oben in mein Zimmer. Von meinem Schreibtisch nahm ich ein Bild von Lukas und mir und ließ mich aufs Bett fallen. Nachdem ich es eine Weile angestarrt hatte, drückte ich es an meine Brust.
„Ach Lukas,.." Seufzte ich.
Die Augen geschlossen fragte ich mich, wie mir das nur passieren konnte, das ich mich in meinen besten Freund verliebt hatte. Ich fragte mich außerdem, ob ich ihm davon erzählen sollte und ob es unserer Freundschaft schaden würde. Denn eins wusste ich, den Anblick ihn mit einem anderen Mädchen zu sehen, würde ich nicht ertragen. Auch wenn ich jedem sein Glück gönne, so würde mich das ziemlich fertig machen.
„Mia, das Essen ist fertig!" Wurde ich von der Stimme meiner Mutter aus meinen Gedanken gerissen.
Einmal tief durch geatmet stand ich auf, stellte das Bild wieder zurück und ging runter.
„Danke Mama."Sie anlächelnd setzte ich mich zu ihr an den Tisch.
Das Essen hatte sie bereits auf die Teller getan. Wie immer vor dem Essen beteten wir kurz. Seid dem Tod meines Vaters, vor drei Jahren, machten wir dies immer. Still schweigend aßen wir. Sonst kümmerte es mich nicht das wir beim Essen nicht redeten, aber heute bedrückte es mich irgendwie. Dennoch entschloss ich mich dazu mir nichts anmerken zu lassen. Als wir mit essen fertig waren, half ich meiner Mutter beim Abwasch und ging mich dann für das Sommerfest fertig machen. Ich entschied mich für ein knielanges weißes Kleid und dazu passende weiße Ballerinas. Im Bad zog ich mich um und legte etwas Make-up auf, dies tat ich nur zu besonderen Anlässen und heute war einer. Meine langen Haare flocht ich zu einem Zopf, der vorne über meine Schulter hing. Als ich dann fertig war ging ich nach unten.
„Wow Mia, du siehst umwerfend aus." Sagte Lukas, sichtlich überrascht.
„D.. Danke Lukas." Eine leichte Röte bildete sich auf meinen Wangen. //Ich wusste nicht das er mich abholen würde,...//
„Er hat recht Schatz. Wunderschön schaust aus." Sagte meine Mutter lächelnd und machte ein Foto.
„Danke Mama." Ich lächelte zurück. „Du siehst aber auch nicht gerade schlecht aus." Neckte ich ihn als ich vor ihm stand.
Er trug eine schwarze Hose und ein dunkel blaues Hemd, bei dem er die ersten zwei Knöpfe offen hatte.
„Danke Mia." Nun grinste auch er wieder und hielt mir den Arm zum einhaken hin. „Können wir dann?"
„Natürlich." Ich hakte mich bei ihm ein und ging mit ihm nach draußen, nachdem ich mir noch meine kleine Handtasche genommen hatte, in der mein Portemonnaie und mein Schlüssel waren.
„Ich wünsche euch viel Spaß und bring mir meine Tochter ja heile wieder nach Hause." Sagte meine Mutter scherzhaft.
„Keine Sorge Karla, ich passe schon auf sie auf." Erwiderte er.
Kichernd ging ich mit ihm dann weiter. Abgesehen davon das es das Sommerfest war, würden wir auch unseren Schulabschluss feiern. Auf dem Weg war er ziemlich ruhig, so kannte ich ihn gar nicht.
„Lukas ist alles in Ordnung bei dir?" Fragte ich ihn schließlich.
„Hm?" Er sah mich nachdenklich an. „Ja im Grunde schon."
„Was heißt im Grunde?" Da ich stehen blieb, blieb auch er stehen.
„Ich habe heute die Zusage für meinen Ausbildungsplatz bekommen." Noch immer wirkte er nachdenklich.
„Aber das sind doch gute Neuigkeiten!" Ich freute mich für ihn.
„Ja schon, aber das bedeutet auch das ich in die Stadt ziehen werde und wir kaum noch Zeit für einander haben werden..." Er wirkte traurig darüber und auch meine Stimmung schwenkte nun etwas um.
„Ach so ja stimmt, du hattest es erwähnt das du dich in einer großen Firma beworben hattest,.."
