Die Einsamkeit der Sterne

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 ,,Opa? Zeigst du mir den Zentaur? ''

,,Natürlich. Schau, dort oben, gleich neben den Kreuz. Beim sehr hellen Stern.''

Der Greis zeigte mit dem Finger an einen Punkt am Himmel.

,,Opa?''

,,Ja?''

,,Haben Tote ihre eigenen Sterne?'' Es betrübte den Mann, diese Frage der Enkelin zu hören.

,,Das hängt nur von dir ab, meine Kleine '' Er seufze.

Das Mädchen schaute, in Gedanken versunken auf ihre Beine und spielte mit ihrem schon etwas zu kurzen Kleid. Einen Moment lang regte sie sich nicht, um dann ihren Blick in den Horizont zu richten.

,,Ich vermisse sie auch, meine Kleine'' Der Opa nahm seine Enkelin in den Arm.

,,Sie wird immer bei uns sein, genau hier...'' Er stach leicht die linke Hälfte ihres Brustkorbs. Dort, wo das Herz ist.

,,Ich hab dich lieb, Opa!''

,,Ich dich auch, meine Kleine, ich dich auch...'' Er drückte sie fest.

***

,,Opa! Opa!'' Das Mädchen lief weinend in die Hütte, ein kleines Bündel haltend.

Der beunruhigte Mann kam schnell aus der Küche gelaufen, er konnte nicht mehr rennen.

,,Was ist passiert, Kleine?'' Er blickte sie prüfend an, nach Verletzungen suchend. Die Gegend hier war nicht sicher.

,,Du musst ihm helfen!'' Sie zeigte auf das Bündel.

Ihr Opa beruhigte sich, wissend dass seiner geliebten Enkelin nichts passiert war. Sie schaffte es, in dieser Zeit aus dem Küchenschrank Salbe und ausgekochte Tücher rauszunehmen.

,,Opa! Schneller!''

,,Ich komme, Liebes, ich komme. Was hast du diesmal mitgebracht?'' Er fragte leicht lächelnd.

,,Einen Raben! Eine Katze hat ihn angegriffen!''
Ihre großen Augen leuchteten mit Vertrauen. Sie glaubte, dass ihr Held den Vogel retten würde.

,,Raben sind ein schlechtes Omen, du weißt das'' Sagte er ernst.

,,Ich weiß! Aber er ist ja gar nicht ganz schwarz! Er hat doch eine weiße Schwungfeder!'' Sie dachte sich schnell ein paar Argumente aus.

,,Lass ihn nicht sterben!'' Versuchte sie ihn zu überzeugen.

,,Na gut.'' Ihr Opa ergab sich.

Seine Erinnerungen ließen ihn aber nicht in Ruhe. Es fühlte sich nicht gut an, einer Personifikation des Todes zu helfen. Er ging an das fast bewusstlose Tier heran und schaute sich die Wunde an. Er verzog das Gesicht. Es sah ernst aus, er war kein Arzt, und er hatte nur ein bisschen Stoff und Salbe zur Verfügung.

Das Mädchen stampfte ungeduldig mit dem nackten Fuß auf und zupfte mit ihrer gebräunten Hand nervös an ihren dunklen Locken.

,,Und?'' Sie hielt es nicht mehr aus. Sie war schon immer ungeduldig gewesen. Genau wie sie.

,,Nicht gut'' antwortete er kurz. Doch als er die Tränen in ihren Augen sah, fügte er hinzu: Er hat aber eine Chance.

Jetzt musste er sich bestimmt bemühen. Und auf ein Wunder und den Überlebenswillen des Raben zählen.

***

Er schaute in den Himmel. Der Phönix war wieder zu sehen. Das war ihre Lieblings-Konstellation. Er blinzelte leicht in seine Richtung, lächelnd, als der kleinste Stern heller aufschien und zurückblinzelte.

,,Wir vermissen dich'' Er flüsterte.

Er ließ es zu, dass seine Traurigkeit einen Weg nach außen bahnte und Tränen über seine Wangen flossen. Vor der Enkelin musste er stark sein.

,,Opa? Du weinst?''

Er spannte sich an und wischte die Tränen mit einer schnellen Bewegung weg.

Nein, natürlich nicht.

Das Mädchen setzte sich auf seinen Schoß und drückte ihn fest. Ihre Augen wurden feucht, sie schaute jedoch tapfer auf ihren Opa.

,,Ich vermisse sie auch'' Sie drückte fester.

,,Sogar, wenn ich nicht so viel Zeit mit ihr verbrachte wie du'' Sie lächelte traurig.

Ihre Wangen waren schon nass, sein altes Hemd feucht. Diesmal hielt er sich nicht zurück und die Tränen flossen auch bei ihm. Die Enkelin schaute ihn verwundert an, legte aber ihren Kopf wieder auf seine Schulter. Er streichelte leicht ihren Rücken, als sie anfing zu schluchzen. Beide brauchten diesen Moment, denn die lang anhaltende Trauer zerstörte sie langsam.

***

Er saß unglücklich auf dem Stuhl, beobachtend, wie seine Enkelin für ihn arbeiten muss. Nachdem er sich Frühs nur mit Schwierigkeiten aus dem Bett sich Frühs erheben hatte, stellte sie fest, dass er genug Arbeit hat und sie sie nun erhalten wird. Das gefiel ihm nicht, doch er war immer älter. Und somit saß er auf der knarrenden Weidenrute beleidigt und doch Stolz, dass seine Kleine zurechtkommt.

Sie trieb gerade die geflohenen Ziegen zurück in das Gehege. Ein gezähmter Rabe mit einer weißen Feder half ihr, mit seinen kreischen hielt er sie vor dem Weglaufen ab. Sie schloss das Tor hinter der letzten Ziege zu. Sie lächelte ihren Opa an. Sie hat bewiesen, dass sie hier auch alleine zurechtkommt, dass sie den Hof auch ohne Hilfe oder den Schäferhund, der gestorben war, als er von einer Schlange gebissen wurde, führen kann.

,,Sie kommt zurecht auch ohne mich'' dachte er.

***

Eine junge Frau schüttete ein Loch zu. Tränen verschwammen ihr das Sichtfeld, doch ihre Hand zitterte nicht, als sie ein Kreuz aus Stöcken band und Blumen auf die Erde legte. Sie schaute die vier Gräber an. Sie kniete sich vor sie, mit einer Hand einen Raben im Nacken streichelnd.

,,Warum habt ihr mich verlassen?'' Sie schluchzte. ,,Warum?''

Mit Trauer schaute sie in den nächtlichen Himmel. Vier Sterne des Phönixes schienen heller, als ob sie ihr Mut und Zuversicht geben wollten. Es wurde ihr leichter ums Herz.

,,Ihr habt mich nie verlassen...'' Sie flüsterte mit Erstaunen.

,,Danke...''
Neue Tränen flossen ihr über die Wangen. Diesmal war es nicht Trauer, sondern Dankbarkeit.

Sie war nie allein.

Sie wird nie allein sein.

,,Danke...''

~*~

Die Geschichte wurde für den Wettbewerb '' Weltall, Erde. Mensch und... Ich?!'' geschrieben. Hoffe das es gut ist und sagt bitte bescheid wenn ihr Fehler sieht (bei mir klapts so nicht mit Rechtschreibung und Grammatik ;) 

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⏰ Last updated: Jun 21, 2017 ⏰

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