Kosu sah verträumt aus dem verschmierten Fenster des Bioraums seiner alten Schule. Die Sonne schien, das erste Mal seit Wochen und er musste hier drin seine Zeit verschwenden und lernen. Er ließ seinen Blick von den Bäumen auf der anderen Straßenseite ab und drehte am Deckel seines Kugelschreibers. Er hatte wohl lange aus dem Fenster gesehen, da seine Lehrerin bereits die gesamte Tafel vollgeschrieben und nun auf ihrem Stuhl saß und sich entspannt die Nägel feilte. Er sah sich um, all seine Klassenkameraden waren bereits dabei den Text abzuschreiben, also öffnete auch er sein Bioheft um den Aufschrieb in sein Heft zu übernehmen.
„Sie scheinen mir ein wenig unkonzentriert Herr Kasura...", hörte er plötzlich seine Lehrerin murmeln.
Er sah auf und konnte erkennen, dass sie ihn leicht aus ihren Augenwinkeln heraus ansah, dann spiegelte sich das Licht in ihrer Brille, da sie sich leicht auf dem Stuhl verschob und ihre braunen Augen verschwanden hinter einer Reflektion.
„Auch, wenn sie in Gedanken schon wieder laufen ist das Rennen erst am Samstag, also bitte", sie hob die Feile und zeigte mit ihr Richtung Tafel.
Kosu hörte ein leises Raunen durch die Bankreihen gehen und auch ein paar hämische Kommentare. Er ließ seinen Blick sinken und schreib den letzten Satz ab. Er hatte kein Recht sich zu wehren, noch nicht, erst, wenn er der Beste war würde er das dürfen.
„Da Sie nun auch fertig sind, kann ich ja weitermachen!", die junge Frau stand von dem Stuhl auf, legte die Feile mit einem leisen Klicken auf den Tisch und strich sich ihren blauen Rock glatt.
Kose drehte den Deckel seines Stiftes wieder zu und atmete durch. Genau in dem Moment stieß ihn seine Banknachbarin an der Schulter an.
„Hey Kosu, willst du heute echt wieder trainieren? Ich hätte heute Zeit, wir könnten ins Kino oder so...", sie wurde leicht rot und versuchte ihr Gesicht hinter ihren offenen langen Haaren zu verstecken.
Kosu musste grinsen, sie dachte immer er würde es nicht merken, wenn sie rot wurde, aber es war echt nicht zu übersehen.
„Tut mir leid Sakura, aber ich kann nicht. Morgen ist das Rennen und deshalb...", er ballte seine Hand um den Stift, seine Knöchel wurden weiß. Sakura wollte etwas antworten griff aber nur wortlos zu ihrer Tasche und steckte ihr Heft in diese. „Echt Kosu, du hast wohl absolut nie Zeit...", er konnte in ihrer Stimmung die Enttäuschung heraushören. Es tat ihm wirklich leid, aber musste trainieren. „Hey du kleine Tomate, ich habe da eine Idee!", fing er an, als er ihr seine Hand auf den Kopf legte, sie sah ihn überrascht an. „Sontag könnte ich das Training mal ausfallen lassen, wollen wir uns da treffen? „In Sakuras Augen konnte er ein plötzlich aufkommendes Glitzern sehen, als sie freudig ihren Kopf vor und zurückwarf.
Genau in diesem Moment klingelte es. Kosu schieb sich noch ihre Nummer auf und warf eilig alles in seinen Rucksack. Er hatte keine Zeit zu verlieren, schnell was essen und auf zum Park. Er stürmte an seinen lauten Klassenkameraden vorbei und ging den Flur entlang. Er achtete darauf niemanden umzustoßen und atmete erleichtert auf, als er die Schule verließ und ihm die frische Luft in die Nase stieg, einfach herrlich. Er lief über den sich langsam füllenden Pausenhof und lief an den Gruppen murmelnder Oberschüler vorbei. Grade, als er den ersten Schritt auf den Bürgersteig tat, fiel sein Blick auf einen Mann, welcher hinter ein paar Mülltonen saß. Da war er also schon wieder... Kosu nahm seinen Geldbeutel heraus und öffnete das Fach für Scheine... Noch 3000 Yen, nicht grade ein Vermögen. Er nahm dennoch einen 1000 Yen Schein heraus und lief zu dem zusammengesunkenen Mann. Dieser bemerkte ihn und fing an zu lächeln.