„Auf Grund meiner guten Noten haben sie zugesagt sogar das Studium zu bezahlen, was natürlich auch meinen Eltern eine große Last nehmen würde."
„Lukas du musst diese Chance einfach ergreifen, das ist wirklich großartig." Am liebsten würde ich deswegen heulen, doch ich lächelte ihn an.
„Meinst du wirklich Mia?" Es sah so aus, als ob er sich eine andere Antwort von mir erhofft hatte.
„Ja natürlich." Noch immer lächelte ich ihn an.
Was wäre ich für eine Freundin, wenn ich ihm seine Zukunft und seinen Traum, Anwalt zu werden, zerstören würde, indem ich ihn bitte hier zu bleiben? Das würde ich mir nie selbst verzeihen können. Auch wenn es bedeutet das wir uns so gut wie gar nicht mehr sehen werden.
„Okay, dann schicke ich ihnen morgen meine Antwort." Sagte er leise und ging dann weiter.
Ich nickte nur und ging neben ihm und hakte mich wieder bei ihm ein. Kurz lächelte er mich an, doch ich merkte das mit ihm was nicht stimmte. Dennoch sagte ich dazu nichts mehr und so gingen wir stumm nebeneinander her, bis wir bei dem Sommerfest angekommen waren.
Es lief laute Musik und es war wirklich voll. Die Menschen tanzten zu der Musik, standen an der Bar und tranken Bier, grillten und hatten ihren Spaß an Schießbuden.
Lukas zahlte einen kleinen Eintrittspreis und kaufte sogleich einige Wertmarken für Essen und Trinken mit. Uns wurde viel Spaß gewünscht und so betraten wir das große Areal des Festes.
„Was magst du zuerst machen Mia?" Fragte er mich und schien nun deutlich besser gelaunt zu sein.
„Ehm,.. Wie wäre es mit tanzen?" Grinsend sah ich ihn an.
„Du fackelst heute Abend aber nicht lange was?" Lachend ging er mit mir zur Tanzfläche, es war ansteckend sodass ich mit lachen musste.
„Nein, direkt ran an den Speck." Scherzte ich.
Auf der Tanzfläche angekommen, legte ich ihm die Arme um den Nacken und er mir seine Hände um die Taille, da gerade ein Kuschelsong lief. Diese Nähe zu ihm ließ mich erneut erröten und ich sah ihm in die Augen. Auch seine Wangen hatten eine leicht rötliche Farbe angenommen, was ihn nur noch attraktiver machte.
„Mia,.." Flüsterte er und bewegte sich langsam mit mir zur Musik.
„Ja Lukas?" Fragte ich ebenso flüsternd.
„Ich will das Dorf nicht ohne dich verlassen,.." Er schloss seine Augen und lehnte seine Stirn gegen meine.
Mein Herz begann schneller zu schlagen und tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf. Ich wusste nicht was ich darauf antworten sollte. Aber nun wusste ich was ihn die ganze Zeit bedrückt hatte. Seine Augen wieder geöffnet sah er mir in die Augen.
„Bitte komm mit mir."
„Lukas aber,.. Das geht doch nicht..." Seine Bitte überraschte mich wirklich sehr, damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet.
„Mia ich,.. Ich liebe dich und möchte dich nicht verlieren,.."
Sein Geständnis warf mich völlig aus der Bahn und so blieb ich stehen und sah ihm weiter in die Augen. Er fühlte tatsächlich so wie ich und genau das hatte ich mir gewünscht. Mein Herz war kurz davor aus meiner Brust zu springen, aber es kam so plötzlich. Würde ich das Dorf wirklich verlassen können? Es war meine Heimat, hier bin ich groß geworden und so viele Erinnerungen verband ich mit dem Dorf. Würde ich in der Großstadt klar kommen? Bestimmt würde ich die Natur vermissen, aber auf der anderen Seite war mein größter Wunsch an seiner Seite zu sein.
„Ich liebe dich auch Lukas." Flüsterte ich leise.
Seine Augen funkelten leicht und er legte mir eine Hand auf die Wange. Langsam näherte sich sein Gesicht meinem, ich schloss meine Augen und seine Lippen berührten meine. Ich gab mich ihm voll hin und erwiderte seinen Kuss. Es fühlte sich wirklich richtig an und so entschloss ich mich dazu ihn zu begleiten. Als wir den Kuss wieder gelöst hatten, waren wir beide etwas außer Atem.
