Prolog

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Seufzend legte ich das alte Buch aus der Hand auf den staubigen Tisch. Schweigend stand ich von dem schon fast vergammelten Holzstuhl auf und schlenderte mit starrem Blick auf das schmutzige Fenster zu. Ich legte meinen Kopf in den Nacken. Diese elenden Kopfschmerzen machten es mir unmöglich einen klaren Gedanken zu fassen. Sie machten mir jetzt schon seit einigen Wochen zu schaffen. Lag wohl daran, dass ich meine Kräfte seit Monaten nur bedingt einsetzte. Aber ich wollte einfach damit abschließen. Es einfach hinter mir lassen.

Langsam hob ich meinen Kopf wieder an und drückte ihn gegen die kühle Fensterscheibe. Ich lauschte den Regentropfen, die peitschend an das Fenster klatschend. Ich mochte den Regen. Ich hatte ihn schon als kleines Kind geliebt. Immer als es damals geregnet hatte bin ich wie eine Verrückte aus meinem Kinderzimmer gerannt, habe meine roten Regenstiefel und meinen gelben Regenmantel angezogen und hab meine Ma angebettelt, ob ich rausgehen darf. Und immer hat sie es mit einem Lächeln bejaht. Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, wie ich meine Ma mit meinem verschmitzten Lächeln, wodurch meine viel zu große Zahnlücke zum Vorschein kam, angegrinst hatte.

Damals war alles anders.
Damals war ich noch glücklich.
Nicht, dass ich es jetzt nicht mehr wäre. Nur bin ich es auf eine andere Art.
Obwohl. Ob man mich als glücklich bezeichne konnte? Ich wusste es nicht. Glück war relativ. Für jeden bedeutet "glücklich sein" etwas anderes. Für manche heißt es, eine Familie zu haben, gesunde Kinder, und einen erfolgreichen Job.
Für mich bedeutet es, nicht mehr davon zu laufen. Nicht mehr auf der Flucht zu sein. Einmal für ein paar Monate an Ort und Stelle zu bleiben und das Leben zu genießen.

Hätte mir jemand vor einem Jahr gesagt, was alles auf mich zukommen wird, hätte ich ihm einen Vogel gezeigt und wär lachen davon gelaufen.
Aber es konnte ja niemand ahnen, was alles passieren würde.

Ich musste lachen. Jedoch war es kein fröhliches, sondern ein kaltes verzweifeltes Lachen.
Ich schlug meinen Kopf, ein wenig zu heftig, an das Fenster. Ich hatte meine Kopfschmerzen ganz vergessen. Ein schmerzendes Pochen durchzog meinen Kopf.
Ich verzog mein Gesicht.
Diese scheiß Kopfschmerzen machten mich echt wahnsinnig.
Lange hielt ich das nicht mehr aus. So langsam hielt ich das alles nicht mehr aus.
Die ganze Scheiße die mir im vergangenen Jahr passiert ist. Es stieg mir einfach alles zu Kopf.
Bevor wir diese kleine Holzhütte hier gefunden hatten, hatte ich Monate lang keine ruhige Nacht mehr gehabt, geschweige denn überhaupt eine ruhige Minute.
Doch seit 2 Wochen ging es mir wenigstens etwas besser. Jedenfalls bedingt. Ich konnte immerhin wieder etwas ruhiger schlafen und hatte keine Albträume mehr.
Die Kopfschmerzen hingegen wollten einfach nicht weggehen.
Egal was ich versuchte. Es half einfach nichts. Ich schlucke gefühlt 10.000 Aspirin am Tag. Ich weiß, das war nicht gut. Aber ich hatte eh nichts mehr zu verlieren. Und immerhin halfen sie ein ganz ganz kleines bisschen. Auch wenn es nicht viel war.

»Na Prinzessin. Denkt da mal wieder jemand ein bisschen zu viel nach?« Alec riss mich aus meinen Gedanken. Er war der einzige, der mir noch geblieben war. Der einzige, der mir noch irgend etwas bedeutete.
»Hm.« Seufzend drehte ich mich zu ihm um. Ich lehnte mich gehen die hölzerne Wand und umschlang meinen Körper mit meinen Armen. Meine kalten Hände verpassten mir eine Gänsehaut.
Angestrengt guckte ich in seine traurigen Augen, die trotz all dem immer noch in einem wunderschönen dunklen Grün strahlten.
»Lass uns schlafen gehen, Prinzessin. Es ist schon halb 3« Grinsend griff er nach meiner Hand und zog mich hinter ihm her. Seine warme Hand ließ meine so stark kribbeln, dass es fast schon weh tat.

Nachdem wir eine halbe Stunde im Bett lagen und ich mich in unsere Decke einkuschelte, fielen mir meine Augen zu und ich schlief ein.
So gut hatte ich seit Ewigkeiten nicht mehr geschlafen. Es war eine der ruhigsten Nächte sie ich jemals erlebt hatte.
Wissend, dass diese eine meiner letzten sein wird.
***

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