Teil 1

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,,Hey, Tim. Holst du bitte noch die letzten Taschen aus dem Auto? Ich schiebe uns in der Zeit die Pizzen in den Ofen."

,,Okay."

Er setzte sich auf und machte sich von der Küche aus, auf den Weg zum Auto seines älteren Bruders.

Heute würde er zum ersten Mal in seinem neuen Zuhause wohnen, in seinem neuen Zimmer schlafen und am nächsten Morgen in eine neue Schule gehen. Um ehrlich zu sein, Glücklich war er nicht wirklich darüber. Im Gegenteil. Er hatte richtigen Schiss in der Hose.

Normalerweise sollte er sich wirklich Glücklich schätzten, das sein großer Bruder Sebastian ihn bei sich aufgenommen hatte und er nicht im Heim oder bei einer Pflegefamilie geendet war. Jedoch hasste er große Veränderungen und dazu gehörte nun mal auch, in eine neue Stadt und somit auch in ein neues Leben zu ziehen.

Naja. Eigentlich sollte es ja auch so etwas in der Art sein. Ein Neuanfang. Das war der Sinn der Sache. Um endlich seine Vergangenheit hinter sich lassen zu können.

Aber das hieß nicht, das es ihm gefallen musste. Er vermisste sein altes Leben mit seiner Familie, seinen Eltern in ihrem großem Haus. Sie haben früher viele Ausflüge zusammen gemacht, sind Zelten gegangen und haben Nachts einander Geschichten erzählt. Gruselgeschichten, Gutenachtgeschichten und Märchen.

Doch das alles war, wie schon gesagt, längst Vergangenheit.

Tim öfnete den Kofferraum des silbernen Toyota RAV4 und holte die übrigen Umzugskoffer mit seinen Klamotten und anderen Besitztümern hervor, schloss wieder ab und lief zurück zur Wohnung seines Bruders. Er ging an der Küche vorbei und über die Treppe hinauf in das erste Zimmer im Flur. Seinem Zimmer.

Dort packte der Junge die Koffer aus und hängte seine Kleider in einen schwarzen Schrank, stellte seine vielen Bücher, Superhelden Comics und Technik Trophäen - die er in einigen Wettbewerben gewonnen hatte - auf die roten Regale an der grau tapezierten Wand und blickte schließlich seufzend zum Fenster hinaus.

Draußen begann es schon zu Dämmern und der Himmel war vom Sonnenuntergang in orangenes Licht getaucht.
In der Spiegelung der Fensterscheibe konnte Tim sein eigenes Gesicht sehen. Traurig blickte es ihn an und eine Träne lief ihm über die Wange. Seine schulterlangen, schwarzen Haare fielen dem Jungen wirr ins Gesicht und seine blasse Haut ließ ihn fast kränklich aussehen, zumal seine schmalen, fast dürren Schultern dies noch einmal mehr unterstrichen.

Warum musste das alles auch immer nur ihm passieren? Warum konnte er kein ganz normales Leben genießen, so wie die anderen in seinem Alter von 16 Jahren? Warum war er derjenige, der solches Leid erfahren musste, als seine beiden Eltern starben und ihn zurückließen? Zuerst seine Mutter, die vor seinen Augen an den Folgen von Lungenkrebs starb und schließlich sein Vater, der einige Wochen später tot auf der Arbeit, in irgendeiner Baustelle im Nirgendwo aufgefunden wurde.
Man vermutete, das es Selbstmord gewesen sei, aber das konnte und wollte Tim nicht glauben. Sein Vater würde ihm das niemals antun! Das wusste er.

Seine Gedanken wurden schließlich unterbrochen, als Sebastian nach ihm rief.
,,Kommst du Timmy? Essen ist fertig."

Laut seufzend blickte der Junge hinunter auf seine Schuhe.
,,Bin unterwegs."

Schnell rubbelte er sich die Tränen vom Gesicht und wandte seinem verkorksten Spiegelbild im Fenster den Rücken zu. Er verließ das Zimmer und lief wieder in die Küche hinunter zu seinem wartenden Bruder.

Dieser saß schon am kleinem Esstisch, zwei köstlich riechende Pizzen vor sich, lächelte Tim warm an und deutete einladend auf den Stuhl gegenüber von ihm.
,,Worauf wartest du? Dass das Essen kalt wird?"

Hell or HeavenWhere stories live. Discover now