Völlig übermüdet von der langen Reise stieg ich aus dem Auto meiner Tante, welche mich netter Weise mit zu sich genommen hatte, um mir meinen Urlaub ohne Eltern zu ermöglichen. Ich hatte sie vor diesem Treffen bereits einige Male gesehen und hatte sie daher schon in mein Herz geschlossen. Sie war eine lebensfrohe Dame im Alter von 39 Jahren und hört auf den Namen Sarah. Ich stieg also völlig erledigt aus ihrem alten, gemütlichen Pick-up und sie half mir dabei, meinen Koffer von der Ladefläche zu bugsieren. Ich merkte, dass ich während der Fahrt doch ein wenig nervös geworden war und diese Nervosität steigerte sich nun noch ein bisschen, als ich auf die Haustür zu trat. Meine Tante öffnete sie mir lächelnd und ich hatte noch nicht einmal einen Fuß über die Schwelle gesetzt, da rannte mir schon mein kleiner Cousin entgegen und umarmte mich stürmisch sodass ich aufpassen musste nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Ich hatte schon viel von Elias erzählt bekommen und kniete mich nun auf den Boden, um ihn in meine Arme zu schließen. Elias war 6 Jahre alt und kam nach den Sommerferien an eine, dem Hause nahegelege, Grundschule.
"Hallo Ally, endlich bist du da, ich hab schon so lange auf dich gewartet.", nuschelte er mir in mein T-shirt, während er mich noch fester an sich drückte. Meine Tante sah sich diese ganze Szene mit einem amüsierten Lächeln im Gesicht an, doch nun brach sie in schallendes Gelächter aus, welches ihr dieselben Grübchen auf Kinn und Backen zauberte, wie meiner Mutter, die ihre Zwillingsschwester war. Mit vor Freude strahlenden Augen stieg Elias in das Lachen ein und ich musste unwillkürlich mitlachen.
"So ihr zwei, kommt doch lieber erst mal rein, dann können wir gemütlich einen Kakao trinken und noch etwas quatschen, bevor es Zeit ist für dich schlafen zu gehen Eli, außerdem ist deine Cousine bestimmt erschöpft von der langen Reise." schlug Sarah milde vor und einen Augenblick später befanden wir uns alle sitzend um den runden Küchentisch mit einer dampfenden Tasse in der Hand. Um die angenehme Stille, die nun herrschte, nicht zu brechen sah ich mich neugierig im Zimmer um. Außer dem kleinen runden Tisch mit den vier Stühlen darum war an der einen Wand eine Küchenleiste aufgebaut mit einer großen Arbeitsplatte, einem modernen Herd, sowie einem großen Kühlschrank und einer in die Wand eingebauten Mikrowelle. Über dem Herd zierten Hacken mit Kochlöffeln, Pfannen, Schöpflöffeln und einigen anderen Kochhilfsmitteln die mit kleinen Fließen ausgelegte Wand und über der Arbeitsfläche waren Regale. Ein flauschiger Teppich lag unter dem hölzernen Tisch auf dem Boden und ließ das Zimmer mit seinem zartgelb, den cremefarbenen Wänden angepasst, noch gemütlicher wirken.
Nachdem ich mir den Raum angesehen hatte, fiel mein Blick wieder auf Sarah, die mir gegenüber saß und mich warm anlächelte. "So, ich zeige dir jetzt einmal dein Zimmer und hoffe doch, dass du dich wohl fühlen wirst", meinte sie, während sie sich erhob und sagte dann zu Elias, "ich komme nacher noch einmal zu dir, um dir eine gute Nacht zu wünschen, also zieh dich schon einmal um und warte dann auf mich."
Sie lächelte mir aufmunternd zu und gab mir ein Zeichen, dass ich ihr folgen sollte. Also erhob ich mich schnell und trat mit ihr durch das angrenzende Wohnrimmer eine Treppe nach oben und hielt hinter ihr, als sie mit einem Schlüssel eine Türe öffnete und mich dann durchließ.
Fasziniert betrat ich mein Zimmer im Dachgeschoss und drehte mich einmal langsam um die eigene Achse um alles in Augenschein nehmen zu können.