„Kosu mein Junge, du bist das. Wer würde sonst auch stehen bleiben?", Kosu musste lächeln und fuhr sich mit seiner Hand durch die roten Haare. „Haben sie schon wieder alles ausgegeben? Ich habe ihnen doch erst Dienstag was gegeben..." Der Mann sah verträumt in den Himmel. „Das Leben ist eben teuer mein Kleiner, das verstehst du noch nicht", Kosu nickte und gab dem Obdachlosen das Geld, er winkte ihm als er davonlief.
Wenn der alte Mann wüsste wie es ihm eigentlich ging. Kosu Kasura, ein Einzelgänger mit einem fast schon fanatischen Zwang zum Sprintrennen. Kosu blieb vor einem Restaurant stehen und sah durch die Scheibe mit der Aufschrift „Frisch Nudelsuppe, nur 1000 Yen" Er hielt sich den Bauch und dachte nach, Hunger hatte er schon, aber das Geld was er noch hatte müsste noch für eine Woche reichen. Er ließ seine Hand sinken und drehte sich wieder der Straße zu, verträumt sah er einem Kind mit seiner Mutter nach, das musste ein wirklich tolles Gefühl sein. Eine Mutter haben, einen Vater vielleicht? Jemanden an den man denken kann, wenn man verträumt aus dem Fenster sieht? Alles so schöne Illusionen. Kosu bog um die Ecke des kleinen Hochhauskomplexes und blieb vor einer der Türen stehen, er kramte seine Schlüssel heraus. Plötzlich sah er im Augenwinkel eine Bewegung, nur ganz kurz, erschrocken drehte er sich zu der kleinen Gasse um, welche genau neben der Tür lag, welche er grade betreten wollte.
„Ist da jemand?", fragte er leicht nervös, wärend er auf die Ecke zu ging und einen verstohlenen Blick um diese warf. Alles leer, wie zu erwarten. Er wollte dennoch nachsehen, weshalb er den dreckigen Weg bis zum Ende der Gasse folgte und vor den großen metallenen Mülltonen stand. Grade da hörte er ein leises Knacken unter seinem Schuh, erschrocken sprang er zurück und hob das auf, auf was er getreten war. Eine Feder. Eine schwarze Feder, von einem Raben vielleicht oder einer Krähe? Erstaunt bemerkte er, dass die Feder scheinbar gar nicht von seinem Missgeschick beeinträchtigt wurde, er hatte immer gedacht, dass Federn sehr empfindlich sind. „Egal", dachte er sich und beschloss die Feder mit nach Hause zu nehmen, als er die Gasse wieder verließ und die Treppen des Hauses nach oben stieg.
Er blieb überrascht vor seiner Tür stehen, als unter dem Spalt der alten Holztür ein schwaches grünliches Licht erkennen konnte, was konnte das sein? Schnell steckte er den Schlüssel ins Schloss und riss die Tür auf. Das Holzschild mit seinem Eingravierten Namen klackerte hölzern, als er die Tür schloss und sich schnell seine Schuhe auszog. Er sah sich in dem kleinen Raum um, alles schien normal. Die Türen zu seinem kleinen Bad und der Küche waren geschlossen und das Wohnzimmer, das eigentlich auch das Schlafzimmer und Arbeitszimmer war sah auch so aus wie er es verlassen hatte. Verwirrt kratzte er sich am Kopf, als er seine Tasche auf den einen Stuhl fallen ließ und sich seine Schuluniform auszog. Schnell schlüpfte er in ein T-Shirt und in kurze Hosen, so fühlte er sich schon viel besser. Noch einmal öffnete er das kleine Fenster und so herunter zu der Gasse, welche vor seinem Fenster verlief. Es waren noch nicht viele Leute auf der Straße, da sogar in Tokyo mittags die Leute arbeiten mussten. Nur ein Mann in einem Anzug saß in einem kleinen gegenüberliegenden Kaffee und unterhielt sich mit einem merkwürdigen jungen. Die beiden mussten Touristen sein, da der Mann nicht wie ein Japaner aussah, ein Amerikaner vielleicht? Grade da sah der Junge ganz plötzlich in die Richtung von Kosu. Kosu ging verwirrt von dem Fenster zurück, dieser Junge, er hatte ihn direkt angestarrt, ohne seinen Blick auch nur ein wenig schweifen zu lassen. Wie konnte er ihn sehen? Und dann noch diese grünen stechenden Augen, die er sogar über diese Entfernung ganz klar sehen konnte... Er schloss das Fenster wieder und kratzte sich am Kopf.
