Eine Entscheidung

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Ich sah durch dem Fenster die leichte Spiegelung meiner Siluette. Alles momentan schien nichts als Sinnlos, die ganzen Vorwürfe, alle Streitereien.

Wie konnte es nur so weit kommen? Wieso haben wir es nicht bemerkt, dass wir uns veränderten. Ich wollte mich eigentlich nie von ihm Trennen. Ich wollte diese heile Welt aufrecht erhalten, all das was wir zusammen erschaffen hatten schien nun aber zu zerbrechen!

Ungläubig schaute er mich an ,,Was willst du nicht mehr?"
Seine Hände waren hart zur Faust geballt, bereit es wieder zu tun.
Ich versuchte die Tränen zu verbergen die in mir aufstiegen. Völlig Emotionslos stand er da, die Augen auf mich gerichtet.

,,Ich glaub..." meine Stimme brach, nicht instande die Wörter die ich sagen wollte auszusprechen. ,,Ich werde das Angebot aus Fort Wainwright annehmen" der Satz war wie ein Stein den ich von mir Abwarf, ich war erleichtert und erschüttert zugleich, dass er nun auf dem Boden der Tatsachen zu zerschmettern drohte.

Sein Gesichtsausdruck veränderte sich schlagartig und nun sah er mich mit einem Blick aus Wut, Trauer und trotz an!

,,Du hast dich also entschieden, mit ihr zu gehen" in seinem Ton hörte ich wie verletzt er war, was mich noch einmal mehr traf. Doch die Vernünftige Seite in mir verlangte dem nicht nachzugeben!

Viel zu oft verletzt, viel zu oft verziehen, viel zu oft enttäuscht!

In den letzten 4 Jahren, habe ich meine Zukunft mit dieser Person geteilt, bin jeden Tag mit ihm zusammen an seiner Seite aufgewacht und jetzt sollte ich ausgerechnet die Person sein, die diese Beziehung beendete?

>>Ja<< schrie die Stimme in mir. Ich war verblüfft von meiner eigenen Mut die in mir überkochte.

Dennoch fassungslos von meiner eigenen Entscheidung und den Tränen nah, stand ich noch immer vor ihm.

,,Du wirfst also 4 Jahre einfach so weg ja? Habe ich das richtig verstanden?" In seiner Stimme lag noch immer die Wut die mitklang.

Er würde es wieder tun.

,,Ich habe das nie gewollt" meine Augen rissen sich von ihm los um mir zu etwas Standhaftigkeit zu verhelfen und meine Beine langsam zur Tür zu geleiten.

Ich musste hier weg, weg von ihm, mein Zuhause, meiner Zukunft und all die gemeinsamen Träume die wir in den letzten Jahren zusammen gehegt hatten.

Nichts von all dem was grade passierte schien für mich realistisch. Doch wenn ich es mir eingestand, war es schon immer so gewesen das ich vor dem Leben davon lief, vor wichtigen Entscheidungen davon lief und auch nun versuchte vor meinem eigenen Leben davonzulaufen.

Ich hätte diese Entscheidung schon viel früher treffen sollen und damit meinte ich nicht die Entscheidung, meinen Job hinzuschmeißen, auch nicht meine Familie zu verlassen und auch nicht die Entscheidung mit meiner Schwester zusammen für ein Jahr lang bei völlig fremden Menschen an das absolute Ende der Welt zu ziehen.

Ich hätte diesen Mut diese Beziehung zu meinem damals sicher geglaubten Traummann zu beenden schon früher haben sollen. Genau genommen an dem Tag als mir klar wurde, dass ich nicht mehr glücklich war. Diese heile Beziehung nur noch für die Außenwelt existierte, aber schon lange nicht mehr für mich. Ich hätte diese Beziehung beenden sollen, als er mich das erste mal ohne Grund anschrie, spätestens als er anfing so aggressiv zu werden, dass es mir Angst machte. Aber was tust du nicht alles um eine Beziehung zu retten? Dabei wollte, bzw. Konnte ich es mir nie und konnte es noch immer nicht eingestehen, dass diese Beziehung zu David nachher nur noch ein Mittel zum zweck gewesen war. Er war der Liebling meiner Familie, mein Leben das schon von Anfang an so geplant gewesen war.

Und ich brach jetzt aus dem Käfig aus!
Dieser Gedanke hatte etwas triumphierendes an sich, denn endlich konnte ich leben wie ich es wollte.

Hätte ich ihn früher verlassen, was währe aus mir geworden?

Aber so verschwendete ich lieber Zeit, mit einem Mann, der mich seid Monaten nicht mehr glücklich machte anstatt meine Zukunft aufs Spiel zu setzen.

