Prolog

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Prolog

Samstag, der 22.4.2028 Rostock

Es war ein typischer regnerischer April-Nachmittag in Rostock, als Maximilian Nex das NexCorp Gebäude in der Innenstadt verlassen hatte. Ein außerplanmäßiges Meeting des Vorstandes hatte seine dringende Aufmerksamkeit erfordert und ihn gezwungen das Familientreffen in seiner Villa in Warnemünde zu unterbrechen. Nun ging er zu seinem Parkplatz, den Regenschirm, ein Geschenk seiner kleinen Schwester, schützend über sich haltend. „Schon wieder haben sich Verzögerungen für das Ascensus Projekt ergeben, wenn das so weiter geht können wir den Starttermin nicht einhalten“ dachte Max, so wurde Maximilian von allen die ihn kannten genannt, genervt. Das Ascensus Projekt war NexCorps Versuch ein Raumschiff für interstellare Reisen zu konstruieren. Nachdem NexCorp 2019 die stabile Nutzung von kalter Fusion gelang und 2023 ein Versuch zur effizienten Erzeugung von künstlichen Gravitonen gelang, war die ganze Welt gespannt, wann es möglich sein würde, diese Technik an Bord von Raumschiffen einzusetzen. Der erste Schritt, den NexCorp darauf hin wagte war der Bau einer privaten geosynchronen Raumstation, die als erste Operationsbasis für die von NexCorp geplante Erforschung und Kolonisation des Weltalls dienen sollte. Nach drei Jahren Bauzeit und vielen Milliarden Euro die investiert wurden, nahm die erste menschliche Raumstation, die anstatt von Solarpanels von einem Fusionsreaktor betrieben wurde ihren Dienst auf. Etwa ein Jahr später war die Bodenstation für den ersten Aufzug ins All fertiggestellt und der erste Test lief zufriedenstellend. Damit war die Grundlage für den Bau einer orbitalen Schiffswerft geliefert. Eben diese Schiffswerft war es die heute zu dem außerplanmäßigen Meeting geführt hatte, denn religiöse Fanatiker hatten einen Frachtzug zur Bodenstation entgleisen lassen, da es ihrer Ansicht nach gegen Gottes Wille sei, wenn der Mensch die Grenzen der ihm zugewiesenen Erde verließe und Gottes Strafe dafür sei die Ausrottung der Menschheit, wie sie in der Apokalypse beschrieben wurde. „Verdammte radiale Fanatiker!“ lief es Max durch den Kopf, als er in seinen von Wasserstoff angetriebenen Dienstwagen, eine weitere von NexCorp vorangetriebene Technik, einstieg, um nach Warnemünde zurückzufahren, wo seine Frau und seine Tochter, seine Eltern und die Familie seiner Schwester auf ihn warteten. Genervt fuhr er in Richtung Hafen um auf die L22 zu kommen und nach etwa einem Kilometer geriet er in einen Stau, da es zu einem mittelgroßen Unfall auf seiner Straßenseite gekommen war und die ganze Straße abgesperrt war. Wie er später in den Nachrichten hörte, hatte ein unachtsamer Autofahrer einen Motorradfahrer angefahren, und daraus hatte sich eine kleine Karambolage entwickelt, was die Polizei zwang, die Straße abzusperren. Also musste Max durch die Tschaikowskistraße ausweichen und einen Umweg durch Reutershagen in Kauf nehmen, was seine Fahrtzeit um insgesamt 20 Minuten verlängerte und seine Laune noch tiefer in den Keller sinken ließ. Max war froh, als er endlich zu Hause angekommen war und ihn seine 12 jährige Tochter und sein Neffe, der zu der Zeit elf Jahre alt war, an der Haustür empfingen. „ Schön das du endlich wieder da bist Papa.“ begrüßte ihn Miriam, seine Tochter und Ben, sein Neffe wollte wissen , wie das Meeting gelaufen war, denn er war ein absoluter Weltraum-Fan und wollte unbedingt Astronaut werden, wenn er erwachsen ist. Max schilderte kurz, um was es bei dem Meeting gegangen war, als seine Frau Tina ihn in die Arme schloss, froh darüber, das er nicht in den Unfall auf dem Weg verwickelt wurde. Nachdem die vier sich zu den anderen im Wohnzimmer gesellt hatte musste Max die ganze Geschichte im Detail wiederholen, während Tina in der Küche die letzten Vorbereitungen fürs Abendessen abschloss. Es folgte ein typisches Familienessen mit all den gewöhnlichen Unterhaltungen. Welche Orte seine Eltern auf ihrer letzten Reise besucht hatten, was es neues im Krankenhaus seiner Schwester gab, wie es ihrem Mann Michael, der ein kleines Transportunternehmen führte, ergangen war und welche Fortschritte Ben, der ein Gymnasium für Hochbegabte besuchte, in der Schule gemacht hatte. Da Max Eltern am kommenden Montag nach Indien fliegen wollten um die dortige Kultur zu erkunden, löste sich das Treffen am frühen Abend auf und die Gäste machten sich auf den Weg nach Hause. Als alle sich verabschiedet hatten und Miriam in ihr Zimmer verschwunden war um mit ihrer besten Freundin über das Holofon zu sprechen ergab sich endlich die Gelegenheit für Max die Probleme am Ascensus Projekt mit seiner Frau zu besprechen, die als eine der Ingenieure am Antriebssystem des Schiffes arbeitete. „Wieder solum Terram?“ Wollte Tina wissen. Max erzählte im Detail wie die Fanatiker den Zug hatten entgleisen lassen und welche drastischen Verzögerungen dies für die planmäßige Fertigstellung der Pride of Hawking Werft ergeben würde. Tina nahm Max in den Arm und flüsterte ihm ins Ohr, „ Wenn jemand dieses Projekt trotz all der Stolpersteine und Rückschläge fertig stellen kann, dann du!“. Der Rest des Abends ging relativ ereignislos von Statten und dafür war Max ehrlich dankbar. Geschafft von den Ereignissen des Tages fiel Max kurz nachdem er sich hingelegt hatte in einen traumlosen Schlaf.

Aufbruch ins UnbekannteWo Geschichten leben. Entdecke jetzt