„Komische Kerle...", murmelte er vor sich hin, als er in Gedanken zu dem Stuhl ging und die Feder in die Hand nahm, welche er dort zusammen mit der Tasche abgelegt hatte. Er sah ganz verträumt auf dem Schwarzen Saun der Feder, sie fühlte sich so warm an, als wäre irgendetwas in ihr... Er ging zu seinem Regal und griff an einem Eingerahmten Bild vorbei und zu einer kleinen Holzkiste, welche er öffnete. Er sah auf die Dinge die in ihr lagen. Ein metallener Würfel mit komischen Zeichen graviert und ein paar zusammengelegte Papierstücke. Er legte die Feder dazu und schloss die Kiste wieder. Grade da viel sein Blick auf das eingerahmte Bild, sein Blick wurde düsterer, als er auf die verwackelte Kinderzeichnung starrte. Sie zeigte drei Personen, eine Frau und einen Mann, welche ein Kid an der Hand hielten. Über dem Kopf des Kindes stand das Wort „Kosu", die Zeichen über den Erwachsenen war nichts als gekritzelte Muster. Er rieb sich seine Augen, stellte das Bild wieder hin und ging schnell in die Küche. Er konnte das alles nicht gebrauchen, jetzt nicht, so kurz vor dem Rennen. Er nahm eine kleine Umhängetasche, warf eine Wasserflasche und ein Handtuch in diese und ging zu seinem kleinen Schuhschrank. Er nahm die alten Sportschuhe heraus, er musste sich wirklich bald mal neue kaufen, und zog sie an. Er hüpfte ein paar Mal auf der Stelle und griff dann Schlüssel und Geldbeutel, dann verließ er die Wohnung und ging die Treppen wieder herunter. Er konnte sich kein Lächeln verkneifen, als er sich streckte und losjoggte um schnell in dem Nahen Park zu sein.
Der Park war leer, dennoch hörte man von allen Seiten das Laute Zwitschern der Vögel und das Zirpen der Grillen, einfach so wunderschön. Er joggte den mit Kies belegten Weg entlang und sah verträumt auf die Bäume, welche an ihm vorbeizogen. Sie hatten grade die ersten Blüten bekommen und bewegten sich im schwachen Frühlingswind. Der Himmel war blau und ab und zu kreuzte eine Wolke die Sonne und zeichnete Muster auf das grüne Gras. Alles so wunderschön. Er streckte sich ohne anzuhalten und bog um eine Ecke, als er auf einer Bank eine ihm bekannte Gestalt erkennen konnte. Die alte Dame lächelte freundlich, als Kosu vor ihr stehen blieb und die Tauben, welche sie bis eben gefüttert hatte davonflogen.
