I.

15 3 1
                                        

Früher war alles einfacher.
So ist es doch. Es wird nie besser sein, als es einmal war. In der Erinnerung ist alles besser und leichter. Egal wie schwer es war. Zurückblickend ist es leicht, man hat es ja schließlich geschafft.
Doch was ist wenn man es nicht schafft?
Wenn diesmal anders ist und man nicht weiter kommt?
Nicht abschließen kann?
Nicht vergessen kann?
Wenn es so schwer zu begreifen ist, was passiert ist oder noch passiert. Wenn es auch in der Zukunft, wenn man dann darauf zurückblickt, vielleicht in 10 Jahren, in 20, wann auch immer, immer noch schwer ist.
Und schmerzt.
Nicht dieser Schmerz den du fühlst wenn du dir in den Finger schneidest, oder dir vielleicht ein Bein brichst. Dieser schlimme, brennende Schmerz tief in dir, den du nicht durch irgendwelche Schmerzmittel lindern oder beseitigen kannst. Dieser Schmerz der dich bedrückt, den du durchgehend fühlst.
Dieser Schmerz den du spürst wenn du etwas verlierst.
Verlust.
Wenn du jemanden verlierst. Nicht nur etwas, das dir vielleicht etwas bedeutet hat, das du aber ersetzen kannst und irgendwann vergisst.
Sondern eine Person.
Jeder wird das erleben. Jeder wird Menschen in seinem Leben verlieren. Sie kommen in unser Leben und gehen wieder. Wenn Sie gehen ist es schwer und schmerzt. Doch bei den meisten kann man später darauf zurückblicken ohne weiterhin diesen Schmerz zu spüren. Wahrscheinlich sticht das Herz kurz und der Schmerz ist für eine Millisekunde wieder da. Doch man kann es aushalten.
Man kann vergessen.
Im besten Fall lebt ihr euch nur auseinander.
Doch im schlimmsten Fall wird eine Person aus deinem Leben gerissen. Egal in welchem Moment. Sie ist einfach weg.
Dies kann allen passieren. Das Leben nimmt keine Rücksicht ob diese Person wichtig für dich ist, ob du sie brauchst. Sie sind dann einfach weg, für immer.
Du kannst es nicht ändern, diese Person ist einfach weg.
Am schlimmsten ist es wenn du der Person sehr nahe standest.
Wenn die sie vielleicht geliebt hast.
Liebe.
Warum ist sie so wie sie ist?

     „Ach dass die Liebe die so lieblich scheint,
      es doch so grausam und tyrannisch meint."

Tja. So ist es wohl. Erst verzaubert sie uns.
Zieht uns in ihren Bann. Benebelt unsere Sinne. Lässt uns die Welt durch eine rosarote Brille sehen. Alles ist schön, friedlich, aufregend und neu. Jede neue Erfahrung mit der geliebten Person.
Leider geht das irgendwann vorbei.
In der fröhlichen Welt ziehen auf einmal Wolken auf und es sieht plötzlich nicht mehr so schön aus. Nicht mehr so friedlich und aufregend. Alles ist anders als vorher.
Und hier sehen wir es wieder:
Früher war alles einfach.
Wenn die schöne, heile Welt dann zerbricht zeigt sich die grausame Seite der Liebe.
Trauer, Wut, Einsamkeit.
Die Einsamkeit ist ein Teil des Schmerzes den du nicht unterdrücken kannst.
Wie willst du das auch tun?
Du fühlst dich alleine egal wie viele Leute um dich herum sind. Diese Lücke in deinem Herz die scheinbar niemand füllen kann.
Die Lücke heilt nicht zu.
Das hört sich hart an, doch so ist es.
Sobald du einmal ein Teil deines Herzens verschenkt hast fehlt dieses Stück. Du bekommst es nicht zurück.
Es wächst auch nicht zu.
Du füllst es nur mit einem Stück einer anderen Person. Immer wieder aufs neue. Auch wenn es erst so scheint als ob es nie wieder gut wird. Das wird es.
Das ist doch eine gute Sache.
Die Zukunft.
In sie kannst du immer deine Hoffnung stecken. Hoffnung auf bessere Zeiten.
Doch was ist wenn du keine Zukunft mehr für dich siehst?
Wenn du keine Zukunft haben willst?
Wenn du das Gefühl hast das fehlende Stück in dir ist so groß das es auch nicht ersetzt werden kann, da alle anderen Stücke zu klein sind.
Immer noch etwas fehlen wird.
Und wie willst du in die Zukunft sehen, wenn du noch in der Vergangenheit lebst?
Oder wenn du das Gefühl hast nicht mehr zu leben sondern nur zu existieren?
Das schlimmste ist, wenn die Einsamkeit sich ausbreitet und dich langsam zerfrisst.
Wenn aus Trauer und Einsamkeit eine Leere entsteht. Leere, Gefühllosigkeit, schlimmer noch als die Einsamkeit. Und dann blickst du wieder zurück und merkst, dass es früher besser war.

Wenn ich auf mein Leben zurückblicke sehe ich alles grau, wie von einem Schleier umhüllt. Ich sehe einige Lichtblicke, hatte Hoffnung für die Zukunft, dass alles besser wird. Dass alles durch ihn besser wird. Und so wurde es. Zumindest für kurze Zeit. Doch ich wurde bitter enttäuscht, nicht von ihm, sondern vom Leben.

You've reached the end of published parts.

⏰ Last updated: Apr 13, 2017 ⏰

Add this story to your Library to get notified about new parts!

BigGirlsCryWhere stories live. Discover now