Prolog

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Sie schloss die Augen und versuchte alles auszublenden, alles ausser diese Stimme. Sie schien so weit weg und doch war es wie eine Hand, die ihre nahm und sie mit sich zog. Kalter Schnee drang an ihre nackten Füsse, doch sie verschwendete keinen Gedanken daran, spürte die Kälte nicht einmal richtig. Von oben kam Licht, doch sie spürte auch nicht den reinsten Hauch von Wärme. Es war als wäre ihr Körper leblos, nur diese Stimme liess ihn gehen, leben, fühlen. Sie stolperte, fiel hin und da sah sie ihn. Sie konnte sein Gesicht nicht wirklich erkennen, doch sie spürte seine Panik. Und die war nicht umsonst. Sie robbte nach vorne. Das konnte doch einfach nicht sein. Der Boden war nicht zu erkennen und das andere Ende auch nicht, nur eines war klar. Ein Sturz von dieser Klippe würde er nicht überleben. Er klammerte sich mit aller Kraft an der Wurzel fest, die über dem Abgrund ragte, doch vom Schnee war das Holz nass und seine Finger mussten eisig kalt und kraftlos sein. Einen klaren Gedanken fassen war nicht möglich. Langsam, wie automatisch, streckte sie ihre Hand aus. Als sie in seine Reichweite kam, griff er nach ihr wie ein Ertrinkender. Die Last war enorm. Sie zog, doch sein Gewicht war zu schwer. Alles tat weh, loslassen konnte und wollte sie aber nicht. Ein Kampf mit sich, mit der Kraft und dem Verstand, begann. Ihre Augen waren geschlossen. In ihrem Inneren wütete ein Wirbelsturm, der alles mitriss. Hoffnung, Kraft, Mut. Doch nicht ihr Kampfgeist. Schreie, die niemand hören konnte, betäubten ihren Kopf. Sie weinte. Ohne das es jemand bemerkt hätte, jemand darauf geachtet hätte, ohne eine Träne. Doch innerlich strömten Wasserfälle über ihre Wange. Sie konnte einfach nicht mehr. Nein, sie durfte nicht aufgeben. Die letzte Kraft baute sie auf, doch es war nicht genug. Sie sank in den Schnee. Erst jetzt entdeckte sie das Blut an seinem Bein. Zum ersten Mal meldete sich ihr Kopf. Wie konnte das nur sein. Nirgendwo sonst war Blut und aufgeschürft konnte er es hier nicht haben, ausser der Wurzel war hier nichts. Sie richtet den Blick erneut auf den Jungen. Sie konnte einen schwachen Umriss erkennen, nur das Blut war klar und deutlich zu sehen. Wie in Zeitlupe lösten sich ihre Hände. Sie konnte nichts dagegen tun, die Kraft hatte sie verlassen. Sie liess nicht los klammerte sich mit der einen Hand an seiner mit der anderen ebenfalls an der Wurzel. Sie war ihre letzte Hoffnung. Sie versuchte noch einmal ihre Kraft zu bündeln, doch ihr sie fühlte sich so leer wie noch nie. Ohne Kraft, ohne Hoffnung. Nur ihr Herz spürte sie schlagen, schnell. Doch es war, als wäre es in einem Käfig eingesperrt, nicht stark genug um alle Kraft frei zu lassen. Eingesperrt und ohne Aussicht irgendwie da raus zu kommen. Sie schloss ihre Augen. Die Wärme an ihrer Hand wurde immer schwächer, die Härte der Wurzel immer undeutlicher. Es war alles schwarz. Dann gab es einen Knall.

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⏰ Last updated: Nov 18, 2020 ⏰

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