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Mit zittrigen Händen hielt sie die kleinen Kärtchen in ihren dünnen Händen, strich mit ihren Fingern das weiche Papier. Atmete tief ein und aus. "Du schaffst das. Ist doch nur ne Präsentation", ihr Inneres war das reinste Gefühlschaos, mit Müh und Not versuchte sie dieses zu ordnen.
Ein fremdes Mädchen in ihrem Alter kam die Stiegen hinauf und begrüßte sie: "Ah, Sophie!", freundlich lächelte die Fremde und winkte ihr entgegen. "Amanda, hallo", antwortete Sophie trocken, ohne sie anzusehen. "Nervös?", fragend neigte Amanda ihren Kopf zur Seite, sodass ihre kurzen schwarzen Haare in ihr Gesicht hangen und ihre blasse Haut verdeckten. "Nicht wirklich", log Sophie sie an und versuchte ihren Blick zu meiden indem sie auf die Blätter vor ihr starrte. Doch ihre Freundin ließ nicht von ihr los: "Du schaffst das doch locker!", dabei legte sie ihre Hand auf Sophies Schulter. "Danke, Amanda", mit einem breiten Grinsen blickte Sophie hinauf und sah direkt in Amandas rundes Gesicht, in ihre braunen ungeschminkten Augen. "Ach, das ist doch selbstverständlich!" Sophies Gesichtsausdruck wurde wieder ernst und dieses mal sah sie die Kärtchen vor ihr siegessicher an. "Ist doch nur eine Präsentation", dabei zerknitterte sie das Papier ein wenig, "Das schaff' ich doch mit links!"