„Kosu mein Junge, ich dachte schon du kommst heute nicht vorbei", kicherte sie ihn an. Ihre blass gewordenen blauen Augen strahlten eine Offenheit und Freude aus, Kosu liebte es mit dieser Frau zu reden, auch wenn er nicht mal ihren Namen wusste. „Ich trainiere für das Rennen morgen", antwortete er ihr, als er um die Bank ging und sich an dieser anlehnte, er war ziemlich lange ohne Pause gejoggt. „Oh ja, laufen ist was Wunderschönes, ich liebe es diesen Park zu sehen", Kosu lächelte sie an, sie erwiderte sein Lachen. „Ich sehe sie nur auf dieser Bank, wollen sie nicht noch mehr von dem Park sehen, ich könnte mit ihnen mal eine Tour machen, wenn sie wollen", die Frau wirkte überrascht. „Ach, Kind in meinem Alter Freut man sich, wenn sich nichts verändert und alles so bleibt wie es ist..." Kosu nickte, er verstand was sie meinte. „Und jetzt geh schon weiter, du musst doch noch laufen oder?", meinte die Dame, als sie langsam aufstand und zu dem Rollator humpelte, welcher neben der Bank stand. Kosus Blick wurde trauriger, er würde der Frau so gerne helfen. „Sieh mich nicht so an, bitte", murmelte die Frau angestrengt, als sie, ohne sich zu Kosu um zu drehen langsam davonging. „Das Leben gibt eben nicht nur schönes, aber du weißt das oder?", Kosu drehte sich auch um und antwortete bevor er wieder loslief. „Besser als jedes andere, bis nächste Mal!"
Es war dunkel geworden, als Kosu den großen See schon zum zehnten Mal umrundete und außer Atem stehen Blieb. Er öffnete seine kleine Tasche und trank die letzten Schlucke des bereits warm gewordenen Wassers. Er sah auf sein Handy, unglaublich er war tatsächlich für länger als elf Stunden unterwegs gewesen, kein Wunder, dass es bereits dunkel wurde. Er hielt sich seinen Bauch, er hatte wieder den ganzen Tag nichts gegessen, verdammt. Genervt atmete er noch einmal tief durch und genoss die kühle Abendluft. Dann ging er langsam den Weg entlang um zurück nach Hause zu kommen, er würde morgen vor dem Rennen noch etwas essen, sonst würde er wahrscheinlich mitten im Wettkampf verhungern. Er lief um die Ecke und blieb erstaunt stehen, da saß jemand auf der Bank, auf der sonst immer nur die Dame saß. Er war zusammengesunken und schien sich voll und ganz auf den Boden zu konzentrieren. Kosu ging langsam auf die Bank zu, bestimmt nur ein Nachtmensch, der ein wenig entspannen wollte, nichts Besonderes.
Er lief grade an der Bank vorbei, als eine leise Stimme zu ihm drang, sie war verzerrt und klang so, als würde man von weit her, aus einem Tunnel zu ihm sprechen. „Kami, du bist eines!", Kosu drehte sich verwirrt zu der Person um, hatte sie mit ihm gesprochen? Doch bevor er sich komplett drehen konnte traf ihn ein starker Tritt direkt in die Hüfte und er schlitterte mehrere Meter über den Sandigen Boden, bevor er um viel und sich erschrocken wieder aufrappelte. Was war das gewesen? Der Typ hatte sich doch gar nicht bewegt, oder? „Was zur Hölle sollte das man?", begann Kosu mit zitternder Stimme. „Das? Das sollte gar nichts, ich habe noch nicht einmal angefangen", redete die Person in ruhiger Stimmlage, als sie langsam von der Bank aufstand und so nun besser von dem Schwachen Licht der Laterne beleuchtet wurde. Kosu begann leicht zu zittern, was sollte das? Der Mann trug eine Art rituelle Robe mit dem Zeichen eines grünen Baumes, welches sich über seinen gesamten Oberkörper zog. Die Kapuze hatte er sich tief ins Gesicht gezogen, sodass Schatten sein gesamtes Gesicht verdeckten, dazu war sein Blick immer noch starr auf den Boden gerichtet. „Du bist meins!", schrie der Mann plötzlich