Ruby's Tagebuch
Niemals hätte ich auch nur irgendwem geglaubt das ich das hier tun werde.
Aber was soll man anderes tun, wenn man verzweifelt ist?
Es ist wahrscheinlich der einzige Ausweg.
Schnell bestätige ich meinen Benutzernamen und das Passwort.
Meine Finger fliegen nur so über die tasten,als würde mir jemand die Worte zuflüstern.
Vielleicht ist es auch nur pure Verzweiflung.
Vielleicht will ich dies hier auch einfach nur schnell hinter mich bringen, damit ich mein leben und somit auch diese Geschichte beende.
Ich kann einfach nicht mehr, es hat alles keinen Sinn mehr.
Wie konnte ich auch nur so leichtsinnig sein und glauben, das es nach den Ferien aufhört.
Schließlich gibt es keine Wunder und erst recht nicht für mich.
Vor dem Schulbeginn fragte ich Frau Segel ob ich nicht das Zimmer wechseln konnte, doch sie verneinte.
"Ruby du weißt, das ihr genau zehn Mädchen in diesem Jahrgang seid ,es ist alles festgelegt und es wird nichts geändert, außerdem versteht ihr alle euch doch so gut, da gibt es sicher keine Probleme."
Die denkt auch sie weiß über alles bescheid.
Selbst wenn ihr Gehirn ein Computertomograf wäre, würde sie niemals hinter unsere Geheimnisse kommen.
Jedoch weiß sie nichts, wie alle anderen Lehrer auch.
Denn sie wollen nichts davon wissen, von den bösen, grausamen Geheimnissen.
All die Tränen, die Verzweiflung, die Wut, der Hass- es ist alles verborgen, in unseren dunklen Seelen.
Lange redete ich auf sie ein, bis sie endlich nachgab.
Jedoch ist alles Umsonst gewesen, es ist einfach zu spät.
Ich dachte immer die Zeit heilt die Wunden, aber ich hatte unrecht, sie macht sie nur noch schlimmer.
Wie lange soll ich noch warten?
Mehrere Wochen, Tage, Stunden, Minuten, Sekunden?
Wie viele Versuche soll ich noch starten um aus diesem riesigen, schwarzen Loch rauszukommen?
Gibt es jemanden der mir auf all diese Fragen eine Antwort geben kann?
Nein, ich denke nicht.
Ich bin erschöpft, kraftlos, müde, möchte alles einfach nur noch fallen lassen.
Heute sah ich IHN, er begrüßte mich nicht, würdigte mich keines Blickes, lief einfach nur an mir vorbei.
Im Bus hörte ich die ganze zeit IHRE Stimme. Wie sie mit ihren Freundinnen geredet und gelacht hat.
Und auch wenn ich sie nicht gesehen habe, konnte ich ihre Blicke wie Nadelstiche auf meiner Haut spüren.
Natürlich tat ich so als würde ich nichts merken, jedoch konnte ich die ganze fahrt zum Internat an nicht anderes mehr denken.
Es ist alles nur ein Spiel, bei welchem ich die Regeln nicht kenne und somit nur verlieren kann.
Als ich ausstieg spürte ich Blicke auf mir, die mich fast erstarren ließen.
Gerade als ich meine Koffer aus dem Bus holte, begegnete ich IHM.
"Hi, Cinderella" sagte er.
Bevor ich etwas erwidern konnte, zog SIE ihn weg und sagte:
"Ich frage mich echt, wie lange ihre Vorräte an Gehirnzellen noch reichen, um das hier zu überstehen. Die sind doch knapper als die Ölvorräte".
Da war es ja klar, dass alle in Gelächter ausbrachen.
Jedes Wort von ihr ist vergiftet.
Ich hörte ihr lachen noch, als ich in den Keller flüchtete, um diesem - meinen letzten - Eintrag in das Tagebuch zu schreiben.
Meine Verzweiflung ist so groß, das sie mich von innen vollkommen aufgefressen hat.
Alles in mir ist kalt, fast schon tot.
Ich werde ein Happy End haben, jedoch auf meine eigene Art und weise.
Vielleicht trägt mich der wind ja in die Höhe?
Alles von oben zu betrachten, kommt dies nicht einem göttlichen Standpunkt gleich?
Ich kann mir jetzt schon genau vorstellen wie alle unten im Schulhof stehen.
Die Ermahnungen und falschen Ermunterungen der Eltern:
Benimm dich! Wehe dir wenn Klage kommen! Streng dich im Unterricht mehr an! Du schaffst das! Wir sind stolz auf dich! Neues spiel, neues Glück!
Das Rumgekreische der Mädchen, die sich gegenseitig zur Begrüßung in die Arme fallen:
OMG du hast eine neue Frisur! Deine neue Tasche ist ja sooo süüüüß! Yeeeeeah, wir sind in einem Zimmer!
Und das Macho-gehabe der Jungs:
Hey Alter, was geht? Na, auch wieder zurück in die Hölle?
Vermutlich werde ich darüber lachen wie klein das da unten alles ist, alles nur wie eine kleine Playmobil-Schule wirkt.
Wenn sich das Gewimmel auflöst, die Tränen aufhören zu fließen, die Eltern nach Hause fahren.
Die Stimmen, das Gelächter- alles wird immer leiser bis ich nurnoch meine flache Atmung, den Wind und das Gekrächze der Raben, die sich auf dem Dach versammeln, höre.
Sie werden die einzigen Zeugen sein.
Die, die mir Mut machen.
Werde ich die Kraft haben zu
springen? Oder werde ich passen?
Aber ich brauche keine Kraft mehr. Das ist das einzig Schöne.
Ja, ich habe Angst, aber ich freue mich auch.
Denn dann sehe ich Mama und Papa wieder.
"He", werde ich ihnen sagen, "ich habe euch vermisst"
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Cinderella's fluch
Misterio / SuspensoDas Internat liegt nahe gelegen an einem friedlichen Wald. Doch als sich eine Schülerin des Internats, vom Glockenturm stürzt, wendete sich alles in einen schlechten Alptraum. Warum ist Ruby in den Tod gesprungen? Fanny, eine der neuen Schüler, mac...
