Der Frühling kommt aus seinem Versteck hervor und vom Horizont hinter den schneeweißen Bergen, den tiefblauen Flüssen und den dunkelgrünen Wäldern kann man erkennen wie die Luft, von einem wunderschönen rot-goldfarbenen Schleier aus Licht, mit etwas magischem erfüllt wird. Als würde man das Bild eines großartigen Künstlers betrachten. Die warmen Sonnenstrahlen fangen langsam an die saftigen Wiesen und weiten Seen mit einem strahlenden Glanz zu erhellen. Weit in der ferne kann man erkennen wie aus den Hütten der Menschen wieder Rauch aufsteigt, wie alle Tiere aus ihrem Winterschlaf erwachen und wie die Welt anfängt aufzutauen. Die Biber ermutigen ihren Nachwuchs die Burg zu verlassen, die Rehe helfen ihren Jungen bei der Futtersuche und die Bienen fangen wieder an die zahlreichen und langsam aufblühenden Blumen zu bestäuben. Es ist ein wunderschönes und farbenfrohes Schauspiel der Natur, welches sich jedes Jahr wiederholt.
Wie jeden Morgen zu dieser „magischen" Jahreszeit saß Sophie auf dem Dach der alten Gartenhütte, welches sie bequem über ihr Schlafzimmerfenster erreichen konnte. Sie hatte schon hunderte und Tausende Sonnenaufgänge von hier betrachtet, aber dieser erste Sonnenaufgang im Frühling war wie immer etwas besonderes. An diesem Tag fing die schule wieder an. Denn im Gegensatz zu den meisten anderen Kindern in ihrem Alter freute sie sich, wenn sie in die Schule gehen konnte. Sophie war zwar auch gerne mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder zusammen, aber die Schule zog sie an, wie Motten vom Licht angezogen werden. Wie üblich wachte sie mit den ersten Sonnenstrahlen auf, die durch ihr Fenster schienen, zog sich ihren Mantel an und setzte sich raus aufs Dach. Die Dachdielen quietschten, aber das störte sie nicht. Sophie saß einfach nur da und genoss den Sonnenaufgang und die warmen Sonnenstrahlen, die sie im Gesicht kitzelten. Nachdem die Sonne vollständig zu sehen war, kletterte sie durch das alte, weiß gestrichene und mit Weinranken bewachsene Fenster wieder in ihr Zimmer und machte selbiges hinter sich zu. Wie immer fütterte sie ihre kleinen Raupen, Charlie und Mo, mit etwas Moos, welches sie gerade vom Dach gesammelt hatte, und machte sich auf nach unten in die Küche.
Dort angekommen, begegnete sie ihrer Mutter, welche ebenfalls schon aufgestanden war und ein herzhaftes Frühstück zubereitet hatte. Sie begrüßte ihre Mutter mit einem herzlichen „Guten Morgen Mama, ist Papa auch schon wach?" und ihre Mutter antwortete ebenso herzlich: „Dir auch einen schönen guten Morgen mein Schatz. Ja, Papa ist im Garten bei den Obstbäumen" . Sie zeigte mit dem Finger auf das hintere rechte Eck des Gartens, welches mit Obstbäumen nur so angehäuft war und Sophie machte sich sogleich auf dem weg zu ihm. Ihr Vater überprüfte gerade die Bäume auf Schäden und sah nach ob sie den Winter gut überstanden hatten. „Guten Morgen Papa, wie sieht's aus?" fragte sie ihn und er antwortete kurz und bündig: „Gut". Erst im nächsten Moment realisierte er, dass Sophie neben ihm stand und wünschte ihr auch einen guten Morgen. „Sag deiner Mutter, dass ich gleich reinkomme" sagte er als nächstes und genauso flink wie seine Tochter angekommen war verschwand sie auch wieder.