Und was machte ich dennoch jetzt? Ich saß in einem Taxi, auf dem Weg zum Frankfurter Flughafen und das war auch gut so. Denn ich merkte erst jetzt, wie sehr mir diese Situation zugesetzt hätte.

Völlig aufgelöst und versunken in meinen eigenen tiefen Gedanken der Traurigkeit merkte ich erst jetzt die wärmende schützende Hand meiner Schwester um mich herum.

Meine Schwester Clara hatte schon vor Monaten diesen Schmerz durchleben müssen, als sie ihre erste Beziehung nach fast zwei Jahren den Laufpass gab.

,,Hailey, ich freue mich sehr das du beschlossen hast doch mit mir zu fahren, aber ich fürchte wenn du weiter so weinst, werden die uns nicht durch das Gate lassen"...,,Die werden wahrscheinlich denken, dass ich dich nach Alaska entführen will" sagte Clara und reichte mir im gleichem Zug ein paar Taschentücher.

,,Du hast recht" stammelte ich und versuchte mich wenigstens ein bisschen zu fangen.

Am Flughafen dann versuchte ich, nicht ganz so beschissen verheult und fertig auszusehen.

,,Besser?" stellte ich mich vor Clara und versuchte sie mit einer Maske aus Fundation, Mascara und Eyeliner zu überzeugen, dass es mir wieder gut ging. ,,Naja, den Preis für das atemberaubendste auftreten bekommst du nicht, aber wenigstens brauchen die Security Leute jetzt nicht mehr davon ausgehen, dass ich dich zwinge oder entführe oder so..." ihre überspitze Humorvolle und gleichzeitig liebevolle, durchgeknallte Art die Dinge zu sehen ließ mich ein bisschen schmunzeln, auch wenn mir noch immer nicht dessen zumute war.

,,Wieso tut es so weh, trotzdem ich weiß das ich nicht glücklich geworden währe?"

,,Warum es so weh tut?, Hailey du hast grade eine Person aus deinem Leben verloren mit der du eine sehr lange Zeit dein Leben geteilt hast, natürlich tut das Weh. Aus welchem Grund auch immer eine Beziehung endet, es ist immer mit schmerzen verbunden. Desto Leidenschaftlich und atemberaubend die Liebe auch sein mag, die kann dich in gleichem Atemzug Todes traurig machen."

In ihrem Gesichtsausdruck lag nicht nur Mitgefühl. Ich merkte, auch wenn es jetzt schon einige Zeit her war, dass Andre sie mit einer ehemaligen Schulfreundin betrogen hatte, das sie den Schmerz über die Trennung anscheint immer noch nicht ganz überwunden hatte.

,,Ja, das Stimmt" sagte ich zustimmend, nichts hatte ich zu dem eben gesagten hinzuzufügen. Denn es gab nichts das ich hätte hinzuzufügen können. Liebe kann die schönste und gleichzeitig  tödlichste Waffe auf der ganzen Welt sein. Doch ich tröstete mich an den Gedanken endlich wieder frei zu sein und ich wusste, wenn ich mir diesen Gedanken in den nächsten Tagen, Wochen wohlmöglich auch Monaten versuchte zu verinnerlichen, würde ich wieder glücklich sein.

Ich wollte nicht mehr wegrennen oder Angst vor meiner Zukunft und meinen Gefühlen haben. Vier Jahre lang habe ich nichts anderes getan als David für mich denken zu lassen, nun war es Zeit wieder für mich alleine zu denken. Ich werde wieder Glücklich sein, egal welche Entscheidungen ich in meinem Leben noch treffen muss, ich will das ich diese nicht bereuen muss getroffen zu haben.

Das Leben ist voller Entscheidungen, aber ich weiß das ich jetzt hier durch das Gate gehen muss um die Falschen Entscheidungen die ich getroffen habe zu vergessen. Ich schloss die Augen und atmete tief ein.

,,Ab heute wird alles anderes Clara"

,,Ab heute wird alles anderes Hailey"

Meine Hand griff nach ihre als wir zusammen das Gate betraten um auf den Flieger zu warten, der uns nach Alaska bringen würde.

,,Bist du Aufgeregt?" fragte mich Clara nach einer weile. ,,Naja ein bisschen schon, aber nicht so sehr, ich hoffe einfach die Gastfamilie ist nett." ich merkte dabei zum ersten mal das Clara anscheint doch nicht so völlig gelassen war, wie ich anfangs dachte und das machte mich unnötigerweise doch noch ein stückweit nervöser.

VerführtDes histoires addictives. Découvrez maintenant