» Im Zug «

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»Er war ein toller Mensch und sehr mutig. Er hat oft von dir gesprochen.« Ich verzog mein Gesicht und spielte mit einer meiner dunklen Haarsträhnen. »Er hätte gewinnen können, das weiss ich«, Kellie lächelte mich ermutigend an und legte ihre Hand auf meine Schulter, worauf ich zusammen zuckte. Kellie war auch die Mentorin von Finnley. Sie erzählte mir, dass sie sofort von seinem Sieg überzeugt war, da er sehr schlau war und gut mit den Waffen umgehen konnte. »Warum ist er den gestorben, wenn er so schlau war?«, Drake grinste mich an, worauf er aber nur ein Todesblick von mir zurückbekam. Sofort sah er zu Boden. »Leute, Leute«, die piepsige Stimme von Phoebe erklang hinter uns. »Kommt schnell, die Ernte Zusammenfassung beginnt!«

Zu viert sassen wir auf dem Samtüberzogenen Sofa und starrten gebannt auf den Bildschirm. Gerade wurde der volle Marktplatz von Distrikt 1 gezeigt. Die Betreuerin zog gerade den Zettel und rief ins Mikrofon: »Helena Zigger!« Ein schwarzhaariges Mädchen, etwa in meinem Alter trat aus der Menge. Doch sofort wurde laut über den Platz geschrieen: »Ich melde mich freiwillig!« Ein grosses, blondhaariges Mädchen in einem violetten Kleid trat aus der Menge und grinste Siegessicher. Ihr Name lautete Crystal McFly. Sie war sehr athletisch gebaut und sicherlich war sie ein Karrerio. Als Junge wurde ein etwa dreizehn Jähriger gezogen, aber auch der wurde sofort ersetzt, durch einen schwarzhaarigen, muskulösen Jungen Namens Danger Loster. Beide wurden laut bejubelt. Gleich darauf wurde Distrikt 2 eingeblendet. Auch die Betreuerin las gerade den Mädchen Namen vor. Willow Entler. Ein Mädchen mit hüftlangen, braunen Haaren trat aus der Menge und rief laut: »Wehe jemand von euch meldet sich freiwillig!« Und tatsächlich meldete sich niemand freiwillig, worauf Willow stolz grinste. Als Junge wurde ein etwa 18 Jähriger, brünette ausgelost. Doch auch er wurde ersetzt. »Ich melde mich freiwillig!« Ein blondhaariger Junge kam aus der Menge gestürmt und mir blieb die Luft weg. Thélmo! Er sah exakt aus wie Thélmo! Mir schossen die Tränen in die Augen und ich schnappte nach Luft. Es stellte sich heraus, dass er Flake Daroon hiess. Wahrscheinlich der Bruder von Thélmo. Ich schluchzte auf. »Hey, was ist los?«, fragte Drake barsch. »Flake«, knurrte Kellie mit zugekniffenen Augen. »Der Bruder von Thélmo.« Ich konnte diesen Namen nicht mehr hören! Ich sprang auf und rannte wie eine Verrückte aus dem Raum. Ich wollte diesen Namen nie wieder hören!

Thélmo, Thélmo, Thélmo. Ich zog das Kissen über meinen Kopf. Der Name wollte mir nicht mehr aus dem Kopf gehen! Thélmo, Thélmo, Thé... STOP! Immer wieder flossen mir Tränen über die Wangen. Nun sollte ich mit seinem Bruder in die Arena? Er würde mich bestimmt auch so umbringen: Qualvoll und mit einem genüsslichen Lachen. »Felicia«, immer wieder hörte ich, wie jemand an der Tür meines Abteils klopfte. »Verschwindet alle, ich will alleine sein!«, rief ich genervt. Tatsächlich hörte ich dann kein klopfen mehr. Ich schloss die Augen und schlief bald ein. Leider mit einem Traum.

»Felicia, Felicia!«, jemand tätschelte meine Wange und sofort schreckte ich auf. Ich lag schweissgebadet im Bett und starrte schwer atmend in die drei entsetzten Gesichter. Drake, Phoebe und Kellie. »Tut.. Tut mir Leid.. Habe ich wieder ge.. geträumt?«, stotterte ich und legte meinen Kopf schief. »Du hast geschrieen, als würde dich jemand umbringen«, meinte Kellie leicht lachend. Ich presste die Lippen aufeinander und sah auf meine Hände: »Ich habe von Finnleys Tod geträumt. In Distrikt 4 hatte ich ständig diese Träume.« »Oh«, sagte Kellie leise. »Das wusste ich nicht.« »Nein, ist okay.« Ich warf die Bettdecke zurück: »Wie kommt ihr eigentlich hier hinein? Ich habe doch abgeschlossen.« Ich wollte das Thema wechseln, das mit Finnley war mir nicht angenehm. Schliesslich waren mir ja alle fast fremd. »Wir hatten ein Ersatzschlüssel«, piespte Phoebe. Ich sah aus dem Fenster, es war schon Morgen und wir würden bald im Kapitol ankommen. »Könnt ihr bitte gehen? Ich möchte mich bereit machen.«. Nickend verliessen sie mein Zimmer und ich ging ins Badezimmer, um mich fertig zu machen.

Ich belegte gerade mein Brot mit Käse, als sich Drake neben mich setzte. »Geht's dir besser?«, fragte er vorsichtig. Ich spannte meinen Unterkiefer. »Klar, ging mir nie besser«, sagte ich ironisch. Ich biss in mein Brot und lehnte mich zurück. Gerade wollte er etwas erwidern, als sich Kellie ebenfalls zu uns setzte. »Guten Morgen meine Kämpfer«, flötete sie. Genervt verdrehte ich die Augen und ass weiter. Auch Kellie belegte ihr Brot, als Drake fragte: »Wie hast du eigentlich gewonnen, Kellie?« »Oh«, lachend rieb sich die Hände und grinste. Sie sah fast wie ein Karrerio aus. »Meine Waffe war die Axt. Ich war ziemlich gut mit der. Sogar die Karrerios wollten mich in ihrem Team, doch ich hatte abgelehnt. Ich war eine gute Einzelgängerin. Im Finale kämpfte ich gegen den Jungen aus Distrikt 1. Er war gut, eine 10 als Punktzahl. Aber mit einer Axt aus der Luft hatte er wohl nicht gerechnet!« Ich zog eine Augenbraue in die Höhe. Ich öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber da fiel mir Drake ins Wort: »Das Kapitol!« Er stand auf und rannte zum Fenster.

Revenge ~ Das Spiel der Rache [#1]Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt