Das Piepen der Geräte, an denen ich angeschlossen bin hält mich vom Schlafen ab.
Seit Stunden liege ich wach im Bett und die Uhr an der kahlen Wand zeigt drei Uhr nachts.
Ich möchte am liebsten die Schläuche aus meinen Armen ziehen und in dem weißen Krankenhaushemd hinaus in das Geschehen und dort einen ruhigen Platz finden.
Ein Platz an dem sich keine Menschenseele rumtreibt. Ein Platz der mir meine Probleme nimmt. Ein Platz an dem ich meinem Leben ein Ende setzten kann.
Mit diesem düsteren Gedanken schlafe ich ein und wache eine halbe Stunde später wieder auf.
Wie jede Nacht schrecke ich aus dem Schlaf hoch, schaue mich panisch um, beruhige mich wieder und kurz danach schaltet mein Gehirn aus.
Meine Gedanken und Warnungen vor gefährlichen Dingen verschwinden und mein Gehirn ist wie leer gefegt.
In einem Krankenhaus ist dies jedoch ein Nachteil. Ich blicke mich im Raum um und mein Blick wandert zu den Geräten, welche neben meinem Bett stehen.
Ich verfolge die Kabel und Schläuche und bemerke, dass so gut wie alles mit mir verbunden ist.
Zerstöre es, fliehe und flüchte ins Reich der Toten. Du musst nur die Schläuche von dir reißen und hier rauskommen.
Dies flüstert mir eine Stimme immer und immer wieder zu. Es schleicht sich ein hämmisches Grinsen in mein Gesicht und ich beginne leise zu lachen. Meine Fingerspitzen streichen über die Kunststoffkanülen und den gummiartigen Schläuchen.
Eine Substanz durch läuft jeden einzelnen Schlauch und ich habe absolut keine Ahnung was mir da ein geflößt oder entnommen wird.
Du bist kurz davor.
Wieder taucht die Stimme auf und es fühlt sich an als wäre ich von einer Person besetzt, die mir Befehle gibt. Befehle die gut sind, die mir helfen. Mir helfen mein Leben zu beenden.
Kurz darauf greift meine Hand schon zu und zieht die Kabel und Schläuche ab. Der Gedanke daran, dass ich die Chance habe zu sterben, lenkt mich von den Schmerzen ab.
Es ertönt kurz ein Piepen , doch schnell ziehe ich den Stecker der Geräte und es ist still.
Ich setzte mich auf und stelle einen Fuß nach dem anderen auf den eiskalten Boden. Langsam durchzieht die Kälte meinen Körper und ganz kurz genieße ich dieses angenehme Gefühl.
Gewöhne dich schonmal an die Kälte, denn sofern du dem Tod entgegen trittst, wird sie dich nie wieder verlassen.
Tod. Das Stichwort. Ich muss sterben und dafür muss ich hier raus. Ich richte mich auf und sehe mich im Zimmer um.
Mein Blick fällt auf einen Bleistift, welcher auf dem Nachttisch meiner Bettnachbarin liegt. Sie zeichnet sehr gerne, weshalb ihre Utensilien stets neben ihr liegen. Meine Hand greift wie von allein nach ihm.
Kannst du bestimmt noch gebrauchen.
Ich lege ihn in meine Hand, leicht versteckt, um mich dann mit leisen Schritten zur Zimmertür zu bewegen. So leise, dass man meinen könnte ich schwebe über dem Boden.
Wie würde es sich als Geist leben? Existiert so etwas überhaupt? Wo würden sie leben?
Diese Fragen kommen mir in den Sinn und der Gedanke, dass mein Leben in kürzester Zeit sein Ende erreicht hat, bringt mich zum Lächeln.
Wenn du es schaffst.
Und wie ich es schaffen werde.
Ich umfasse die Türklinke und wieder wird eine Kälte in meinen Körper geleitet. Sehr angenehmes Gefühl.
Ich drücke sie vorsichtiger herunter und öffne die Tür in Zeitlupe.
Sofern der Spalt breit genug ist, werfe ich einen Blick nach rechts und anschließend nach links. Auf beiden Gängen ist niemand zu sehen.
Der perfekte Zeitpunkt.
Na los beeile dich, sonst ist gleich nicht mehr der perfekte Zeitpunkt und der Tod muss noch länger auf dich warten.
Ich trete heraus und der laminierte Boden, dämpft das Tapsgeräusch meiner nackten Füße.
Ich schleiche gewissenhaft durch den Weg des rechten Flures und schaue an dessen Ende ein letztes Mal in alle Richtungen ehe ich das Treppenhaus betrete.
Die Temperatur ist dort deutlich kühler und eine Gänsehaut zieht sich über meine Haut. Ich renne die Treppen in einer höheren Geschwindigkeit hinunter und bremse ab als meine Pläne durchkreuzt werden.
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Geisterliebe
General Fiction"Aus dieser Perspektive zu sehen, ist einfach viel unglaublicher, die Menschen rauschen an dir vorbei, du kannst alles und jeden beobachten ohne dass sie dich bemerken. Sie wissen nicht mal von deiner Existenz. Für deine Familie und Freunde lebst du...