Nach einigen Minuten verließ ihre Freundin Amanda Sophie dann auch wieder und ließ sie allein zurück. Es kam ihr wie eine halbe Ewigkeit vor zu warten. Zu warten und zu warten. Doch zum Glück war ihre Nervosität verschwunden. Auch das Zittern, heftige Herzklopfen und der schwere Atem hatten aufgehört sie zu blockieren. Ihr Selbstvertrauen hatte sich wie ein Schild um sie gebaut und ließ sie selbstsicher strahlen.
Plötzlich ging die Tür neben ihr auf und eine etwas ältere Lehrerin bat sie herein zu kommen: "Bitte kommen Sie, Frau Renner" Sophie erhob sich von den kalten Stiegen, putzte den Staub von ihrem schwarzen Rock und wandte sich zu der älteren Frau. Selbstbewusst schritt sie voran, setzte einen Fuß elegant nach dem anderen. Sie fühlte sich gut, nahezu unbesiegbar. "Das schaff ich", wiederholte sie mehrmals in ihrem Kopf. Atmete tief ein. Aus. Ein. Aus. Schritt weiter voran. Ein. Aus. Umschloss die kalte Türklinke mit ihren dünnen Fingern fest und drückte diese nach unten. Ihr Puls ging rasant in die Höhe, als sie die Tür langsam öffnete. "Jetzt reiß dich zusammen", Sophie versuchte sich zu sammeln, irgendwie gelang ihr dies auch, dennoch zerrte es an ihren Kräften.
Mit schlotternden Knien betrat sie den Raum. Ihr selbstbewusstes Auftreten konnte sie jedoch aufrechterhalten und hob ihr Kinn leicht nach oben. Sanft ließ sie die dunkle Tür hinter ihr ins Schloss fallen. Ein. Aus. Ängstlich wanderte ihr Blick in Richtung der Lehrer und des Vorsitzenden, der der Präsentation ebenfalls beiwohnen durfte bzw. musste. "Und los geht's", wieder holte sie tief Luft und begann letztendlich zu sprechen. "Meine sehr verehrten Zuschauer. Direktor Schürr. Frau Professor Lang. Herr Professor Nickl. Herr Professor Mayrhofer. Und sehr geehrter Herr Vorsitzender", Sophie ging leicht in die Knie, um es wie eine Verbeugung wirken zu lassen, dabei blickte sie keinem in die Augen, um ihrer Nervosität nicht zum Opfer zu fallen.
Dann fuhr sie fort. Erzählte dem Komitee alles kurz und präzise zusammengefasst. Versprach sich nicht. Redete flüssig. Kein einziger Fehler passierte ihr und das alles mit einem großen Lächeln in ihrem schmalen blassen Gesicht. Die Lehrkräfte waren begeistert und lauschten ihr erstaunt. Als sie ihre Präsentation endlich beendet hatte fügte sie noch hinzu: "Vielen herzlichen Dank für ihre Aufmerksamkeit!", und verbeugte sich erneut.
Nun musste sie nur mehr einige Fragen beantworten. Dazu wurde sie gebeten sich erstmal zu setzen, was sie natürlich sofort tat. Sophie musterte die vor ihr Sitzenden genau und erblickte die Zufriedenen Gesichter der Lehrer uns des Direktors. Doch bei dem gelangweilten und ernsten Blick des Vorsitzenden lief ihr ein Schauer über den Rücken hinab und wieder hinauf, was ihren Körper zum Zittern brachte. Angespannt wippte sie mit ihrem Fuß. Ließ sich jedoch nichts anmerken, indem sie gerade und mit gehoben Kopf sitzen blieb. "Wie schaut der denn drein'?", fragte sie sich genervt und verdrehte ihre Augen. Daraufhin setzte sich der scheinbar ebenfalls genervte Mann anders hin, lehnte seine Ellenbogen auf den Tisch und faltete seine großen knochigen Hände zusammen. Sein Kinn, das von einem dichten schwarzen Bart bedeckt war legte er auf seine dürren Finger. Sein giftiger Blick war wie der einer Schlange, der gerade seine nächste Beute ausspioniert. "Was für ein Idiot", Sophie wollte sich nicht weiter mit ihm beschäftigen, doch sein an ihr haftender Blick drang wie Gift in sie ein und ließ ihren Leib wie Espenlaub erzittern.
Als die Diskussion, wo Sophie noch einige Fragen gestellt wurden, endlich zu Ende war und sie trotz der in ihr immer größer werdenden Angst vor diesem Fremden mit Bravur beantwortet hat, sogar ausführlicher als gefragt, verließ sie so schnell wie möglich den Raum, nachdem sie sich natürlich höflich verabschiedet hatte.
Doch etwas in ihrem Inneren wollte, dass sie sich noch einmal zu dem seltsamen Mann umdrehte. Leicht wandte sie ihren Kopf zurück. Ihre zittrigen Finger umgriffen die Türklinke. Ihre Blicke trafen sich. Sophies braune Augen weiteten sich vor Schreck. Sie drückte den Griff nach unten. Die grünen Augen des Mannes musterten sie abwertend von oben nach unten. Untersuchten sie. Als ob er durch sie hindurchsehen würde und versuchen würde sie zu analysieren. Ihr Körper schlotterte wie verrückt. Hastig öffnete sie die dunkle Tür und verschwand.
Ein. Aus. Ein. Aus. Mit Müh und Not versuchte sie ihre Atmung unter Kontrolle zu bekommen, doch dies schien in diesem Augenblick unmöglich.
"Wieso sitzt so jemand denn im Komitee?", verwirrt schüttelte sie ihren Kopf hin und her. "So ein Arschloch..."

Mit lüsternem Blick verfolgte der unbekannte Mann ihren schlanken Körper. Doch dies merkte man ihm nicht an, denn er konnte seine Emotionen gut kontrollieren. "Interessant, dass so ein Punkermädchen so eine Leistung überhaupt erbringen kann...", langsam strich er mit seiner Hand über seine Barthaare. Eigentlich wollte er mit ihr abschließen, doch ihr Gesicht blieb in seinem Gedächtnis. Ihre Bewegungen. Ihr Körper. Ihre Lippen, wir sie sich beim Sprechen bewegten und ihn anturnten. "Was?! Nein!", verkrampft streckte er seine Beine aus und presste sein Gesicht in seine großen Handflächen. Der Mann wollte sie aus seinen Gedanken verbannen, doch sie schwirrte wie ein nerviges Insekt in seinem Kopf herum. So wollte er sie zerquetschen, aber es ging einfach nicht. "Wahrscheinlich hat sie ihre Arbeit nicht einmal selbst geschrieben.... Nein! Das geht nicht!", nicht einmal mit Belustigung und Verachtung konnte er diese Sophie vergessen.
"Sophie Renner..."

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