Zurück in der Küche überbrachte sie ihrer Mutter die Nachricht und setzte sich sogleich an den reichlich gedeckten Tisch. Jetzt musste sie nur noch auf den Rest der Familie warten, um endlich essen zu können. Wie versteinert starrte sie auf's Frühstück. Da standen Schüsseln gekochter und gerührter Eier, ein Krug frische Milch von Berta ihrer Ziege, ein ofenwarmer und duftender Leib Brot, kross gebratener heißer Speck, ein paar knallrote Tomaten, drei randvolle Gläser Orangensaft, ein großer Stapel Pfannkuchen und ein kleiner Krug voll mit Ahornsirup. Neben dem Teller ihres Vaters stand noch eine Tasse mit schwarzem dampfenden Kaffee, welchen er neulich aus dem Dorf mitgebracht hatte. Keiner außer ihm trank dieses bittere und untrinkbare Gebräu, aber ihm schien es zu schmecken. Nachdem ihre Mutter gesehen hatte, mit welchen verhungernden Augen Sophie die Köstlichkeiten ansah, rief sie die Familie zusammen und setzte sich kurz darauf an den Tisch. Nach ungefähr einer Minute setzte sich ihr Vater ebenfalls an den Tisch. Kurz bevor sie anfingen zu essen, fiel Sophie auf, dass ihr kleiner Bruder noch fehlte. Während ihre Eltern schon aßen, fragte sie sie: „Wo ist denn eigentlich Max?". Ihr Vater antwortete verwundert: „Der ist doch schon längst in der Schule" und ihre Mutter sagte noch dazu: „Der erste Tag im ersten Schuljahr fängt ja schon früh am Morgen an, das war bei dir nicht anders". Sophie nickte und sagte, dass das es bei ihr schon so lange her war, dass sie sich nicht mehr daran erinnern konnte. Sie war inzwischen im fünften Schuljahr und darum beginnt die Schule für sie erst spät am Abend.
Den restlichen Tag, bevor sie zur Schule musste, verbrachte sie mit ihren Eltern in der nächstgelegenen Stadt. Sie mussten noch letzte Einkäufe für die Schule erledigen. Sie stellten sich in den goldverzierten Kamin im Wohnzimmer und flogen mittels Flohpulver in die dortige Fleckengasse. Die Fleckengasse war eine uralte Gasse welche den Muggeln, den nicht Magiern, nicht zugänglich und auch nicht bekannt war. Dort angekommen gaben ihre Eltern ihr etwas Geld für ihre Schulsachen und erledigten ihren wöchentlichen Einkauf. Sophie machte sich auf den weg in den alten Buchladen, der von einem alten Freund der Familie betrieben wurde. Sie ging über die Türschwelle und da stand er. Ein großer dunkelhäutiger Mann mit langen welligen Haaren, einer unglaublich netten Ausstrahlung und einem sehr auffälligen Pferdehintern. Denn dieser Mann mit dem Namen Agarius war ein Centauer. Sie begrüßten sich und Sophie fragte ihn sogleich ob er noch ein Exemplar des Buches „Fantastische Tierwesen, und wo sie zu finden sind" da hat. Er ging kurz in den hinteren Bereich seines Ladens und kam mit einem Dicken Buch zurück. Der Mann der dieses Buch geschrieben hatte war in der ganzen magischen Welt dafür bekannt, dass er jene vor langer Zeit vor der Enthüllung bewahrt hatte. Er verstand diese Tierwesen wie kein Anderer und hatte es sich einst zur Aufgabe sie in einem Buch zusammenzufassen. Dieses Buch musste sie nun im neuen Schuljahr lesen um die Halbjahresprüfung im Sommer zu bestehen. Anschließend ging sie in den Zauberstabladen am Eck und schilderte dem dortigen Verkäufer das Problem mit ihrem Zauberstab. Sie hatte nämlich ein großes Problem. Seit einer Woche funktionierte er nicht mehr richtig. Wenn sie Blumen herbeizaubern wollte, tauchten Hasen auf und wenn sie sich Licht zaubern wollte, verursachte sie eine Überschwemmung in ihrem Zimmer. Der Experte nahm den mit Ranken versehenen elfenbeinfarbenen Zauberstab zu sich und