1| Kaffeeunfall in New York
Gelangweilt blickte ich aus dem Fenster und lauschte der Musik aus meinen neu erworbenen Kopfhörern, welche mich einen großen Teil meines Ersparten gekostet hatten. Gerade ließ sich irgendjemand schwer auf den Sitz neben mir plumpsen, ich wandte den Kopf und verdrehte innerlich die Augen. Bitte nicht. Neben mir im Bus saß ein nach Alkohol und Zigaretten stinkender alter Mann, der nun damit beschäftigt war, es sich schön gemütlich und breit zu machen, weshalb ich immer mehr in die Ecke gedrängt wurde. Als ob das nicht reichte, fing er irgendwann an, vor sich hin zu reden. Jedenfalls dachte ich das zuerst, bis er mich nicht gerade sanft antippte: "Haben Sie zufällig einen Flaschenöffner für mich, hübsche Dame?" Er zeigte auf ein Bier, das er in der Hand hielt. Ich seufzte entnervt und schüttelte den Kopf. Wenn das so weiterging, würde ich noch den Verstand verlieren.
Doch dann blickte ich nach draußen und erkannte in der Ferne in den blauen Himmel ragende Wolkenkratzer und riesige Werbeplakate darauf. Meine Laune hellte sich schlagartig auf und ich lächelte verträumt aus dem Fenster. New York. Ich bin da, endlich! Als ich nach einiger Zeit sogar Justin Bieber's großes leuchtendes Gesicht auf einem der Werbeanzeigen klar erkennen konnte, musste ich trotz dieses Anblicks unwillkürlich lächeln. Als der Bus anhielt und auf dem Parkplatz mit den vielen Reisebussen hielt, war ich die Erste, die sich den eigenen Koffer schnappte und aus dem Bus lief. Draußen hielt ich Ausschau nach meinem Bruder Jacob, und ich hatte Erfolg: Sein blonder Lockenkopf war nicht zu übersehen. Ehrlich, Jacob musste aber auch immer und überall auffallen. Jetzt gerade zog er die Aufmerksamkeit aller auf sich, indem er wild winkte und ein riesiges Schild mit der Aufschrift 'Welcome Summer!' in den Händen hielt. Ich grinste und stürzte auf ihn zu. Leider warf ich ihn mit meiner Umarmung fast um und nun hatten wir wohl endgültig alle Aufmerksamkeit. Während ich mein Kleid wieder glattstrich, bemerkte ich aus dem Augenwinkel ein kleines süßes Mädchen, das mich aus großen grünen Augen anstarrte. In einem etwas gedämpfteren Ton wandte ich mich nun an Jacob. "Hi Jay Jay."
"Ich sehe es dir an, du hast mich vermisst!" Natürlich hatte ich ihn vermisst, wir hatten uns seit den letzten Sommerferien nicht mehr gesehen, was genau ein Jahr her ist. Zusammen beeilten wir uns, aus der immernoch gaffenden Menge zu verschwinden und zu seinem Porsche zu laufen, um endlich nach Hause zu kommen. Ich habe es schon immer genossen, in seinem Auto zu sitzen, und auch jetzt spürte ich mit meinen Fingern das weiche Leder und drehte laut Musik auf. Justin Timberlake ertönte und ich blickte entsetzt meinen fahrenden Bruder an. "Was ist mit deinem Musikgeschmack passiert? Das hätte ich aber niemals von dir erwartet, Jay Jay." Er kratzte sich peinlich berührt am Kopf und murmelte:"Das ist nicht meine CD, sondern die von Lucia." Lucia? Seine neue Freundin? Ich fasste es nicht. Wann hat er aufgehört, mir alles zu erzählen? Doch bevor ich mich weiter darüber ärgern konnte, fing Jacob an zu reden. "Zuhause erwartet dich ein Festessen! Rate mal, was es gibt." Unfair, er wollte mich ablenken. Doch weil ich gerade ziemlich gute Laune hatte, ließ ich das Thema 'Lucia' auf sich beruhen und widmete mich dem folgenden äußerst interessanten Gespräch über Pizza. "Wehe, es gibt keine Pommes." Das mag zwar komisch klingen, aber ich aß tatsächlich gerne Pommes und Currywurst auf Pizzen, diese Erfindung nenne ich "Sumzza", also wenn das mal nicht kreativ war! "Meine kleine Summer ist ja noch ganz die Alte. Immer noch verrückt nach allem, das frittiert ist!" Jakob und ich lachten und in diesem Moment bemerkte ich, wie sehr ich meinen Bruder vermisst hatte. Zwar nicht das Necken über meine Essgewohnheiten, doch ich musste zugeben, dass er mir doch zu viel bedeutet, um ihn ein Jahr lang nicht zu sehen. "Summy, du hast mir auch gefehlt!" Ertappt blickte ich auf. Gedanken konnte er nach einem Jahr wohl auch plötzlich lesen.
Zuhause wurde ich herzlich von meinem Vater empfangen, der meiner Meinung nach immer ein wenig nach Desinfektionsmitteln roch. Darum kam er wohl als Arzt nicht herum. "Summer meine Liebe! Willkommen zuhause." Er schloss mich fest in die Arme und ich genoss es. Beim Essen unterhielten wir uns vertraut und ich hielt glücklich meine "American-Sumzza-Pizza" in den Händen. Nach der Trennung meiner Eltern, die nun schon drei Jahre her ist, habe ich meinen Vater erst wenige Male gesehen. Jacob konnte mich öfters besuchen kommen, doch letztes Jahr blieb auch mit ihm ein Wiedersehen leider aus, mein Bruder hatte genug damit zu tun, seine Prüfungen für das College zu bestehen. Da meine Mum einen neuen Liebhaber hatte und mit ihm einen langen Roadtrip durch ganz Amerika machte, zog es mich hierher nach New York zum Rest meiner Familie. Das hieß nicht, dass ich Thomas, den Freund meiner Mutter und gleichzeitig mein Surflehrer, nicht ausstehen konnte. Nein, im Gegenteil: Thomas war wirklich nett und außerdem der beste Surflehrer! Doch was sollte ich alleine in unserer Wohnung im sonnigen Venice, ohne meine Familie? Ich wusste, es war eine gute Entscheidung, sie machte die Jahre ohne meinen Vater und Jay wieder wett und ich würde doch hoffentlich schnell Anschluss finden. Zum Glück war da Cara, die ich in einem meiner früheren Aufenthalte hier einmal kennengelernt hatte. "Achja! Ich rufe mal kurz Cara an, sie wollte mich unbedingt schnell sehen!" Ich legte mein heißgeliebtes Pizzastück ab und rannte hoch in mein Zimmer.
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Summer needs a Gentleman
Teen FictionSummer Anderson liebte das Leben im sonnigen Venice. Sie hatte tolle Freunde, eine fürsorgliche Mutter, und sie konnte jeden Tag beim Surfen mit ihrem Surflehrer die schöne Sonne Californias genießen. Seit ihre Mutter und ihr Surflehrer jedoch plöt...
