Ich sah sie. Ihre roten, glänzenden Haaren wehten mit dem Winde. Das Kleid, das sie trug, umschmeichelte ihre ohnehin schon perfekte Figur. Nur für einen kurzen Augenblick schaute sie nach hinten und nur ein kurzer Augenblick genügte und ich war ihr hilflos verfallen. Mit ihren grünen Augen konnte sie jeden verführen. Für eine Millisekunde kreuzten sich unsere Blicke und sie lächelte mich an. Ihre leichten Grübchen ließen sie unschuldig wirken und ihr zartes Alter unterstrich das Gefühl des Unverdorbenem an ihr. Als sie wieder nach vorne blickte und begann ihren Weg fort zusetzten, schaute ich ihr nach. Ich sah, wie sie hinter einer Ecke verschwand. Ich atmete einmal tief ein und beschloss ihr unauffällig zu folgen. Ich konnte es mir nicht erlauben so ein hinreißendes Mädchen zu verlieren.
Ich folgte ihr bis zu einem netten Häuschen. Sie zauberte einen Schlüssel aus ihrer Handtasche hervor. Mit ihren zarten, kleinen Fingerchen öffnete sie die Tür. Sie atmete einmal tief ein und lief durch den Eingang ins Haus hinein. Um nicht entdeckt zu werden, war ich hinter ein Gebüsch gekrochen, das ganz in ihrer Nähe war.
Vorsichtig kroch ich aus meinem Versteck hervor, um einen weiteren Blick auf sie erhaschen zu können. Ich wanderte zu einem der Fenster, drehte mich kurz um und stellte sicher, dass mich keiner beobachtete. Als ich mich sicher fühlte, kehrte mein Blick zum Fenster zurück. Eine Frau hatte sich auf einer grauen Couch breit gemacht. Sie sah fertig aus. Ihre Haare waren durcheinander. Die Augen von ihr waren nur halb offen und sie hatte noch immer ihr Nachtzeug an, obwohl es bereits Nachmittags war. Zu dem waren ihre Augen total gerötet. Ich verschwendete nicht weiter meine Zeit mit ihr und rannte zum nächsten Zimmer. Dort hatte ich Glück und entdeckte sie. Sie griff gerade in den Kühlschrank und holte ein Orangensaft heraus. Zuvor hatte sie zwei Gläser aus dem Schrank geholt und auf den Tresen hinter ihr gestellt. Für einen kurzen Moment hielt sie inne, um auf zu atmen. Währenddessen hielt sie ihren Kopf in ihrer Hand. Sie schien erschöpft zu sein. Warum ist sie so fertig? Ich bekam mitleid mit ihr. Meine Füße bewegten sich von allein auf sie zu. Erst als ich bemerkte was ich tat, stoppte ich mich.
Ich beobachtete, wie sie mit zwei Gläser ins andere Zimmer lief. Vorsichtig glitt ich zurück zum Zimmer in der die Frau saß, immer darauf bedacht keine Geräusche von mir zu geben. Ich beobachtete die Art, wie sich die zwei miteinander unterhielten. Die Zärtlichkeit des Mädchens war überragend. Immer wieder nahm sie von neuem Anlauf der Frau das Glas zu überreichen. Sie gab sich alle Mühe, dass es ihr gut ging. Dafür bewunderte ich sie und fiel noch tiefer in den Sog vom Mädchen.
Aus dem Nichts fing die Frau auf der Coach an hysterisch zu schreien. Mit aller Kraft bemühte sich das Mädchen sie zu beruhigen. Ohne Erfolg. Sie schrie einfach weiter. Ich wollte einen näheren Blick auf sie erhaschen und trat einen Schritt nach vorne. Dabei übersah ich einen Pflanzen Topf, der ganz plötzlich neben mir zerbrach. Voller Schreck bückte ich mich, doch ich war zu langsam. Ihr Blick hatte sich auf mich gerichtet. Ihre Augen schauten direkt in meine Richtung. Sie hatte mich bemerkt. Zügig schlich ich mich vom Fenster davon in ein Gebüsch etwas Abseits vom Haus. Von dort aus konnte ich sie erkennen. Sie blickte nach draußen, hielt ausschau nach etwas, was sich bewegte: nach mir. Ich stellte meinen Atem ein, bewegte mich keinen Millimeter in der Hoffnung sie würde mich nicht bemerken.
Gerade als ich dachte, sie hätte mich gesehen, wurde ihre Mutter lauter und fing an wirres Zeug von sich zu geben. Keine Sekunde lang überlegte sie, sondern handelte sofort. Sie rannte zu ihrer Mutter und tröstete sie so gut es ging. Ich kroch aus meinem Versteck hervor, zückte mein altes Handy aus der Tasche und machte mir ein Foto vom Haus, sowie von dem Mädchen. Dieses Mädchen wollte ich nie wieder vergessen.
YOU ARE READING
Never to forget
HorrorEin 16-jähriges Mädchen, ohne Vater. Aufgewachsen mit einer verstörten Mutter. Als wäre das nicht schon schlimm genug, wird sie auch noch von einem Psycho entführt. Dieser hat sich in sie verliebt und lässt sie nicht mehr gehen. Wird sie überleben...
