Dunkelheit.

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Die Dunkelheit kann so beängstigend sein. Es gibt so viele Gründe davor Angst zu haben.
Dunkelheit kann so tief sein und trotzdem so leer. So still und trotzdem so laut. So ruhig und entspannend und trotzdem verursacht sie so oft Herzrasen. Aber wieso?

Klar, die ganzen Horrorfilme die wir sehen, die zahlreichen creepy pastas die uns monoton in einem 20 Minuten Youtubevideo vorgelesen werden, all das macht uns paranoid. Schrecklich paranoid und ängstlich, beeinflusst unser Denken und unser Sehen. Unsere Wahrnehmung, unser Gefühl.

Aber was ist mit Kindern? Sie können nicht einschlafen, weil ein Monster in ihrem Schrank oder unter ihrem Bett ist. Sie fangen an zu weinen, weil irgendetwas geknarzt hat. Sie denken in ihrem Zimmer steht jemand und beobachtet sie, doch erst wenn Mama und Papa besorgt ins Zimmer kommen und das kleine, gedimmte Nachtlicht neben der Tür anknipsen ist alles wieder okay.

Kinder gucken keine Horrorfilme. Kinder lesen keine Thriller. Kinder hören sich keine Gruselgeschichten an.

Woher kommen all diese Vorstellungen, diese Angst? In einem noch so puren und rohen Menschen, der zwei, drei Kratzer besitzt, weil er einmal beim rutschen im Kindergarten auf die Kieselsteine gefallen ist, weil ein anderes Kind ihn geschubst hat.

Kinder sollten nicht solche Gedanken haben, oder? Sie sollten unbeschwert sein, frei von Problemen, Kind sein, doch trotzdem gibt es so viele, die jede Nacht von einem schlimmen Albtraum weinend aufwachen und nach den Eltern schreien, als würde der Tod neben ihnen sitzen und mit seinen spitzen, kalten Krallen über deren Rücken streichen.

Vielleicht übertreibe ich auch einfach nur, wer weiß. Vielleicht denke ich zu viel darüber nach. Aber was, wenn nicht?

Alles könnte passieren, während wir in unserem Bett liegen, die Augen fest geschlossen, kleine Lichtreflektionen beobachten, die in dem inneren unseres Augenlids herumspringen, bis sie gänzlich verschwinden und wir nur noch eine Mischung aus rauschenden, dunklen Lichtern sehen, wenn ein Auto vorbei fährt und die grellen Strahlen durch das Fenster auf unser Gesicht scheinen.

Jemand könnte neben uns liegen, direkt daneben, ohne das wir es mitbekommen. Wie auch, wenn wir nichts sehen?

Es dauert immer eine Weile, bis wir uns an die Stille gewöhnt haben, bis unser Körper und unsere Sinne herunterfahren, sich auf das nötigste minimieren. So wird die Melodie, die durch unsere Boxen strömt ganz schnell unglaublich laut und dann, wenn wir das Volumen auf 2% gestellt haben, ist es nach 5 Minuten schon wieder zu laut, während wir es in dieser Lautstärke tagsüber kein bisschen verstehen würden.

In dieser Zeit, in der wir in unserem dunklen Zimmer liegen, eingekuschelt in die Decke und unser Körper gerade dabei ist sich zu entspannen und den Lautstärkepegel herunterzufahren, hören wir extrem leise Dinge nicht. Erst wenn wir seit 12 Minuten zu leisen Akustiktönen den Fuß leicht mitbewegen, das Volumen mittlerweile nur noch auf 1% ist, dann können wir uns auf die leisen Dinge konzentrieren.

Was passiert in den ersten 5 Minuten, in denen die Musik auf normaler Lautstärke ist? Wenn wir die leisen Töne nicht hören? Was hören wir noch nicht?

Ich weiß nicht, ob man versteht, was ich sagen möchte, aber ich hoffe es.

So oft gibt es Dinge, die wir schlichtweg einfach nicht wahrnehmen. Meistens sind es banale Dinge, wie der Lehrer der uns aufruft um weiter zu lesen, während wir gelangweilt am Heftrand ausprobieren, wie genau nochmal das Haus des Nikolaus aufgebaut ist und uns fragen, wer diesen Blödsinn überhaupt angefangen hat und wozu es Heftrände gibt, schließlich sind sie einfach nur Platzverschwendung.

Oder die Mutter, die einen zum 3. Mal genervt zum Mittagessen ruft, während man vertieft in eine neue App ist, die man sich gerade erst heruntergeladen hat und nicht aufhören will aggressiv auf dem Smartphone Display rumzutippen, bis man endlich den Highscore von 14 überboten hat.

Doch was ist, wenn wir noch so vieles mehr nicht wahr nehmen?

weird thoughts.Where stories live. Discover now