Ich öffnete meine Augen. 09:30 Es war ungewöhnlich still für diese Uhrzeit. Verwundert sah ich mich um. Irgendwas war anders. Das spürte ich.
„Moom?" schrie ich. Keine Antwort. „Daad?" Ich setzte mich in meinen Bett auf und lauschte. Wieder keine Antwort. Ich stand auf und öffnete meine Zimmertür. „Ally? Verdammt, wo seid ihr denn alle?" Ich ging in die Küche. Eine volle Tasse Kaffee stand am Tisch. Ich ging hin und legte meine Hand auf das Porzellan. Eiskalt. Der Kaffee stand da bestimmt schon eine Stunde. Jetzt war ich noch verwirrter. Dad würde doch niemals das Haus verlassen, ohne vorher seinen Kaffee zu trinken. Ich zückte mein Handy und wählte Dad's Nummer. Ungeduldig wartete ich bis die Verbindung aufgebaut war. Ich zuckte zusammen. Neben mir begannes plötzlich ganz laut die Melodie von „Mama Mia" zu spielen. Das Lieblingslied meines Vaters. Mist! Er hatte sein Handy nicht dabei. Auch Mum's Handy und das meiner Schwester Ally war in der Küche.
Verwundert ging ich zur Haustür und öffnete diese. Totenstille. Keine Nachbarskinder, die auf den Spielplatz neben unserem Haus spielten. Keine alte Dame, die Zeitung lesend in ihrem quietschenden Schaukelstuhl auf der Veranda unseres Nachbarhauses saß. Kein Herr Wally, der mit großer Freude seinen nicht vorhandenen Rasen mähte. Keine Autos. Kein Verkehrslärm. Nur ein leichter Wind der die rotbraunen Blätter von dem naheliegenden Wald auf unsere Straße wehte. Es war wie ausgestorben.
Ich begann zu rennen. In meinen Pyjama und mit meinen Superman Hausschuhen raste ich durch die verlassenen Straßen. Ich kam zu dem Haus meiner Tante Maggy. Schnell lief ich darauf zu und begann sturm zu klingeln. Als niemand öffnete schlug ich hysterisch mit den Fäusten gegen die Haustür. „Tante Maggy, Tante Maggy, mach auf. Ich bins, Toby!" Als immer noch niemand aufmachte rannte ich weiter. Ich klingelte bei allen Haustüren die ich sah, doch niemals ging auch nur eine Tür auf. Ich schaute durch einige Fenster. Laufende Fernseher, nicht abgeräumte Frühstückstische, ungemachte Betten, doch kein einziges Lebewesen. Keine Hunde, keine Katzen, keine Vögel. Keine Menschen. Noch nicht mal Ameisen krabbelten am Boden herum.
Doch ich gab nicht auf. Ich schaute in alle Supermärkte und Einkaufszentren in meiner Nähe nach. Aber wieder mal kein Erfolg. Keuchend brach ich vor einem Supermarkt zusammen. Ich wusste nicht mehr weiter. Als ich ungefähr eine halbe Stunde am Boden lag und versuchte mich zu beruhigen, fiel mir plötzlich etwas ein. Ich sprintete mit letzter Kraft zurück zu unseren Haus und holte die Autoschlüssel zu Dad's Audi. Ich startete den Motor und fuhr los in die nächste Stadt.
Auf den halbstündigen Weg dorthin kam mir auch nichts Lebendes über die Quere. Doch ich gab die Hoffnung nicht auf. Als ich in der Stadt angekommen war läutete ich bei allen Türen und ging in alle Supermärkte. Wieder nichts! Ich fuhr weiter in die nächste Stadt und in die übernächste. Doch nirgends auch nur eine Menschenseele. Ich war verzweifelt. Das gibt es doch nicht. Eine Träne lief mir über meine Wange. Ich hatte Angst. Ich hasste es alleine zu sein. Außerdem machte ich mir Sorgen um meine Familie. Das gibt es doch nicht das sie einfach weg waren. Hoffentlich war ihnen nichts passiert. Leise weinte ich in mich hinein, bis mir auffiel das ich mich vor niemanden verstecken musste. Es war niemand da. Bei diesen Gedanken ließ ich alles raus. Ich weinte und schrie bis ich nicht mehr konnte. Was sollte ich tun? Ich entschloss wieder nachhause zu fahren. Warscheinlich ist meine Familie schon wieder zuhause. Ja, genau so wird es sein. Sie werden nur in den Wald spazieren gegangen sein und warten daheim bereits ungeduldig auf mich. Schnell stieg ich wieder ins Auto und fuhr zurück. Auf den Weg nachhause versuchte ich mich selber von den Gedanken zu überzeugen, denn so ganz konnte ich es nicht glauben, meine Familie zu Hause aufzufinden. Aber dennoch, ich brauchte eine Hoffnung an der ich mich festhalten konnte. Als ich in meine Straße einbog sah alles noch genauso aus wie ich es verlassen hatte. Die Sonne ging bereits hinter den Häusern unter. Ich sah auf die Uhr während ich unsere Einfahrt hochfuhr. 19:07. Ich war den ganzen Tag unterwegs gewesen und hatte keine Menschenseele gesehen. Plötzlich blieb ich wie erstarrt stehen. Unsere Haustür stand sperrangelweit offen. Oh mein Gott, meine Familie ist wieder da! Ich rannte ins Haus. „Mom! Dad! Ich bin wieder da. Wo wart ihr denn?" Ich rannte ins Wohzimmer. Als da niemand war lief ich weiter in den oberen Stock. Ich schaute im Schlafzimmer meiner Eltern und im Zimmer von Ally nach. Doch niemand war da. „Ally?" fragte ich. „Bist du da?" Ich blieb kurz stehen und lauschte. Doch ich hörte nichts. Es war totenstill. „Mooom! Daaad! Allyy!" schrie ich aus vollem Halse. Ich war immer noch alleine. Das gibt es doch nicht: Die Haustür stand doch offen. Bis mir einfiel, dass ich sie vorher, als ich losrannte, icht geschlossen hatte.
