"Darauf habe ich schon ewig gewartet. Endlich haben wir es überstanden. Kommt, darauf müssen wir einen Trost aussprechen!"
Aurelia hob ihren Becher mit Saft, welcher mit irgendeinem billigen Vodka gemischt war, welchen Aurelias Freund Lucas mitgebracht hatte, und ich tat es ihr nach. Aurelia und ich verzogen unser Gesicht, denn Lucas hatte kein besonders gutes Alkohol-Saft Verhältnis hergemixt. Mal wieder.
"Übertreibt nicht, das muss so sein!", meinte Lucas als Antwort auf unsere Gesichtsausdrücke und grinste.
Lucas hatte ein Grinsen, welches jedes Mädchen dahinschmelzen lies, und schlecht sah er auch nicht aus. Er passte gut zu meiner besten Freundin Aurelia, sie war nämlich auch hübsch. Ihre Locken, ihre braungebrannte Haut und ihr italienisches Temperament könnten jedem Jungen den Kopf verdrehen, auch den Seniors unserer Schule. Wir sind zwar schon 11. Klässler, doch trotzdem scheinen die 12. Klässler kein Stückchen Interesse an Jüngeren zu haben.
Schnell verdrängte ich den Gedanken an die Schule. Heute war der letzte Schultag, was auch der Grund ist, warum wir am Goldenlake saßen, den Sonnenuntergang beobachtetem und anstießen.
"Sieh mal wer da kommt Noemi!", sagte Aurelia auf einmal und zeigte neben uns. Zwar ist der Goldenlake nicht wirklich unbekannt, auch bei Touristen der Stadt, doch trotzdem fahren viele lieber an dem nächstgelegenen Strand nach Oceanside, anstatt sich hier mit dem vergleichsweise kleinen See zu begnügen.
Ich stöhnte genervt auf, als ich meinen Nachbar Francis Jensen und seine Freunde erblickte. Francis schaute kurz in unsere Richtung, sah aber blitzschnell wieder weg.
Seit Francis 13 Jahre alt war, verstanden wir uns nicht mehr so gut. Davor haben wir oft etwas miteinander unternommen und wir waren als Kinder unzertrennlich. Jeden Tag spielte er mit mir im Sandkasten und machte Sandkuchen für mich und niemand anderen. An Sommerabenden zelteten wir oft zusammen bei uns im Garten.
Aber von einem auf den anderen Tag fing er an, mich als den nervigsten Menschen der ganzen Welt anzusehen. Entweder sagte er beleidigende Sachen zu mir oder ignorierte mich, wobei letzteres jetzt die Regel ist. Normal mit ihm reden war nicht mehr drin. Meine Mutter meinte mal, er sei doch jetzt in der Pubertät und das ist die Zeit, in der sich Jungs verändern. Jetzt war er 17 und ich 16. Für mich wirkte es eher so als wolle er bessere Freunde finden. Was interessanteres als mich. Aber das war doch kein Grund plötzlich gemein zu mir zu sein oder?
"Wir ignorieren sie einfach.", meinte ich schließlich zu Aurelia und Lucas.
"Wieso? Ich finde dein Nachbar ist ziemlich heiß geworden." Als Aurelia das sagte verdrehten ich und Lucas die Augen. Für mich war er nichts besonderes, er war groß und eher schmächtig, er ist im Laufe der letzten Jahre in die Länge, statt in die Breite gewachsen.
"Lia! Hast du schon vergessen wie gemein er manchmal zu mir ist? Ich will nicht jetzt nicht über ihn reden, das ist er nicht mal wert!", rief ich entsetzt. Ich weiß nicht woher diese Wut kam, auch Aurelia schien es zu bemerken und sah mich verwirrt an.
Ich erinnerte mich daran, wie er mich an der Bushaltestelle mal so stark angerempelt hatte, dass sich meine Blätter, die ich in der Hand hatte, auf dem ganzen Bürgersteig verteilten. Und als Krönung ließ ich meinen Kaffeebecher ebenfalls fallen und es verteilte sich alles über die Blätter. Ich kniete mich runter und wäre vor Scham am liebsten im Boden versunken. Alle hatten mich angeschaut, aber keiner hatte mir geholfen. Francis hat sich nur kurz umgedreht, sich das Chaos angeschaut und ist schließlich einfach weiter gelaufen, als hätte er nichts damit zu tun.
Ich starrte nur runter auf den Boden und begann jedes Blatt aufzuheben, als ich spürte wie mir gleich die Tränen kamen.
Auf einmal hielt mir eine Hand die Blätter hin. Erstaunt schaute ich auf, um herauszufinden welchem Gesicht diese Hand gehört.
Es war Finnegan Russo. Einer von Francis' besten Freunden und mein heimlicher Schwarm seit der 1. Klasse. Seit er mir in der großen Pause seine Gummibärchen geschenkt hat.
Ja, manchmal bin ich zu leicht zu beeindrucken, aber Finn ist einfach zu süß.
"Bleib ruhig, Francis ist nicht mal ansatzweise mein Typ und ich hab doch Lucas, den kann niemand ersetzen.", versuchte Aurelia mich - und wahrscheinlich auch Lucas - zu beruhigen und gab ihm einen Kuss, wobei ich wieder die Augen verdrehte.
Erstens wusste ich, dass Lia oft noch andere Kerle anschmachtete, zweitens bin ich total genervt von ihren ständigen Liebeleien.
Es ist nicht so, dass ich mich nicht für die zwei freue, aber manchmal vermisse ich die Zeiten, an denen wir noch normal befreundet waren. Jetzt fühlte ich mich oft etwas ausgeschlossen, vor allem wenn sie etwas ohne mich unternehmen.
"Habt ihr es dann mal?", unterbrach ich sie, doch versuchte es witzig zu sagen, damit ich nicht wie die Nervensäge da stand und sie nächstes mal wieder alleine etwas unternehmen.
Sie erzählten etwas über unsere Pläne für diesen Sommer und ich stellte fest, dass ich die einzige bin, die planlos war.
Als die Sonne untergegangen war, brach ich zum Heimweg auf. Lucas und Aurelia gingen ebenfalls, aber wohnten beide in der anderen Richtung, weshalb ich alleine laufen musste.
Ich lief in der Dämmerung die Allee auf dem Weg nach Hause hinunter und genoss die angenehme Temperatur.
Auf einmal schrie ich auf, als mich jemand von hinten packte. Ich schrie und schlug wie wild um mich. Ich hatte in der 10. Klasse mal einen Selbstverteidigungskurs gemacht, doch in dieser Situation konnte ich keinen klaren Gedanken fassen und das einzige was mir in den Sinn kam war nach meiner Mama zu schreien.
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Our Summer
RomanceStell dir vor, du hast einen Sommer lang Zeit, deine heimliche Liebe zu erobern. Noemi lässt keine Gelegenheit ungenutzt, Finn diesen Sommer für sich zu gewinnen. Allerdings muss sie mit einigen Problemen fertig werden, unter anderem mit ihrem Ex-B...