begutachtete ihn einen Moment. Er fand einen kleinen Riss an der Spitze und kam zu dem Entschluss, dass dieser wohl an den Störungen schuld sei. Anstatt ihn zu reparieren bot er Sophie an eines der neueren „Zauberobjekte" zu kaufen. Vor kurzem war nämlich ein Amerikaner auf die Idee gekommen, dass man doch auch ganz gewöhnliche Objekte zum Zaubern verwenden könnte und so gab es plötzlich überall Ketten mit Weißeichensplittern, Ringe mit Rubinfasern oder Uhren mit Drachenschuppen. Diese neuen „Zauberobjekte" waren um einiges unauffälliger als ein Zauberstab und man konnte auch zaubern ohne sie hin und her zu schwingen wie einen Stab. Sophie aber bestand darauf, dass er ihren Zauberstab reparierte, da er ihr ans Herz gewachsen war und sie zusammen gehörten. Eine weile versuchte der Verkäufer sie noch von den Objekten zu überzeugen wie zum Beispiel mit ihren Verwendungsmöglichkeiten und dem Angebot ihren Zauberstab für die Fertigung eines Amuletts zu verwenden, aber dann gab er es auf. Sophie blieb hart und bekam kurze zeit Später ihren reparierten Zauberstab wieder. Nach diesem anstrengendem Ausflug in den Zauberstabladen machte sie sich auf den Weg zum Hauptplatz wo sie um halb zwei ihre Eltern wieder treffen sollte. Als sie dort ankam tauchten diese aber nicht auf. Eine volle Stunde saß Sophie auf einer Bank am Platz und wartete auf ihre Eltern. Als diese nun endlich, eine Stunde zu spät wohlgemerkt, dort ankamen, sagte ihre Mutter, dass sie noch von einem ihre Lehrer aufgehalten wurden. Er hatte wohl nur gutes über Sophie zu erzählen und wie gut sie nicht im Fach der Magischen Künste sei. Sie war die erste aus ihrer Familie die dieses Fach mit einem ausgezeichneten Erfolg belegte und außerdem noch den dazugehörigen Zweig gewählt hatte. In dieser Schule gab es nämlich nicht wie üblich vier Häuser sondern nur drei und zusätzlich fünf Fachrichtungen für die man sich Entscheiden konnte. Die drei Häuser waren Hirundo, Draco und Aquila mit den Zweigen Naturkunde, Zauberstabkunde, Tränkewesen, Tierkunde und Flugsport. Im Gegensatz zu ihrer Mutter, deren Mutter, ihrem Vater und auch ihrem Bruder, die alle im Zweig für Naturkunde waren, entschied Sophie sich für den Zweig der Zauberstabkunde. Jeder Zweig ist auf seine Art besonders und hat ein Unterrichtsfach, welches die anderen nicht haben. Sie hatte damit als einzige in ihrer Familie das Fach „Magie und ihre Anwendung im Kampf", aber dafür keine „Kommunikation der Pflanzenwelt".Dieses Schulfach hatte bei ihr auch keine Notwendigkeit, da sie durch ihre Abstammung schon alles über Pflanzen wusste und auch mit ihnen Kommunizieren konnte. Das lag daran, dass jeder aus ihrer Familie und auch Sophie Waldelfen waren. Das machte die Schule umso besonderer, da es nicht üblich war, dass magische Geschöpfe außer Hexen und Zauberer das Zaubern lernen durften.
Nachdem sie ihre Einkäufe erledigt hatten, gingen sie auch schon zum in Stein gemeißelten und uralten Portal am Ende der Fleckengasse. Dort angekommen blieben sie stehen und bewunderten die gewaltigen Ausmaße dieses Durchganges. Er stammte wohl aus dem dunklen Zeitalter.Mit wunderschönen Runen beschrieben, mit dicken grünen Ranken bewachsen und einem gewaltigen Rubin an der Spitze. Sophie unterhielt sich noch kurze Zeit mit ihren Eltern, umarmte sie , verabschiedete sich, schritt schließlich durch das Portal und verschwand.
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SubTerra
FantasyZur Zeit schreibe ich an einer Buchlangen FanFiction und werde hier immer wieder Mal neu fertig gestellt Kapitel hochladen