und machte einen gewaltigen Sprung aus dem Stand hinweg und gleitet schon fast über den Weg hinweg. Kosu sprang sofort auf und rannte ein paar Meter weg, er hörte wie die Person in der Robe an ihm vorbeischoss und im Grass zum Stillstand kam. „Verdammt, lass mich in Ruhe!", schrie Kosu, als er begann den Weg entlang zu sprinten, nur weg von dem Irren. Er hörte keine Schritte hinter sich, auch wenn es möglich war, dass der rauschende Wind sie nur übertönte. Panik schoss durch Kosus Glieder und beschleunigte ihn noch weiter. Er war grade erst wenige Meter geflohen, als er plötzlich etwas an seinem Bein spürte und stolperte. Er schrie auf, als er wieder über den Boden schlitterte, sein Knie schmerzte, er musste sich beim Fallen verletzt haben. „Was war das?", schrie er, mehr zu sich selber als zu sonst wem und drehte sich um, um zu sehen über was er gestolpert war. Es hatte sich komisch Warm angefühlt und ganz glatt. Seine Augen weiteten sich, als er etwas sah, was sich auf dem Weg hin und her bewegte, es schien zu leben. Das Ding war einfach nur ein langes Glattes Wesen, welches sich gerade wieder unter den Mantel des merkwürdigen Mannes mit Robe zurückzog, wärend dieser seelenruhig auf Kosu zu ging. „Ich bin nicht allein, du kommst nicht weg...", murmelte dieser und zeigte mit einer seiner komisch grünen Hände hinter Kosu. Dieser drehte sich um und sah erschrocken mehrere Männer in Anzügen, welche hinter ein paar Bäumen hervor traten. Sie gingen auf Kosu zu, hielten aber abstand. „Was zur Hölle wollt ihr von mir? Ich habe kein Geld, oder so!", Kosus Stimme Zitterte vor Angst. „Du hast doch dich, das reicht mir", erwiderte die Gestalt nur leise und Hob das erste Mal den Kopf, genau in dem Moment trat der Mond durch die Wolkenwand die sich aufgebaut hatte und das Licht viel unter die Kapuze. Kosus Blick weitete sich vor Angst, er wusste wer das war. Die Person trug zwar eine Maske aus Holz, welche einer alten Theatermaske ähnelte, welche Schwarz angemalt worden war und auf über das ganze Gebilde ein Schriftzeichen thronte, das konnte er aber nicht erkennen. Das erkannte er nicht, aber die Augen sprachen Bände, diese grünen stechenden Augen, das war der Junge von heute Mittag, der ihn so angestarrt hatte. Dieser hob ohne ein Wort zu sagen seine Hand, woraufhin aus seinem Ärmel wieder dieses komische Wesen kam und wild in der Luft umherschlug, sich dann aber augenblicklich beruhigte und schlagartig sein spitzes Ende auf Kosu richtete. „Wie ein Speer", dachte Kosu voller Angst, sollte, das sein Ende sein?
„Lass das bitte sein...", die Stimme war schwach und hoch, Kosu sah erschrocken und erstaunt zugleich auf den kleinen Schatten, der hinter einem Baum hervortrat. Was machte das Kind hier? Der Junge zuckte zusammen und der Speer wurde wieder wilder und knallte wild hin und her, ein paar Mal ging er nur unweit von Kosu nieder. Kosus Blick wurde merkwürdig schummrig, er sah ein komisches grünes Licht, gleich der Farbe der Augen des Unbekannten in der Robe. „Kami!", schrie der Robenmann auf und zielte mit seiner Waffe auf den Jungen. Sofort wurde Kosus Sicht wieder klarer, er sprang auf, der Schmerz im Bein war wie verschwunden. Er sprintete zu dem kleinen Kind und packte es, sie vielen zur Seite in das kalte Gras und nur wenige Meter neben ihnen Schlug der Tentakelartige Speer ein, als er sich wieder zurückzog, hatte er ein perfektes rundes Loch hinterlassen. Der Kerl meinte das ernst! Kosu atmete auf, der Schmerz kam wieder und er hielt sich das Bein, das Kind kroch langsam von ihm weg und stellte sich