Heimspiel

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Die Vorband probte gerade ihren zweiten Song, während sie alle oben saßen und sie durch die Fenster unten beobachteten. Die Stimmung war gut, wenn auch schon mit freudiger Erwartung auf das Konzert, das in knapp drei Stunden begann.
Heute Abend war ein Heimspiel. Stuttgart, LKA Longhorn. Immer wieder kam einer der Roadies vorbei, um Dinge zu klären, wo Hannes' Klavier nachher stehen würde, dass sie diesmal aufpassen müssten, wo die Kabel lägen und so weiter. Ein paar genehmigten sich schon ein Bier, alle waren am Grinsen, hier und da wurden Witze gerissen.
Etwas später kamen Maxxwell dann ebenfalls hoch, da alles für den Einlass vorbereitet werden musste. Als Steffen von seiner Raucherpause kam, gingen sie noch einmal die Setlist durch und besprachen letzte Details, auch mit Jennifer. Special Guests mussten sein, besonders heute. Schwabenpower versteht sich.
"Gott sei Dank haben wir danach ein paar freie Tage" seufzte Ande grinsend, lehnte sich zurück und verschränkte die Arme hinterm Kopf. "Die haben wir uns alle verdient", stimmte ihm Jomi zu, der sich zu ihnen an den Tisch setzte.
"Jomi, das letzte Konzert für dieses Jahr, wie fühlst du dich?" Der Roadie drehte sich zur Kamera, die Jim ihm vor's Gesicht hielt. "Erschöpft, aber zufrieden!", erklärte er feierlich, hob seine Bierflasche und stieß mit Jim hinter der Kamera an.
Hannes, der noch mit seinem Outfit beschäftigt gewesen war, kam nun auch zu ihnen und begann damit, einige Lieder anzustimmen, um seine Stimme aufzuwärmen. Jennifer sang in einer anderen Ecke. Unten gab es noch Lichtgeflacker der Scheinwerfer und kleine Korrekturen, Jim war damit beschäftigt, Maxxwell auf die Nerven zu gehen, die sein Gefilme jedoch lachend ertrugen.
Pünktlich um halb acht öffneten sich die Türen und das LKA begann sich rasch zu füllen. Von oben sahen die Menschen alle gleich aus, man musste schon genauer hinsehen, wenn man Unterschiede erkennen wollte. Selbstverständlich stachen trotzdem einige Personen aus der Masse hervor, was meistens an deren Größe oder Frisur, manchmal auch an den Klamotten lag. Die Show war ausverkauft, das sah man auch von oben. Die Gespräche der Menschen, von denen viele sich zur Einstimmung ein Bier geholt hatten, drangen nur leicht von unten zu ihnen hoch, zusätzlich lief Musik.
Langsam machten sich Maxxwell bereit, man wünschte sich gegenseitig viel Erfolg. Während Krusty am Merchandisestand vermutlich schon einiges losgeworden war, kontrollierten Jomi, Flo und die anderen nochmals alles unten auf der Bühne für den Auftritt von Maxxwell.
Ab und zu drang ein Gröhlen von unten zu ihnen hoch, das Publikum drängte sich immer mehr an die Bühne. Als dann kurz nach Acht die Lichter ausgingen, betraten die Jungs aus der Schweiz die Bühne und das Publikum applaudierte.
So langsam stieg die Vorfreude auf den Auftritt und eine klitzekleine Spur von Nervosität kam bei allen auf, jedoch eine positive Nervosität. Jim hatte endlich die Kamera beiseite gelegt und sprang grinsend auf und ab. Heute Abend würde ja noch genügend gefilmt werden.
"Die Jungs sind echt gut! Euer Publikum ist nachher schon total kaputt wenn ihr auftretet." Hannes stand mit Jennifer an der Fensterreihe und sie beobachteten das Publikum, das die Köpfe im Takt bewegte und einige reckten die Pommesgabel in die Luft. "Das müssen wir wohl in Kauf nehmen", gab der Sänger lachend zurück und trat von den Fenstern weg, da Maxxwell sich nun vom Publikum mit ihrem letzten Song verabschiedeten und den Hauptact ankündigten. Mit gebührendem Applaus verließen sie die Bühne, um den Bühnenarbeitern Platz zu machen, die nun alles umbauten. Wieder wurde für das Publikum Musik gespielt, das nun immer ungeduldiger wurde und schon Fangesänge anstimmte, während das Schlagzeug und die Gitarren von Maxxwell in ihren Koffern verstaut wurden. Es gab letzte Absprachen über Kamerafahrten, Licht und es wurden nochmals die Outfits kontrolliert.

Von unten kam das Zeichen, dass alles bereit sei. Langsam begaben sie sich zur Treppe, Andi drückte noch schnell seine Zigarette aus, Steffen stellte seine leere Bierflasche beiseite.
"Na dann, auf geht's!", sagte Ande und stellte sich an die Treppe.
Sie hörten das Publikum rufen: "Kiiiiissin' Dynamite, Kissin' Dynamite!" Andi zwängte sich an ihnen vorbei, um an seinen Platz hinterm Schlagzeug zu kommen, grinste noch einmal mit weit aufgerissen Augen und verschwand dann. Erneut gingen die Lichter aus. Das Grölen wurde lauter.
Hannes, Jim, Steffen und Ande gingen ebenfalls die Treppe hinunter, bekamen ihre Instrumente in die Hand gedrückt. Andi kam von hinten auf die Bühne, setzte sich an sein Schlagzeug und ließ die Sticks zwischen den Fingern kreisen. Jim, Steffen und Ande kamen von rechts auf die Bühne, schnappten sich ein Plektrum und grinsten in die Menge. Hannes folgte ihnen und bewegte schon den Kopf zur Musik. Er ergriff sein Mikro: "Hallo Stuttgart!", rief er, "Seid ihr bereit?!" Johlen mit in die Luft gestreckten Fäusten war die Antwort.


VIPs in HellWhere stories live. Discover now