Ich liege wieder in meinem Garten. Die Sommerferien hatten schon lange begonnen und ich habe noch nichts von Bedeutung gemacht.
Keine Treffen mit Freunden, keinen Schulstoff - nichts Aufregendes um es kurz zu sagen. Jedenfalls sieht mein Bruder das so. Für Alex ist der Sommer nur schön, wenn er Party, Alkohol und Mädchen beinhaltet.
Träge beobachte ich die Hummel, die vor mir auf der Blüte sitzt. Wie schön muss das Leben einer Hummel wohl sein? Bevor ich mir meine Gedanken selbst beantworten kann, vibriert mein Handy.
Seufzend hole ich es raus. Kathy hat mir geschrieben.
Komm raus aus deiner Wolfshöhle, wir sind heute auf eine Feier eingeladen. Absagen kannst du nicht. Ich bin 18:00 da.
Ich seufze tiefer.
An Kathy komme ich nicht vorbei, ebenso wenig an dieser Feier. Ich will eigentlich nicht. Aber alle Sätze mit 'eigentlich' zählen nicht.
Wozu also der Widerstand?
Ich stocke, denn bevor ich mir diese Frage jetzt beantworten kann, kommt mir Kathy in den Kopf und das Gesicht das sie immer zieht, wenn ich ihr von meinen Fragen und Antworten erzähle.
'Du klingst nicht wie ein Teenager, sondern wie jemand der den Spaß des Lebens verpasst.', sagt sie immer. 'Also hör auf Trübsal zu blasen und beginn lieber dich deinem Alter entsprechend zu verhalten.'
Ich atme tief ein.
Okay, heute tu ich mal so als wäre ich ganz normalen.
Also ein hormongesteuertes, kicherndes, albernes Mädchen mit einer Aufmerksamkeitsstörung bezüglich Jungs.
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Schon als wir die Party betreten rieche ich den Alkohol, verziehe aber die Nase nicht, weil Kathy so was immer mitbekommt.
Sie schleppt mich an die Bar und bestellt aufgeregt einen Cocktail. Natürlich mit Alkohol. Hoffnungslos halte ich nach unalkoholischen Getränken ausschau - vergeblich.
Als ich mich umdrehe ist der Cocktail schon leer und Kathy in der tanzenden Menge verschwunden.
Ich nehme all meinen Mut zusammen und beuge mich zu dem Barkeeper (oder was auch immer er sein mag) und frage:
"Gibt es auch etwas ohne Alkohol?"
Der Typ zieht eine Augenbraue hoch, mustert mich einmal von oben bis unten und schüttelt seufzend mit dem Kopf.
Aber letztendlich rückt er doch eine Flasche raus und drückt sie mir in die Hand bevor er sich dem nächsten zuwendet.
Ich schaue auf das Etikett.
Himbeerbrause.
Klingt gut.
Kathy kann ich immer noch nicht sehen, also gehe ich leise raus in den Garten an diesem Haus.
Ich taste mich vorbei an Leuten die sich übergeben, die miteinander rummachen... und mehr.
Als ich endlich in die hinterste Ecke des Gartens komme lasse ich mich in das weiche Gras fallen. Hier hört man sogar diese grässliche Musik nicht mehr.
Ich nehme keine andere Menschenseele wahr und das ist mir auch recht.
Okay, ihr habt das mit dem allein sein gelesen oder? Bitte streicht es aus eurem Kopf, den hier kommt der Grund warum das nicht stimmt:
Ein schwerer Körper plumpst neben mir ins Grün. Langsam drehe ich meinen Kopf in diese Richtung und schaue geradewegs in Schokoladenaugen.
Eine Weile sagen wir nichts, betrachten uns nur, dann räuspert er sich.
"Hi. Ich bin Max.", sagt er schließlich. Abwartend schaue ich ihm in die Augen. War's das?
"Ich... bin hier, weil ich gesehen habe, dass du die Himbeerbrause hast. Und das ist die einzige Flasche auf der Feier, also dachte ich... vielleicht willst du ja teilen"
"Woher weißt du, dass es mir eine Flasche gibt?", frage ich argwöhnisch.
Max fährt sich durch die Haare.
"Ich wohne hier und mein Bruder schmeißt diese Feier. Er stellt mir immer eine Flasche davon beiseite."
Ich mustere ihn.
"Ich bin Jill", sage ich ohne Vorwarnung.
"Freut mich, Jill.", sagt er lächelnd.
Ich halte ihm die Flasche hin.
Ohne zu zögern nimmt Max sie, öffnet sie und trinkt einen Schluck. Dann hält er sie vor meine Nase.
"Himbeerbrause im Mondenschein. Das klingt wie ein echt kitschiges Buch, meinst du nicht?", fragt Max mich.
Ich nehme einen Schluck.
"Es klingt besonders.", sage ich.
Max greift nach meiner Hand.
Ich stelle die Flasche beiseite und lasse mich nach hinten fallen.
Und dann liegen wir da.
Schulter an Schulter im Gras mit verschränkten Fingern.
Über uns scheint der Mond und in der Luft liegt ein Hauch von Himbeerbrause.
ŞİMDİ OKUDUĞUN
Erdbeeren im Mondschein 🌙
Kısa Hikayeverschiedene Menschen ✳️ verschiedene Leben ✳️ verschiedene Kurzgeschichten
