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Jaja Berlin hat schon etwas, etwas Besonderes. In keiner anderen Stadt findest du do viel bunte Vielfalt wie in Berlin. So viele gemischte Kulturen. Jeder akzeptiert Jeden und es ist egal wie du rumrennst.

Wo, wenn nicht in Berlin singen die Obdachlosen in der Bahn Songs über Geld?  Eine Gruppe von Leuten die sich großteils nicht kennen fängt an mit Straßenmusikern gemeinsam Lieder zu singen. Da überkommt mich ein Gefühl der Gemeinschaft.

Wer streift nicht gerne abends durch die leuchtenden Straßen dieser ruhelosen Stadt? Na gut wenn ich Sonntag Nacht um halb zwei nach Hause fahre, ist auch am Kudamm nicht mehr viel los, aber falls ich Hunger habe, hat immer noch irgendwo eine Dönerbude auf.

Während ich dem, für diese Uhrzeit noch sehr belebtem, Verkäufer schon etwas schläfrig sage wie viele Zwiebeln ich gerne in meinen Döner hätte (sehr viele, da ich bezweifle heute Nacht noch die Liebe meines Lebens zu treffen, also muss ich auch nicht gut riechen!), meint er ich solle ihn Big Papa nennen. Ich nicke und er erzählt mir seine Lebensgeschichte.

Oder du hast vielleicht gerade die Liebe deines Lebens verloren. Und Big Döner Papa reicht dir ein Taschentuch und sagt so was wie: "Mach dir nichts draus süße, er isses nicht wert." und: "Ach übrigens ich hab da einen sehr netten Neffen in deinem alter... " was dich schon wieder in deinen Döner mit extrem vielen Zwiebeln schmunzeln lässt.

In der Bahn riecht es nach pisse. Über den U-Bahn Bahnsteig fliegen Papiertücher und Mülltüten. Aufgewirbelt vom einfahrenden Zug. Grüne Glasscherben  zieren die Pflastersteine. Und jeder dritte den du nach zwölf im Bus triffst stinkt nach Alkohol.

Und trotzdem lieben wir dich Berlin und deine Einwohner.
Die freundlichen und die unfreundlichen Kassiererinnen bei Lidl oder die herumgrölenden Proleten, die dir freundlich lächelnd dein Fahrrad aufheben, wenn du dich hinpackst, während so mancher Anzugträger unaufhörlich in sein Handy quasselnd an dir vorbei läuft, wenn du heulend auf dem Boden sitzt. Und diese gruselig aussehenden Typen die dir einfach mal so eine Rose schenken, weil auch sie einen weichen Kern haben. Tja Appell an die Gentleman da draußen.

Und während ich in meine Jogginghose schlüpfe und mir zwei verschiedene Socken anziehe, kotzt vermutlich gerade jemand vor meine Haustür. Und ich bin ihm dankbar. Wahrscheinlich nicht, wenn ich rein trete, aber unterbewusst, denn ohne ihn wäre Berlin nicht Berlin.

Oft fühlen wir uns so klein in dieser so großen Stadt unter so vielen Menschen. Aber das sind wir nicht, denn Berlin ohne uns wäre immer ein klein wenig anders, also nicht das Berlin, welches wir lieben.
Wir sind alle jemand und wir können alle etwas Bewegen.

BerlinWhere stories live. Discover now