Perfekt.

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Dieser Text ist mir zu "Skinny love" von Bon Iver eingefallen.

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Ich öffnete die weiße Türe, die wir schon längst reparieren wollten, doch irgendwie gehörte das leise knarzen beim Öffnen schon dazu. Mit den Schuhen in der Hand möglichst leise zur Küche, Nachtschichten sind Gott sei Dank nur Ausnahmen. Kurzes Innehalten - nichts zu hören. Anscheinend schläft er noch. Ein leichtes Lächeln entwischt mir beim Gedanken an ihn. Die Jacke, die Schuhe und die Tasche beiseite, die Schlafzimmertür angelehnt.

Ich krame die frischen Brötchen vom Bäcker hervor und bringe sie zum Tisch. Die Kaffeemaschine arbeitet vor sich hin, während ich das Tablett mit Marmeladen, Aufstrichen, halbierten Brötchen und Kaffeetasse belade. Eine Blume vom Strauß, der im Wohnzimmer steht, lege ich dazu. Er hatte ihn mir zum Jahrestag geschenkt. Er. Mein ein und alles. Der heiße Kaffee kommt in die Tasse und ich nehme diese vorsichtig in die Hand, darauf bedachtet leise zu sein und nichts auszuschütten. Ich öffne mit dem Ellenbogen die Schlafzimmertür, die Luft duftet nach frischem Brötchen und Kaffee, ich lächle immer mehr je näher ich ihm komme. Und dann stehe ich da vor ihm. Er sieht so majestätisch und süß zugleich aus, so wie er da liegt und schläft. Unschuldig. Liebenswert. Da war er, dieser perfekte Moment, von dem alle immer sprechen. Perfekt. 

Und dann war da noch sie. Sie, die da nicht hätte liegen sollen. Sie, die ihm mal das Herz gebrochen hatte. Sie, die wird beide gehasst hatten, für das was sie ihm angetan hatte. Sie. 
Ein lauter Krach. Ich hatte das Tablett fallen gelassen. Das war mir egal. Ich fühlte nichts, ich spürte nichts. Nichts außer leere. Er hatte mich erfüllt, durch ihn war ich vollkommen gewesen. Er. Der nun nicht mehr mein ist. Ich höre nichts. Ich sehe nichts. Ich spüre nur die Kälte der Luft die mir ins Gesicht schläft, als ich die Wohnung verlasse und die heiße Träne, die sich ihren Weg über meine Wange bahnt. Gefolgt von einer Weiteren. Gefolgt von vielen Weiteren. Schwäche. Schmerz. Hilflosigkeit. Wohin?

Zu ihm.

Ich stehe vor seiner Haustür. Er, den ich angelogen hatte, ich hätte aus den Fehlern gelernt. Er, dem ich vertraute. Er, der mich kannte. Er, der mich vor ihm warnte. Er, der nun vor mir steht.
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Sie. Sie musste nichts sagen, nichts deuten. Ich sah in ihre Augen. Durch ihre Augen, der Eingang in eine kleine Welt - unsere kleine Welt. Wo uns niemand wehtat, wo wir nur wir selbst waren, wo wir uns vertrauten, wo wir immer füreinander da waren. Diese Welt war dunkel und zerbrochen. Ich wusste Bescheid. Sie stand da, gebrochen und ohne jegliche Lebensfreude. Ich hasste ihn dafür. Mehr als hassen. 

Sie kommt einen Schritt auf mich zu. Ich nehme sie in den Arm. Ich höre nichts, sehe nichts. Spüre nur sie, ihre Tränen die durch meinen Pullover sickern und rieche ihren mir so sehr vertrauten Duft. 

Wie lange wir da so standen?

Keine Ahnung.

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