„Oh mein Gott. Wo seid ihr nur alle!" flüsterte ich zerstreut und mit Tränen in den Augen. Ich wusste nicht mehr weiter. Ich stand völlig neben mir. Ich schwitzte am ganzen Körper und hörte Stimmen die aus meinen Kopf zu kommen schienen. „Es hat keinen Sinn mehr! Du bist allein. Mach dir selbst das Leben nicht zur Hölle und beende es einfach." Tönte es aus meinen Kopf. Plötzlich fiel mein Blick auf ein großes Küchenmesser, dass neben der Spüle stand. Ich sah es lange und eindringlich an, während immer wieder die Stimme aus meinen Kopf sprach:"Mach es einfach. Danach ist alles vorbei. Dann bist du wieder bei deiner Familie. Du kannst sie alle wieder sehen. Deine Mum, deinen Dad, Ally deine nervige Schwester." Ich lächelte leicht bei den Worten. Ja, ich will sie wiedersehen. Was hat das Leben für einen Sinn wenn man alleine auf de Welt ist. Ich nahm das Messer und drehte es zwischen meinen Händen. Dann setzte ich es an meiner Kehle an. „Auf Wiedersehen" flüsterte ich. Dann fuhr ich mit der scharfen Kante über meine Kehle.
Piep, piep, piep...
Was ist das für ein Geräusch?
Piep, piep, piep...
Ruhe! Ich will meine Ruhe!
Piep, piep, piep...
Ich dachte immer, wenn man stirbt wäre alles befreiend und schön, doch ich hatte noch nie ein so schreckliches Gefühl. Mein Herz stach vor Schmerzen. Nein, es war kein körperlicher Schmerz, sondern ein psychischer Schmerz. Schmerz der Trauer und des Verlustes. Doch ich dachte jetzt kann ich endlich wieder bei meiner Familie sein. Eigentlich müsste ich überglücklich sein.
„Toby? Toby, mein Schatz, bist du wach?"
Ich öffnete langsam meine Augen. Tante Maggy stand vor mir mit feuchten Augen. „Hey Toby, endlich bist du wach. Wie geht es dir?" „Tante Maggy? Gott sei Dank bist du wieder zurück. Wo wart ihr denn alle? Wo sind Mum und Dad und Ally?" fragte ich gespannt aber überglücklich. Ich war also doch nicht alleine auf der Erde. Meine Tante begann zu heulen. „Toby, ich war nie weg! Kannst du dich denn an gar nichts mehr erinnern?" „Doch klar ich bin aufgewacht und war plötzlich ganz alleine..." Tante Maggy begann noch mehr zu heulen. „Toby, es tut mir so Leid. Ihr hattet alle vier einen schweren Autounfall...Deine Eltern und deine Schwestern haben es....Toby, sie sind tot." Ich riss geschockt die Augen auf. Nein, nein, nein! Das kann nicht sein. „Auf keinen Fall. Nein! Das kann nicht sein." schrie ich hysterisch. Tante Maggy versuchte mich zu beruhigen, „Schh, beruhige dich. Du darfst dich jetzt nicht aufregen!" flüsterte sie und nahm mich in den Arm. Als ich schuchzend in ihren Armen lag, fiel es mir plötzlich wie Schuppen von den Augen. Während ich nach einem Autounfall bewusstlos war, träumte ich alleine auf der Welt zu sein. Währenddessen starb meine Familie. Ich war also alleine.
Ende
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Alone.
Short StoryKurzgeschichte Was wäre wenn du plötzlich ganz alleine auf der Welt wärst? Ließ und finde es herraus.