„Okay, ich werde dich begleiten.."
„Wirklich? Das macht mich wirklich glücklich."
Er hob mich an der Hüfte hoch und drehte sich mit mir im Kreis, was mich zum lachen brachte und auch er musste etwas lachen. Das die anderen Leute uns komisch ansahen, störte uns nicht im geringsten. Nachdem er mich wieder runter gelassen hatten, tanzten wir noch ein bisschen, bevor wir uns dann etwas zu Essen und zu Trinken holten und uns auf eine Bank setzten.
„Wie machen wir das denn dann?" Fragte ich ihn.
„Ich werde in der Stadt eine Wohnung mieten, die meine Eltern zahlen, da sie für das Studium nichts zahlen müssen. Und ich bin mir sicher das du auch schnell einen Ausbildungsplatz finden wirst." Er strahlte regelrecht.
„Das glaube ich auch, und wenn ich nebenbei arbeiten gehe, dann bekommen wir das sicher auch bald von alleine bezahlt."
„Mach dir deswegen noch keine Gedanken." Sanft legte er mir eine Hand aufs Bein.
„Aber es muss schon gut durchdacht sein." Wandte ich ein.
„Ich bin mir sicher das es schon klappen wird." Er lächelte.
In dem Moment fragte ich mich, wie wohl meine Mutter auf diese Neuigkeit reagieren würde. Da ich, genau wie Lukas, erst siebzehn war, brauchte ich ihre Einwilligung.
„Karla wird schon nichts dagegen haben." Sagte er, als ob er meine Gedanken lesen konnte.
„Nein das glaub ich auch nicht, ein schlechtes Gewissen hab ich dennoch, weil sie dann ganz alleine ist.."
„Aber du musst auch an dich und deine Zukunft denken, du kannst ja nicht ewig bei deiner Mutter wohnen bleiben..."
„Da hast du auch wieder recht." Ich rang mir ein Lächeln ab und küsste ihn flüchtig, bevor ich dann aufstand.
Auch er stand auf und warf unsere Pappbecher und Teller in einen Mülleimer, bevor er zu mir kam und mich umarmte.
„Mit deiner Antwort hast du mich wirklich sehr glücklich gemacht."
„Das hab ich gemerkt." Kicherte ich. „Und du hast mich sehr glücklich gemacht, das du mir deine Liebe gestanden hast."
Er rieb seine Nase an meiner und küsste mich dann innig. Auch diesen Kuss erwiderte ich und genoss ihn regelrecht. Nachdem wir noch etwas unseren Spaß an einer Schießbude hatten, brachte er mich nach Hause.
Meine Mutter war noch wach und so kam er mit rein, da er mit ihr darüber reden wollte. Er erzählte ihr von seinem Geständnis und das er mich darum bat mit ihm zu kommen, auch das ich bereits eingewilligt hatte, er aber dennoch auch ihren Segen wollte. Überrascht blickte sie von ihm zu mir und ich sah sie glücklich an und auch sie lächelte glücklich.
„Ihr habt meinen Segen Kinder. Ich weiß ja das sie bei dir in guten Händen ist und du gut auf sie aufpassen wirst." Sie lächelte ihn an. „Du hast schon immer auf sie geachtet und irgendwie war mir das schon klar das sich zwischen euch mal etwas entwickelt."
Die Worte meiner Mutter ließen uns beide rot werden. Eltern scheinen wohl so etwas wie einen siebten Sinn zu besitzen, wenn es um ihre Kinder geht.
Drei Monate später wohnten wir nun in der Großstadt, in einer geräumigen Zwei-Zimmer-Wohnung. Seine Eltern und auch meine Eltern überwiesen uns regelmäßig Geld zum Einkaufen und für die Miete. Lukas hatte sein Jura-Studium begonnen und ich hatte eine Ausbildung zur Erzieherin angefangen.
DU LIEST GERADE
Freundschaft die zu Liebe wird
KurzgeschichtenEine frei erfunde Geschichte meinerseits, die sich um eine Kindheitsfreundschaft dreht und sich zu liebe entwickelt, wie man dem Titel entnehmen kann.
