Völlig fertig, übermüdet und mit Augenringen des Todes saß ich in der dunkelsten Ecke eines kleines '24-Stunden-geöffnet' Cafés in Seattle. Es war kurz nach Mitternacht und außer mir war noch ein alter Mann da, der verdächtig nach einem Obdachlosen aussah. Und roch.
Seufzend griff ich nach meiner Tasse und trank den letzten Schluck Kaffee aus. Vor mir lag ein Stapel bedrucktes Papier und oben auf dem Stapel ein Blatt mit meinem Namen. Und einem fetten, roten Wort dass sich über die ganze Seite zog: "Abgelehnt". Der Verlag wollte mein Manuskript ganz offensichtlich nicht und diese Erkenntnis hatte mich aus den Schuhen gehoben. Ich kam nicht nach Seattle um Schriftstellerin zu werden, sondern um... so genau wusste ich das auch nicht. Auf jeden Fall musste ich aus meiner Heimatstadt raus und tja, hier bin ich. Schlaflos in Seattle. Und ganz nebenbei auch Arbeitslos und ohne Liebesleben.
Ich stützte meinen Kopf in meine Hände und seufzte, schon wieder. In Gedanken versunken starrte ich mein Spiegelbild im großen Fenster gegenüber an. Blasse Haut, braune Haare und die bereits erwähnten Augenringe. Ich sah aus und fühlte mich wie ein Zombie. Stirnrunzelnd überlegte ich ob ich noch einen Kaffee bestellen oder gleich zu den Harten Sachen übergehen sollte, da piepste mein Handy. Es war Sage, eine meiner 2 einzigen Freundinnen hier in Seattle. 'Wann kommst du nach Hause, B? Sollen wir dir gleich Pizza mitbestellen?' Zwei Sekunden später piepste es wieder: 'Wieso frage ich überhaupt. Wir bestellen dir eine mit Pilzen'. Ich verdrehte die Augen und grinste, sie kannten mich einfach zu gut.
Meine Laune hatte sich ein wenig gebessert, also raffte ich mich auf, schnappte mir den Stapel voller Schande (aka mein Manuskript) und schmiss es in den nächstgelegenden Mülleimer. Ich ging zum Tresen um meine 4 Kaffee's zu bezahlen und um mir gleich noch einen 5. mitzunehmen, da ging die Tür auf und ein kalter Schwall Luft wehte herein. Fröstelnd zog ich ein paar Dollar aus meinem Portmonnaie und gab sie dem Kassierer. Er bedankte sich und schob mir einen Becher mit dampfenden Kaffee zu. Ich nickte ihm dankbar zu, drehte mich um und stieß mit einem Mann zusammen der 2 Köpfe größer als ich war. Fluchend sprang ich zurück und mein Herz setzte vor Schreck ein paar Schläge aus. "Himmel Herr Gott, hängen sie sich mal ein Glöckchen um und schleichen sie sich gefälligst nicht mehr so an Leute heran!", patzte ich ihn an. "Oh nein Liebes, kein Grund mich Gott zu nennen. Blaine reicht vollkommen aus.", er zwinkerte mir mit einem schiefen Lächeln auf den Lippen zu. Ich wusste nicht ob ich seine Aussage attraktiv und total charmant finden sollte oder schleimig und ekelhaft. Statt eine Antwort zu geben entschied ich mich für ein abwertendes Schnauben. Kopf schüttelnd drehte ich mich um, schnappte mir meinen Becher und lief auf die Tür zu. Gerade als ich die Tür aufziehen wollte hielt mich jemand an meinem Handgelenk fest. Ich riss meine Hand aus dem Griff des Typen und starrte ihn an: "Was wolllen sie?!" Er starrte zurück. Dieser Blaine hatte einen wirklich intensiven Blick. Und wirklich blaue Augen, man könnnte sich glatt in ihnen verlieren... Aus den Augenwinkeln nahm ich wahr dass sein Mund sich bewegte, doch seine Worte erreichten mein Gehirn nicht denn seine eisblauen Augen zogen mich in einen merkwürdigen Bann.
Plötzlich wedelte der Kerl mit seiner Hand vor meinem Gesicht herum und sah mich fragend an: "Ich weiß dass mein charmantes Auftreten und mein unglaublich gutes Aussehen eine Ablenkung sein können, aber ein so intelligentes Mädchen wie du sollte wohl damit klar kommen, nicht wahr?" "Glauben sie mir, es liegt nicht an ihrem 'unglaublich gutem Aussehen'. Ich hatte einen verdammt langen Tag und wahrscheinlich zu viel Koffein, deshalb will ich jetzt einfach nur nach Hause. Und jeder der zwischen mir und meinem Bett steht stirbt einen schmerzvollen Tod, also gehen sie besser zur Seite, Mr. Unwiederstehlich.", erwiedere ich sarkastisch. "Der Abend ist noch jung, genauso sind wir es. Komm mit mir und du wirst *dein* Bett ganz schnell vergessen.", grinste Blaine mich an. "Und außerdem kenne ich ein tolles Mittel gegen Müdigkeit. Und gegen zu viel Koffein. Komm schon, vertrau mir, ich beiße auch nicht. Es sei denn du bittest mich darum." Er zwinkerte und wartete auf meine Antwort.
Ich kann nicht fassen dass ich wirklich über sein Angebot nachdachte. Und ich kann auch nicht fassen was ich an diesem Abend antwortete.
"Na gut.", seufzte ich "Entführen sie mich." Blaines erfreuter Gesichtsausdruck und sein größer werdendes Grinsen verrieten mir alles was ich wissen musste. Naja, fast alles, aber das wusste ich noch nicht.
YOU ARE READING
That One Guy
RomanceBrook hatte einen beschissenen Tag. Bis sie Blaine traf, der sie von Anfang an faszinierte. Doch irgendetwas schien nicht richtig...
