Das Gefühl, dass ich verfolgt wurde, wollte mich nicht loslassen. Wie benommen rutschte ich den imaginären Tunnel hinab und schlug hart auf den Boden innerhalb unserer Schlossmauern auf. Das Landen hätte ich noch nie richtig drauf. Fluchend kam ich wieder auf die Beine. Als ich aufblickte, sah ich in die Augen meines höchsten Meisters. ,,Was hast du angestellt? Du hast die ganze Mission zunichte gemacht!"
,,Aber Meister, ich...", setzte ich an. ,,Sei still! Jetzt komme ich zu dir, Kyle. Ich dachte, du wärst klug genug, auf mich zu hören. Warum zum Teufel hast du den Schutzschild durchbrochen?" Er zögerte mit seiner Antwort. ,,Aus Neid, Sir." ,, Du weißt, es ist gefährlich, wenn du deine Gedanken nicht kontrollieren kannst, junger Krieger. Fürs Erste bist du vom Dienst suspendiert. Bei dir, Alice, schaue ich noch einmal darüber hinweg, anhand der Tatsache, dass du so viele Goblos getötet und einem Lenobi das Leben gerettet hast."
Mit diesen Worten wurden wir beiden entlassen. Ich hoffte, ich würde nie mehr in eine solche Situation geraten. Am Allerwenigsten hatte ich im Moment Lust, mich vor Kyle zu rechtfertigen. Leider hasste mich das Schicksal.
,,Wärst du nicht gekommen, hätte ich sie plattgemacht!", grummelte er. ,,Das glaubst du doch selbst nicht." Ich wartete auf einen bissigen Kommentar, doch der blieb erstaunlicherweise aus. Er rannte fast in den nächsten Korridor hinein, damit schnellstmöglich Abstand zwischen uns entstand.
Als ich in meinem Zimmer ankam, ließ ich mich seufzend auf mein Bett fallen. Ich schloss die Augen und versuchte mich zu entspannen. Ich fiel in einen unruhigen Schlaf. Im Traum erschien mir eine öde, felsige Landschaft. Überall graue Leere. Ich stand auf und wartete, worauf genau, das wusste ich nicht. Plötzlich tippte mir jemand auf die Schulter. Ich drehte mich um und erstarrte. Vor mir hatte sich eine mehräugige Kreatur aufgebaut. Seine gespaltene Zunge hing sabbernd aus seinem Maul. Die Zähne waren so lang wie mein Unterarm. ,,Folge mir!", röhrte es. Ich drehte mich um und begann zu rennen. Ich kam nicht weit, da hatte es sich schon an meine Knöchel geworfen. Ich klatschte auf den Boden auf und schreckte hoch. Die Wände drehten sich zwar noch, gaben mir aber trotzdem das Gefühl von Sicherheit. Ich fuhr mir mit den Fingern durch die völlig zerzausten Haare. Ich kann Alpträume nicht ausstehen. Seit meines Einzugs vor zehn Jahren hatte ich nicht mehr schlecht geschlafen, was daran lag, dass jeder einzelne Alptraum von den Schlossmauern abgehalten wurde. Außer meinem. Na super. Da konnte ich mich ja auf etwas gefasst machen. Ich stand auf und quälte mich zur Tür. Ehe ich reagieren konnte, lag ich schon wieder auf dem Boden. Ich war über ein packet-ähnliches Etwas gestolpert. Ich rieb mir den Kopf und spürte schon die Schwellung. Kein Lenobi war so verletzungsanfällig wie meine Wenigkeit. Ich war einfach begeistert von diesem Tag. Es fing schon wieder an. Wenn ich verunsichert war, hatte ich einen großen Hang zum Sarkasmus. Ich beschloss, das Packet mit in die Bibliothek zu nehmen. Das war mein Lieblingsraum im ganzen Schloss. Hier konnte man Stunden sitzen ohne, dass es langweilig wurde. Außerdem kannte niemand diesen Ort besser als ich. Dort angekommen ließ ich das Packet auf einen Tisch fallen und mich in meinen Lieblingssessel. Ich blickte mich um und suchte nach einem Buch, von dem ich hoffte, dass es mir eine Antwort geben könnte. Eines fiel mir sofort ins Auge. Ich hob die Hand und es flog zu mir. Als ich das Buch aufschlug, wehte mir eine dicke Staubwolke entgegen. Hustend durchsuchte ich das Inhaltsverzeichnis nach reellen Träumen und deren Traumdeutung. Auf der letzten Seite des Buches glaubte ich, fündig geworden zu sein. Aber das Einzige was da stand war;
Reelle Träume
Glauben sie, dass ein lebensechter Traum sie heimgesucht hat? Vielleicht sogar eine Zukunftsvision? Dann kommen hier unsere Vermutungen:
-Wahrscheinlich hat ihnen ihr Gehirn einen Streich gespielt
-Oder sie haben sich diesen Traum einfach nur gewünscht
-Oder sie sind nur verrückt
In allen Fällen raten wir ihnen, einen Arzt oder Psychiater aufzusuchen. Und natürlich wünschen wir ihnen gute Besserung.
Super. Jetzt hatte ich meine Antwort darauf, warum das Buch so verstaubt gewesen war. Es wurde von Verrückten für Verrückte geschrieben. Seufzend stellte ich es zurück ins Regal und setzte mich wieder. Laut des Buches war ich eine Durchgeknallte. Irgendwie hatten sie nicht ganz Unrecht; ich war eine Lenobi. Eigendlich war ich total stolz darauf, eine der einzigen Widersacherin der Hölle zu sein. Man konnte Magie auch für andere Sachen, als Goblos zu verprügeln, gebrauchen. Ich liebte es schon immer zu fliegen. Außerdem konnte man fast alles machen, was einem
Diese Freude verging schnell, denn was sollte ich jetzt machen? Plötzlich krachte ein Schrank auf mich hinab.
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Lenobi #Wattys2015
FantasyEin Mädchen, das dem Stamm der Lenobi (Mischung aus Hexe, Fee und Vampir) angehört, erfährt von den unglaublichen Kräften, die in ihr ruhen. Sie beginnt eine Reise, um sich selbst, ihre Bestimmung und die große Liebe zu finden...
