Es ist mitten in der Nacht. Der Mond scheint und der Himmel ist so klar, dass man sogar die einzelnen Sternenbilder klar erkennen kann. Es herrschen die perfekten Bedingungen, um meine Tat zu vollenden. Ein leichter Wind weht durch die Bäume, die Äste und Blätter spielen ihr leises und doch so bekanntes Lied.
Ich folge der unbeleuchteten Straße ,welche bei Nacht viele beunruhigt, auf mich jedoch eine entspannende Wirkung hat. Weit und breit fährt kein Auto ,alles ist still. Ich laufe weiter und drehe mich gelegentlich um, verfolgt von Entschlossenheit mit einem Hauch von Angst. Die stimmen in meinem Kopf drängen mich dazu dieses negative Gefühl zu überspielen. Ich spüre, wie meine Hände sich in meinen Jackentaschen vergraben. Nach längerem Zögern folge ich diesem Drang, der mich innerlich zerfrisst .Das Gefühl der Entspannung und Sicherheit kehrt wieder ein. Ich folge weiterhin der Straße, bis ich zu einer Kreuzung komme. Dort blicke ich noch einmal zurück in die Dunkelheit, bevor ich nach links in die Seitenstraße gehe.
Das orangene Licht der Laternen wirft ihre Schatten auf die leere Straße. Es dauert eine Weile ,bis meine Augen sich an dieses Licht gewöhnen. Mit gesenktem Kopf und Händen in den Jackentaschen laufe ich weiter . Das Lied der Äste und Blätter verstummt, je mehr ich der Straße folge. Am Horizont ist schon ein Teil der Stadt zu sehen, welche ich so verabscheue.
Es kommen Erinnerungen hoch, sowohl gute als auch schlechte. Ich merke wie meine Sicht verschwimmt und meine Augen sich mit Tränen füllen, langsam fließen diese so warm an meiner Wange herunter und tropfen an meinem Kinn zu Boden. Ich reibe mir die Augen, den Kopf weiterhin gesenkt und gehe Richtung Zentrum. Mein Herz schmerzt mit jedem Schritt den ich gehe und trotzdem bleibe ich nicht stehen. In meinem Kopf sind diese Stimmen, die mir sagen, dass ich meine Tat vollenden soll. Öfters denke ich an die Zeit mit ihr zurück und nun wo ich dieser Straße folge, fällt es mir noch schwerer nicht an sie und an unsere gemeinsamen Erlebnisse zu denken. Unbewusst beiße ich mir auf die Lippe, um meine Tränen zu unterdrücken. Ich wende meine Augen kurz von der Straße ab und schaue flüchtig nach vorn; ich sehe mehrere Gebäude vor mir auftauchen und richte dann meinen Blick wieder zum Boden. Ich fühle mich wie gefangen in dieser Betonhölle, trotz dieser Unbehaglichkeit, führt kein anderer Weg zu meinem Ziel. Ich verstehe nicht, wie ich diese Stadt als Kind so lieben konnte, der Zauber von damals ist heute komplett erloschen.
Ich gehe weiter, die Straße endet am alten Kirchplatz, wo ich dann auch kurz zum Stehen komme, um das alte Gemäuer zu betrachten. So viele Erinnerungen kommen hoch, wenn ich mir diesen Platz anschaue, er hat sich nicht verändert nach all diesen Jahren. Ein leichtes Lächeln zeichnet sich auf meinem Gesicht ab, ich weiß noch genau wie wir hier als Kinder immer mit unseren Murmeln gespielt haben .Plötzlich werde ich durch das Läuten der Glocke im Kirchturm aus meinen Gedanken gerissen, das lächeln schwindet. Ich seufze leise als ich merke das ich wieder im hier und jetzt bin und gehe dann weiter durch die Straßen der Stadt.
Nichts kann mich aufhalten, ich habe mein Ziel bald erreicht, nur noch einmal links abbiegen dann bin ich an der Brücke . Die Nervosität kommt wieder und mein Herz fängt an zu rasen , je näher ich meinem Ziel komme. Ich versuche mich zu beruhigen und atme tief durch bevor ich nach links gehe, in die Königsstraße. Da ist sie ... die alte Steinbrücke, sie sieht so stark und sicher aus, das komplette Gegenteil von mir. Selbst die beiden Weltkriege hat sie überstanden. Ich nähere mich meinem Ziel und schaue über den Rand. Unter mir liegen die blanken Schienen, sie spiegeln die Beleuchtung der Brücke wieder. Ich setze mich auf die Brüstung und schaue in die tiefe.
Das war ihr Lieblingsplatz, hier saß sie immer wenn sie traurig war, oft waren wir hier zu zweit, aber seitdem sie nicht mehr bei mir ist, bin ich nie wieder hier her gekommen. Ich spüre wie meine Sicht verschwimmt und ich zu weinen beginne, ich kann die Tränen nicht halten und lasse es einfach zu. Sie laufen warm an meiner kalten Wange herunter und fallen in die tiefe. In meiner Brust ist ein starker stechender Schmerz, so als würde man mir ein Messer ins Herz rammen. Ich fasse mir an die Brust und winsle leise wie ein Hund dem man auf den Schwanz tritt. Wieder geht mein Blick nach unten, ich vermisse sie so sehr und der Weg wieder mit ihr vereint zu sein ist doch eigentlich so einfach. Ich bringe jetzt das zu Ende, was mein geliebter Engel nicht konnte. Das einzige was mir von ihr geblieben ist sind die Erinnerungen, die Bilder und ihr Tagebuch. Kurz nach ihrem Tot habe ich das Buch in einer Kiste mit alten Bildern gefunden . Am Anfang traute ich mich nicht es zu lesen und fragte mich oft ob es denn richtig sei, da es ihr Tagebuch war. Auf der anderen Seite wollte ich ihre Sicht verstehen und wieso sie ausgerechnet so gehandelt hat. Irgendwann habe ich es dann doch gelesen . Gleichzeitig greife ich mit meiner Hand in die Innentasche meiner Jacke und ziehe ein kleines hellblaues Buch mit Ledereinband raus. Vorne steht Eigentum von Katarina drauf. Meine Hände zittern sehr, mein Herz rast. Ich will wieder bei ihr sein, sie spüren, sie wieder in meinen Armen halten und das geht nur so. Ich nehme die Hand von meiner Brust, wische mir die Tränen aus dem Gesicht und rutsche weiter an den Rand. Ich schlage die letzte Seite des Buches auf und lese die letzten Zeilen die sie schrieb...
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Das Geständnis
Roman pour AdolescentsDavid zieht nach seinem Studium wieder zurück in seine Heimatstadt und trifft dort auch auf alte Freunde,aber die Begegnung mit einer Person aus der Vergangenheit soll katastrophale Folgen mit sich ziehen...
