- Teil 1 -

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Es war ein angenehmer Tag. Die Sonne stand hell über dem Horizont und kämpfte sich durch dünne, flaumige Wolkenschwaden. Vogelgezwitscher drang aus den grün belaubten Bäumen und frischer Tau befeuchtete das leuchtende Gras. Die Straßen und Gärten waren leer, die meisten Bewohner von Steinbach lagen in ihren weichen Betten und zögerten das Aufstehen noch ein wenig heraus.

Doch ein Junge war schon seit geraumer Zeit auf den Beinen. Liam Andersen genoss den Sonnenaufgang und spazierte außerhalb der Wohnsiedlung durch die Felder. Seine braunen Haare standen in alle Richtungen ab und kitzelten beim Gehen angenehm die Stirn. Er hatte kobaltblaue Augen, eine schmale Nase und einen hübschen Mund mit rosafarbenen Lippen, die ein Lächeln zierte. Sein Oberkörper war schmal und seine Beine dürr. Er beobachtete, wie zwei kleine Hasen über ein großes Feld huschten und ein Bussard nach Mäusen Ausschau hielt. Er ließ alle Eindrücke der Natur auf sich wirken.

Er sah sie, er roch sie, er hörte sie.

Er fühlte sich frei.

Ein Blick auf die Uhr und das Geräusch von startenden Motoren bestätigten ihm, dass er wieder nach Hause musste. „Die Realität naht", wisperte er und strich sich dabei wie beiläufig über seine aufgeplatzte Lippe, die noch nicht ganz verheilt war.

Angekommen an der Villa der Familie Andersen zog er seinen Schlüssel aus der Hosentasche und schlüpfte durch die Tür. Mr. und Mrs. Andersen, Liams Eltern, standen nie um diese Uhrzeit auf, das war ihm bewusst. Beide waren Unternehmer und begannen erst mittags mit ihrer Arbeit, die sich oft bis spät in die Nacht zog. Doch Heleyne, das Hausmädchen würde schon bald durch die Zimmer gehen und die Geschwister Andersen wecken.

Leise huschte Liam die marmorne Treppe hoch, schlich an den Zimmern seiner Zwillingsschwestern Aline und Mary vorbei und drückte leise die Klinke zu seinen eigenen Räumen runter. Der dunkelbraune Holzfußboden war blank poliert, die Bücher in den unzähligen Regalen geordnet und durch die großen Fenster, die sich von der matten dunkelgrünen Tapete abhoben, ergab sich ein schöner Ausblick auf die Felder, in denen Liam sich bis eben noch herumgetrieben hatte.

Schnell zog er sich seine Klamotten aus, schmiss sie auf den Schreibtischstuhl und schlüpfte unter die seidige Bettdecke, um die letzten Minuten der Ruhe genießen zu können. Gerade, als er seine Augen geschlossen und einmal tief eingeatmet hatte, hörte er ein Klopfen vor den Zimmern seiner Schwestern und kurz darauf trommelte die sanfte Faust auch gegen seine Tür. „Aufstehen, ihr müsst zur Schule", rief Heleyne und lugte mit ihrem rundlichen Gesicht in das Zimmer des Braunhaarigen. Dieser nickte und warf sich danach zurück in die Kissen. Wie jeden Morgen würde er sich Zeit lassen, um sich so vor dem gemeinsamen Frühstück mit seinen Schwestern drücken zu können.

Doch je weniger man sich auf etwas freute, desto schneller verging die Zeit bis dahin und als Liam nur noch zehn Minuten hatte, quälte er sich schließlich aus dem Bett. Aus dem Kleiderschrank angelte er sich seine enge schwarze Hose, einen dunkelgrauen Pullover, eine neue Boxershorts und flauschige Socken, da er trotz des schönen Wetters, kalte Füße hatte. 

Vor dem Spiegel stehend betrachtete er kurz die schmalen Narben auf seinen Unterarmen und zog sich daraufhin kopfschüttelnd den Pulli über.

Aline und Mary warteten bereits vor der Haustür. Heleyne drückte Liam eine Dose mit Broten in die Hand und winkte den Dreien zum Abschied, während sie sich auf den Weg zum Auto machten, das sie zur Schule fahren würde. Die Zwillinge unterhielten sich die gesamte Fahrt über in einer schrillen Tonlage und Liam verspürte schon nach wenigen Minuten ein Ziehen in den Schläfen.

Die Steinbacher Privatschule war gerade mal 25 Minuten von der Villa entfernt und seufzend öffnete der Braunhaarige die Tür und stieg aus. „Willkommen in der Hölle", flüsterte er und schritt auf das eiserne Tor des Schulhofes zu. Das gesamte Gelände war von einer hohen Mauer umgeben. Schon auf dem kurzen Weg dorthin, wurde er mit unfreundlichen, herablassenden Blicken bedacht. „Na du Pussy, wurdest du mal wieder chauffiert?", spottete Florian, ein Schüler aus dem 11. Jahrgang und stieß ihn unsanft zur Seite. Dabei kam Liam ins Stolpern und stürzte gegen eine weitere Person, die ihn angewidert zu Boden schubste. „Kann unser kleines Schnöselchen nicht einmal vernünftig laufen?", prustete Mandy, Florians Freundin und die Umstehenden begannen zu lachen. Das schrille Läuten der Schulglocke lenkte sie letztendlich ab und langsam strömten alle Schüler auf den Haupteingang zu.

Mühselig erhob sich Liam und klopfte dabei den Staub von seiner schwarzen Hose. Er griff nach seinem Rucksack und bemerkte dabei, dass Heleynes Brotbox aufgegangen war und der Inhalt auf dem gesamten Weg verteilt lag. Voller Wut stöhnte er auf und schlug mit der geballten Faust gegen die graue Mauer, sodass seine Knöchel aufplatzen und das Blut über die Hand lief.

„Hey, ist alles in Ordnung?", fragte plötzlich eine Stimme hinter ihm. Liam wirbelte herum und sah einen jungen Mann mit dunkelbraunen Haaren und einer Ledernen Tasche auf sich zuschreiten. Schnell sah er zu Boden und nickte. Die Situation war ihm nicht geheuer. Der Mann hob die blaue Brotbox auf und hielt sie dem Braunhaarigen hin. „Deine?", fragte er sanft. Wieder nickte Liam und griff nach der Box, ohne einmal auszuschauen. „Du blutest", stellte der Unbekannte fest und ließ seinen Blick auf der schmalen Hand des Jungen ruhen.

„Schon okay.", sagte Liam leise mit brüchiger Stimme, wendete sich ab und stürmte zur Schule, um nicht zu spät zu kommen.

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Hallo meine Lieben :) 

Ich habe jetzt schon seit längerer Zeit überlegt eine weitere Story anzufangen und heute ist es so weit! Nächste Woche beginnen die Sommerferien und dadurch werden auf jeden Fall regelmäßige Updates kommen. Ich möchte mich nicht festlegen, aber mindestens alle 3 Tage wird möglich sein :)

Ich freue mich wie immer über Votes, Reads und Kommentare, in denen ihr Rückmeldung gebt!

¡Hasta luego amigos!

- Surrender -Stories to obsess over. Discover now