Mit meiner ganzen angestauten Wut schlug ich die rechte hintere Autotür, aus welcher ich eben ausgestiegen war, zu. Schnappte mir meinen schwarzen Reisekoffer und meine weiße Sporttasche von Nike, schmiss mir meinen Rucksack um meine Schulter und nahm nur noch wahr, wie der graue Mercedes meines Vaters gestartet wurde und anschließend das Grundstück durch das riesige, weiße, monströse Eisentor verließ.
Mein Vater.
Bei diesem Gedanken schlich sich mir ein Lächeln auf die Lippen.
Aber wieder zurück in die Realität.
Nun stand ich da.
Mitten auf dem Hof meiner neuen Schule und hatte keinen Plan, was ich als nächstes tun sollte.
Ahnungslos über meine nächste Handlung starrte ich einfach weiter geradeaus auf das kleine Blumenbeet, welches sich nach dem Parkplatz, aber noch vor einer niedrigen Hecke, erstreckte.
"Guten Tag!" riss mich, eine meiner Meinung nach viel zu fröhliche Stimme hinter mir, aus meinen Gedanken.
Und wie erwartet, stand eine etwas älter aussehende, dürre Dame vor mir, nachdem ich mich in die Richtung aus der die Stimme erklang, gedreht hatte.
"Sie müssen Rosalié Johnson sein!" stellte die Frau mit den grauen, zu einem Dutt zusammengesteckten, Haaren fest.
"Ich bin Antonia Baker. Die Direktorin." grinste sie mich schon fast zu herzlich an.
Wie ich gut gelaunte Menschen verabscheue.
"Ja, die bin ich! Aber nennen Sie mich bitte Rose." erwiderte ich mit einem kleinem Lächeln.
"Na gut Rose! Dann komm mal mit in mein Büro."
Und so kam es, dass wir den grau gepflasterten kreisförmigen Parkplatz verließen.
Während wir einen Kiesweg entlang schlenderten, erkundete ich meine Umgebung etwas genauer.
Rings um den Weg, auf welchem wir gerade liefen, sowie den Parkplatz an dem ich 'ausgesetzt' wurde, wuchsen kniehohe Hecken.
Neben den Hecken folgte eine etwas größere Wiese mit einem riesigen Baum, welcher so ziemlich in der Mitte stand, und schon leichte orange Töne annahm.
Jedoch wurde ich schon zum zweiten Mal aus meinen Gedanken gezogen, als ich das quietschen einer Tür wahrnahm, welches durch Mrs. Baker verursacht wurde.
Mein Kopf schnellte in die Richtung, aus der das Geräusch kam.
Und neugierig beobachtete ich die etwa 1,80m große Frau vor mir.
Mit ihren Schuhen, welche einen 7cm hohen Absatz hatten, wirkte die Dame vor mir noch größer.
Dementsprechend strahlte sie auch dieses Selbstbewusste und Machtvolle aus, was sie auf irgend eine Art und Weise, einschüchternd wirken lies.
Mit einem letzten ruck stoß sie die dunkelbraune Holztür mit den verspielten Mustern auf.
Vor uns breitete sich ein langer Gang, welcher ebenfalls mit diesem schönen dunklen Holz verkleidet worden war, aus.
An der eierschalengelben Wand, die sich zu unserer rechten erstreckte, hangen zwei Kunstwerke.
Hügellandschaften, bedeckt mit Schnee und Laub, ragten aus den Bilderrahmen.
Schnee so glitzernd wie in Filmen und Blätter so bunt wie der Hundertmorgenwald prägten die Wand, und baten somit den perfekten Kontrast zu den Bildern auf der linken Seiten.
Ebenso bei diesen Malereien staunte ich nicht schlecht.
Dieselben Landschaften wie auf den vorherigen Bildern waren zu sehen, nur ein Unterschied bestand.
Dieses Mal war es wärmer gestaltet und ebenso war ein kleiner See zu erkennen.
Diese vier Bilder, welche auf den zwei Wänden verteilt waren, zeigten also die vier Jahreszeiten, und dann schoss es mir wie ein Blitz durch den Kopf.
"Sie haben diese Bilder gemalt! Sie sind Madame Alphonse!" rief ich wie eine Wissenschaftlerin, welche gerade ein Mittel hergestellt hatte, um gegen das Alzheimer-Gen vorzugehen.
Und dementsprechend freute ich mich auch über meine Entdeckung.
Mrs. Baker hingegen lachte nur amüsiert auf, drehte sich um, und als sie meinen triumphierenden Blick, welcher aber schnell zu einem verwirrten wechselte bemerkte, antwortete sie mir schließlich.
"Ja mein Kind, ich bin Madame Alphonse! Aber woher wusstest du das?" fragend, aber dennoch etwas amüsiert blickte sie mich an und wartete nun auf meine Antwort.
Siegessicher grinste ich sie an und gab in einem lockerem Tonfall "Naja, wer kann, der kann." wieder.
Lächelnd blickte sie auf den langen roten Teppich, der auf dem Boden ausgerollt wurde und mir erst jetzt auffiel und schüttelte ihren Kopf.
Keine zwei Sekunden später hatte sie sich bereits wieder umgedreht und marschierte den Gang entlang.
Mit schnellen Schritten eilte ich ihr nach, und erreichte sie noch, bevor sie in einen weiteren Korridor einbog, welcher sich auf unserer linken Seite befand.
Eilig lief sie schon fast gerade aus, und nach gut geschätzten sieben Metern kamen wir vor einer Tür, welche dem Tor am Anfang des Gebäudes glich zum stehen.
Antonia schnappte sich einen Schlüsselbund aus ihrer Jackentasche und schloss die Tür auf.
YOU ARE READING
Secrets *Pausiert*
Teen FictionDas Licht der alten Straßenlaterne flatterte in der Dunkelheit und ihr Summen durchbrach die eiskalte Stille die zwischen uns herrschte. Der Regen wurde immer stärker. Meine Haare klebten auf meinem Gesicht und meine Kleidung war durchnässt. Der...
