Montag im Verlauf

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„Solange bleibst du aber hier, keine Widerrede“, nahm mir Erik schließlich jede weitere Entscheidung ab, was mich nicht weiter störte.

Wenig später, als wir uns mit leeren Teetassen vor uns über Oberflächlichkeiten unterhielten, schlug er sich mit der flachen Hand an die Stirn, als die Klingel ertönte: „Verdammt. Ich hab ja ganz vergessen, dass Valle vorbeikommt“. Reflexartig stand ich auf und wollte erklären, dass ich doch rausgehen oder sonst was machen könnte, schnitt er mir das Wort mit einer wegwerfenden Geste ab: „Ich hab gesagt du bleibst hier, immer noch keine Widerrede“.

Also blieb ich ganz brav sitzen und folgte Erik mit meinem Blick, als er zur Tür lief und mit Möchtegern-Jesus zurückkehrte. Sogleich setzte ich zu einer Erklärung an: „Ich bin“, wurde aber unterbrochen. „Franziska. Ich weiß schon“, er schüttelte mir freundlich die Hand, wobei ich etwas überrascht dreingesehen haben musste, da er fortfuhr: „Erik hat schon viel von dir erzählt“ und dadurch mehr Fragen aufwarf als dass er beantwortete. Nach einer Erklärung suchend, blickte ich Erik fragend an, der jedoch im gleichen Moment seinen Blick abwendete und ich hätte meinen können, auch rot anlief.

Meinen Blick warf ich wieder auf den Besucher, der Erik gerade spielerisch in die Seite boxte. An ihm schien die Peinlichkeit der Situation vollkommen vorüber zu gehen, im Gegenteil, er grinste nun breit. Um so zu tun, als wäre nichts gewesen, bemühte ich mich im Text weiterzumachen und erklärte: „Du kannst zu mir auch einfach Franzi sagen. Machen sowieso die meisten“ und erhielt als Antwort: „Und du zu mir einfach Valle. Machen sowieso die meisten“.

Nun schien auch Erik plötzlich wieder geistig anwesend zu sein, denn er erwachte aus seiner Starre und zerrte Valle förmlich in sein Arbeitszimmer, um dort etwas zu besprechen.

Wieder etwas unsicher, was ich nun machen sollte, räumte ich das Geschirr vom Tisch und machte es mir anschließend auf dem Sofa bequem. Gerade als ich gelangweilt durch meine Timeline scrollte, fiel mir auf, dass ich heute arbeiten mussten. Ich wollte schon hektisch aus der Wohnung stürmen, als mir weiter auffiel, dass, wenn ich zur Arbeit ginge, nicht meine Sachen aus der WG holen könnte. Nach kurzem Überlegen rief ich Darius an, um ihn zu bitten, mir heute freizugeben. Ohne weiter nachzufragen, stimmte er dem Ganzen zu und ich war erleichtert, das so schnell gelöst zu haben.

Nun wieder gelangweilt vertiefte ich mich in mein Handy, sodass ich erschrak, als sich nach einer Weile die Bürotür öffnete. Erik versteckte sich geradezu hinter Valle, sodass er fast in diesen hineingelaufen wäre, als Möchtegern-Jesus plötzlich stehen blieb und eine weitere tolle Idee verkündete: „Wisst ihr was? Ich hab ziemlich Hunger. Lasst uns was essen gehen“. 

Die Reise ins UnbekannteLies diese Geschichte KOSTENLOS!