Verpatzter Geburtstag

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Es ist mir egal, es ist mir egal. Ich zwinge mich diese Worte zu denken, unzählige Male hintereinander.
In der Hoffnung ich kann es irgendwann glauben.

Es sollte mir egal sein.
Ich wünschte es wäre mir egal.

Ich habe oft davon geträumt meiner Familie wirklich mal die Meinung zu sagen, hätte jedoch niemals gedacht, dass ich es wirklich irgendwann tun würde.

Ich bin einfach explodiert.

Ich hätte nicht gedacht dass ich es wirklich riskieren würde ihnen meine Meinung zu sagen.

Ich habe es satt immer das liebe Kind zu spielen und ihre Reden voller Verachtung zu hören.

Über alles was nicht in ihr engstirniges Weltbild passt.

Ich hatte es mir befreiend vorgestellt ihnen mal zu sagen, dass ich ihnen all die Jahre nur etwas vorgespielt habe.

Aber alles was ich habe ist ein schlechtes Gewissen.

Es war gemein von mir.

Ich hätte mich zusammenreißen sollen.

Mit meinem Ausbruch habe ich meine komplette Familie blamiert.

Und mich selbst am Meisten.

Aber was soll so erstrebenswert daran sein von ihnen gemocht zu werden?

Ich mag ihre Art und Weise zu denken und ihre Art alles schlechtzumachen auch nicht.

Aber es ist meine Familie.

Und ich will keinen Streit mit meiner Familie.

Mein Hals brennt und meine Augen fangen ebenfalls damit an.

Ich biege in das kurze Stück Wald ein, das ich auf dem Heimweg von meinen Großeltern durchqueren muss, stelle mich mit dem Rücken zum erstbesten Baum, sodass man mich vom Weg aus nicht sehen kann und presse mir die Hand auf mein Gesicht.

Und fange an zu heulen.

Ich kicke die schwarzen High Heels von meinen Füßen und lasse mich in das Laub auf dem Boden sinken.

Nach einer Weile beruhige ich mich. Und beginne gut zu finden was ich getan habe.

Es ist die Wahrheit gewesen.

Ich habe es so gemeint.

Ich bin nicht wie sie.

Der frische Herbstwind streicht über mein verweintes Gesicht und das ist ein gutes Gefühl.

Es dämmert langsam. Deshalb nehme ich meine Schuhe in die Hand und laufe barfuß durchs Laub zurück auf den Waldweg.

Kleine Äste und Wurzeln pieksen in meine nackten Füße, aber ich bin so euphorisch dass mir das nichts ausmacht.

Ich klettere einen kleinen Abhang hinauf, wodurch ich schneller zuhause bin, als ich es gewesen wäre, wäre ich weiter den Waldweg entlang gegangen.

Als ich fast nach ganz oben gekraxelt bin, rutscht mir einer meiner High Heels aus der verschwitzten Hand.

Kurzentschlossen werfe ich den anderen hinterher.

Ich will sie nicht.

Ich finde sie nicht einmal schön.

Glücklich wandere ich aus dem Wald hinaus, wobei mir mein Rock um die Beine flattert.
Der kalte Wind zerzaust meine Haare und ich genieße das Gefühl.

Ich kann unser Haus sehen und das unsere beiden Autos vor dem Haus unter der Überdachung stehen.

Meine Eltern sind also schon zuhause.
Ich gehe um unser Haus herum, es ist riesig, fast zu groß für meinen Geschmack.

Unsere Balkontür steht offen.

Mein Zimmer ist ganz oben, deshalb gehe ich zu dem Apfelbaum im Garten hinter unserem Haus und hangle mich bis auf seine oberen Äste hinauf, von denen ich auf unseren Balkon klettern kann.

Da es bereits dunkel wird und ich im Dunkeln nicht gut sehen kann, rutsche ich bei meinem Klettermanöver einmal ab, was einen Adrenalinstoß durch meinen Körper jagt, doch ich kann mich noch festhalten.

Vom Balkon aus kann ich meine Eltern unten in der Küche lautstark streiten hören. Und wie ich hören kann, geht es um mich.

"Seit einem Jahr ist ihr Benehmen schrecklich.

Sie ist immer eine gute Schülerin gewesen.

Doch seit zwei Jahren kommt da garnichts mehr.

Sie geht kaum mehr raus.

Sie hängt nur noch mit der Tochter von diesen Hippies herum.

Aber ihr kindisches Benehmen heute hat das Fass zum Überlaufen gebracht.

Ich stehe jetzt vor meinem Chef da, als wäre ich nicht in der Lage meine eigene Tochter zu erziehen.

Das ist jetzt vorbei.

Ab jetzt werden die Regeln."
höre ich meinen Vater knurren.

Meine Mutter sagt leise: "Sei nicht so streng mit ihr.

Sie hat gerade keine einfache Zeit.
Sie pubertiert eben."

"Trotzdem kann sie sich nicht alles erlauben.

Und so geht es nicht weiter.", poltert mein Vater jetzt so laut, dass ich sogar zwei Stockwerke über ihm zusammenzucke.

Meine Mutter sagt nichts mehr.

Und ich schleiche hoch in mein Zimmer.

Waiting for somethingWhere stories live. Discover now