Prolog

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    Ich möchte euch gerne meine Geschichte erzählen. Ich lebe in einem Königreich namens Otium. Mein Vater ist König William Antoni von Otium. Meine Mutter,Königin Maria Elizabeth von Otium lebte leider nicht mehr. Als sie starb war ich zwei Jahre alt. Seitdem verbrachte ich viel Zeit mit den Mägden und Knechten am Hofe oder ich erforschte die Gegend außerhalb des Schlosses. Meinen Vater störte das nicht. Er war nicht so streng wie man sich einen König vorstellte und er war sehr beliebt bei seinem Volk. Seine einzige Bedingung, damit ich mich außerhalb der Schlossmauern aufhalten konnte, war jedoch, dass Ottfried mich begleiten musste. Ottfried ist mein Cousin zweiten Grades. Auch seine Mutter ist ums Leben gekommen. Etwa zur selben Zeit wie meine, nur das er damals schon vier Jahre alt war. Sein Vater zog mit ihm in die andere Hälfte des Schlosses. Damit wir alle gemeinsam trauern konnten. Ich hätte gerne mit Ottfried getrauert, aber er zog sich total zurück. Jahrelang war er ein biestiger, verschlossener Junge. Manchmal war er sogar furcheinflößend. Wenn er einen besonders schlechten Tag hatte. Dann guckte er finster und schwang sein Schwert. Nicht dass er mir jemals etwas getan hatte oder jemand anderem. Ich denke, er wollte auch niemanden bedrohen.Es war nur so, dass er ein sehr ehrgeiziger Kämpfer war und man ihn ohnehin kaum ohne Waffe zu Gesicht bekam.Insgesamt war Otium ein sehr friedlicher und schöner Ort. Mein Vater und Ottfrieds Vater, er hieß übrigens Ulrich, verstanden sich gut. Auch rund um die Burg war es sehr harmonisch, es gab es grüne Wiesen, Felder, einen Wald und eine Felswand. Trotzdem lagen das Dorf und die Burg nicht sehr weit auseinander. Und so konnte ich, als ich kleiner war und noch nicht raus durfte, Ottfried hin oder her, von der Burg her, das lustige Treiben auf dem Markplatz beobachten. Ich träumte immer heimlich davon, auch eines Tages über den Markt zu laufen und verschiedenes Getreide und Gemüse zu begutachten und schließlich zu kaufen. Nun ja, dieser Wunsch jedenfalls hatte sich erfüllt. Mit vierzehn Jahren bettelte ich solange, bis mein Vater mir erlaubte zum Markt zu gehen und für unsere Köchin Gemüse zu kaufen. Selbstverständlich in Ottfrieds Begleitung.Er murrte zwar immer und war ein äußerst miesepetrieger Aufpasser, aber das konnte meiner Freude keinen Einhalt bieten. So bürgerte es sich ein, dass Ottfried und ich jeden Mittwoch, ins Dorf ritten und einkauften. Am Anfang, war es noch etwas schwierig, weil die Bewohner des Dorfes in Aufregung gerieten und sich größte Mühe gaben, es mir recht zumachen. Von allen Seiten verbeugten und knicksten die Leute und egal wen ich ansprach, keiner brachte einen Ton hervor. Inzwischen hatte sich das beachtlich gebessert. Es knicksten und verbeugten sich zwar immer noch alle, aber immerhin hatte diese Gestotter und Gestammel ein Ende. Die Leute gewöhnten sich an die merkwürdigen Vorzüge der Prinzessin. Aber sie vergötterten meinen Vater, weil er so gutherzig war und somit konnten sie sich nicht darüber beklagen, wie sich eine anständige Prinzessin zu benehmen hatte. Ich lernte reiten, kochen, nähen und Blumenkränze winden, aber auch fechten, Schach spielen und schnitzen. Natürlich konnte Ottfried all diese Dinge besser als ich und wenn ich mal ernsthaft in einen Kampf geraten würde,wäre ich ohne Ottfried nach ein paar Minuten erledigt, doch ich war nicht völlig hilflos. Das war das Einzige was zählte. Ich weiß nicht warum ich überhaupt einen Gedanken daran verschwendete, aber insgeheim träumte ich von einem echten Abenteuer. Es war schön, dass ich mir nie Sorgen um meine Sicherheit machen musste, doch in allen Büchern die ich gelesen hatte, passierte etwas. Die Leute darin erlebten etwas. Sie hatten Feinde, Unfälle und sie machten gefährliche Sachen wie Auto oder Fahrradfahren. Ein Auto ist so etwas wie eine moderne Kutsche, die viel schneller ist und keine Pferde braucht um sie zu ziehen und ein Fahrrad ist ein Gerät mit nur zwei Rädern hintereinander und einer Lenkstange. Mir ist schleierhaft, wie man mit zwei Rädern hintereinander fahren kann ohne umzukippen. Allerdings passierten in den Personen in den Büchern auch schöne Dinge. Sie verliebten sich und fanden eine beste Freundin oder einen besten Freund und gingen in die Schule, wo sie unterrichtet wurden. Auch ich hatte natürlich einen Lehrer, aber ich war mit ihm alleine in der Bibliothek und nicht in einem großen Gebäude mit anderen Schülern. Sie machten auch andere Sportarten als wir. Sie fechten und reiten nicht nur sondern spielten Fußball und machten Hip Hop. Sie hörten Musik aus Blechbüchsen mit denen sie auch Nachrichten verschicken konnten. So genannte Handys. Diese Welt war in meinen Augen viel spannender, als unsere. Ottfried zeigte mir regelmäßig einen Vogel, wenn ich das erwähnte und sagte jedes Mal:„Bleib auf dem Boden Prinzessin." Eigentlich musste er mich nicht so nennen. Es war so eine Art spöttischer Insider. Eine Art Rebellion. Er fand es blöd, dass nicht alle Menschen gleich behandelt würden. Mit dem Ausdruck „Prinzessin"erinnerte er sich und auch alle anderen daran, wie lächerlich das war. Manchmal fragte ich mich, ob er überhaupt wusste, wie ich wirklich hieß. Jedenfalls fing ich irgendwann an, Ottfried meine Gedanken und Träume von der anderen Welt zu verheimlichen. Ich wollte ihm nicht noch mehr Angriffsfläche bieten. Hin und wieder passierte es jedoch, dass mir so ein Gedanke herausrutschte. Das passierte eben, wenn man den größten Teil des Tages zusammen verbringt. Dafür hörten die Schneiderin und die Hausmagd mir gerne zu, wenn ich über die Welt in meinen Bücher erzählte. Es kam nicht selten vor, dass sie mich wenn sie sahen,dass ich las, mich baten ihnen vorzulesen. Das fand ich war eine faire Gegenleistung, sie arbeiten so hart damit ich das Leben was ich führte, auch führen konnte, dass ich es nur fair fand, wenn ich ihnen die Arbeit verschönerte. Auch dem Hufschmied Henry las ich häufig vor. Er konnte gar nicht genug von Indiana Jones und Winnetou kriegen. So hatte ich ein gutes Verhältnis zu allen Arbeitern auf dem Hof.


Otium - Das Leben im KönigreichHistorias para obsesionarse. Descúbrelo ahora