Die Decke des Zimmers war schräg, sodas man nicht im ganzen Raum aufrecht stehen konnte, doch es war trotzdem gemütlich. Unter der Dachschrägen stand ein bequem aussehender, gepolsteter Stuhl neben dem ein kleines regalänliches Gestell mit Büchern stand. Über dem Stuhl war ein Fenster im Dach, durch welches das Mondlicht herein schien. Duch den Anblick des Mondes wurde mir bewusst, wie spät es geworden war und Müdigkeit drang in mir hoch. Sofort sprang mir das an der Wand stehende Bett mit den vielen Kissen ins Auge und ich gähnte. Ich zog meine Hauspatschen aus, welche ich immer trug, weil sie so weich waren, und stellte sie ordentlich auf den weichen Teppich vor dem Bett. Anschließend wünschte ich meiner Tante eine Gute Nacht und wartete, bis sie den Raum verlassen hatte, ehe ich mir meinen frischen Pyjama anzog. Ratlos ob ich nun das selbe Badezimmer nutzen sollte, wie der Rest der Famielie und ob mir das überhaubt erlaubt war, stand ich vor meinem neuen Schreibtich, der sich in einer Ecke des Zimmers befand, und setzte mich auf den davor stehenden Ledersessel. Mein Blick schweifte durch mein gemütliches Zimmer und blieb an der zweiten Türe hängen, welche mir bis eben noch nicht aufgefallen war. Leise ging ich auf sie zu und versuchte sie vorsichtig zu öffnen. Eigentlich rechnete ich mit Wiederstand und so war ich sichtlich überrascht, als die Türe sofort aufsprang und den Weg in ein angrenzendes Badezimmer freilegte. Glücklich schnappte ich mir meine Schminksachen und das Zahnputzzeug und verschwand durch die Tür. Ich ließ mir Zeit in meinem eigenen Badezimmer und schminkte mich in Ruhe ab, bevor ich mir gründlich die Zähne putzte. Als ich fertig war, ließ ich mich ermüdet ins Bett fallen und merkte noch wie angenehm es war, ehe ich einschlief.
Am folgenden Tag erwachte ich durch das Lachen einiger Jungen und Mädchen, die sich offenbar in dem Innenhof unter meinem Fenster aufhielten. Verwirrt erhob ich mich und versuchte mich zu erinnern, wo ich mich befand, als ein lachener Elias in mein Zimmer gestürzt kam und mir freudig mitteilte, dass meine Tante in der Küche bereits das Frühstück hergerichtet hatte und ich mich beeilen sollte. Bei seinem Anblick kamen alle Erinnerungen und Geschehnisse des letzten Tages in mir hoch und ich schickte ihn glücklich aus dem Zimmer, damit ich mich umziehen konnte. Schnell riss ich ein einfaches, meerblaues Top aus meinem Koffer und kombinierte es mit einer geblümten Hotpant. Schlieslich machte ich mir mit meinen nur mit den Fingern durchgekämmten, dunkelbraunen, langen, glatten Haaren einen Massy Bun und lief eilig die Treppe hinunter durch den Wohnbereich, den ich mir immernoch nicht angesehen hatte, in die Küche mit dem Esstisch, um den sich bereits drei Personen versammelt hatten. Meine Tante und ihr Sohn Elias sahen mir glücklich entgegen und begrüßten mich mit einem freundlichen: "Guten Morgen." Ich erwiederte es und begrüßte nun auch meinen Onkel leidenschaftlich, den ich am Vorabend nicht zu Gesicht bekommen hatte. Schließlich setzte ich mich zu ihnen an den Tisch und begann mir großzügig Nutella auf einen Toast zu schmieren, in den ich dann auch herzhaft hineinbiss.
Als wir alle fertiggegessen hatten, brach mein Onkel endlich das Schweigen: "So ich werde jetzt in die Arbeit gehen, ich bin sowieso schon wieder spät dran, habt einen schönen Tag." Während dieser Worte gab er Sarah einen Kuss und wuschelte seinem Sohn und mir durch die Haare, bevor er das Haus verließ.
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Wir Sehn Uns Dann Am Meer
FanfictionAls Alicia in den Sommerferien alleine nach Deutschland in die Stadt Kölln fährt, hatte sie nicht geplant sich dort zu verlieben. Eigentlich hatte sie sich vorgestellt, einen ruhigen entspannten Urlaub bei ihrer Tante und deren Sohn zu genießen, den...