wieder hin. „Du musst vorsichtig sein...", murmelte es und ging an ihm vorbei und trat hinter dem schützenden Busch hervor, direkt in das Sichtfeld dieses wahnsinnig gewordenen Monsters zurück. „Hebi, so war das nicht geplant. Was machen wir jetzt?", hörte Kosu einen der Männer sprechen, seine Stimme klang merkwürdig abgehackt. Er bekam keine Antwort, nur ein grelles Locht drang aus der Richtung, doch Kosu konnte nichts erkennen. Es war still für mehrere Sekunden, dann hörte er wieder die Männer. „Verflucht, wo ist der Bengel hin? Den anderen bringen wir einfach um und nehmen ihn so mit, es geht ja nur um das Kami, da ist er ja egal...", Kosu hörte Schritte die näherkommenen und sah die Männer um die Ecke kommen. Einer von ihnen zog einen merkwürdigen metallstab aus der Tasche, welcher sich verlängerte und dann blau zu blitzen begann. „Das wars wooohhh...", der Mann wollte grade zuschlagen, als ihn plötzlich der Speer des Robenmannes traf und ihn durchbohrte, der Mann ließ den Stab fallen, welcher aufhörte zu leuchten und es schleuderte ihn gegen die Mauer, welche den See von Park trennte. Diese stürzte ein. Sofort wirbelten die anderen drei Richtung des Jungen mit der Maske. „Hebi, was soll das werden?", Kosu hörte nur ein Kichern, welches langsam zu lautem Lachen wurde. „Ihr Kikai-teki ni seid solche Einfaltspinsel... Kein Gespür!", die Antwort klang schneller gesprochen als bis eben, Kosu hörte Wut in der Stimme. Das war nicht gut. Er kroch langsam hinter den Männern vorbei, wärend diese sich auf den Jungen, welcher wohl Hebi hieß zu konzentrieren. Kosu konnte erkennen, dass die Augen des Jungen zu glühen schienen und der Speer noch länger geworden war und nun schon fast wie eine Art Schwanz schien, was war dieser Hebi für ein Wesen? Die Männer stürmten auf Hebi zu, aber gegen diesen hatten sie keine Chancen. Geschickt wich er den leuchtenden Stäben aus, dieser Speer schien wirklich ein Teil von ihm zu sein, da er sich mit bewegte und auch den Schlägen auswich. Hebi duckte sich unter einem Schlag weg und ging auf alle viere, ein schneller Rundumhieb mit dem Speer und alle drei Männer gingen zu Boden. Einer versuchte sich wieder aufzurappeln, aber Hebi traf ihn hart mit der Spitze des Speers und den Mann riss es in zwei Hälften. Kosu wurde übel und er kroch schnell weiter, ohne auf das Massaker zu sehen. Er hatte kein Blut erkennen können, was war hier nur los? „Kami, du kommst nicht weg...", die Stimme war so nah, Hebi musste direkt hinter Kosu stehen, doch Kosu wagte es nicht sich um zu drehen. Jetzt nehme ich dich mit, du wirst mir Türen öffnen. Kosu spürte die Hand Hebis, welche sich um seinen Nacken schloss und ihn mit unfassbarer Kraft nach oben hob. Kosu sah, wie sich der Speer wieder unter die Robe zurückzog, dieser Kerl wirkte so menschlich, aber dennoch... Kosu ließ sich hochheben, er hatte keine Kraft um sich gegen so jemanden, oder etwas zu wehren. Doch grade als der Junge mit Kosu die ersten Schritte gegangen war hörte man plötzlich Geräusche durch die Nacht hallen. Schreie von etwas, etwas nicht Menschlichem. Hebi schrie auf, als ihn etwas traf und ihn weg von Kosu schleuderte. Dieser knallte hart auf den Kiesweg auf und hielt sich sofort den Nacken, dieser Griff war nicht menschlich gewesen. Kosu öffnete langsam seine Augen und erblickte sofort den jungen wie er wild um sich schlug, mit Händen Füßen und auch diesem Speer.
Hebi war zu weit weg von dem beleuchteten Weg geschleudert worden, sodass Kosu nicht erkennen konnte was ihn attackierte, aber es schien wie eine schwarze Wolke, welche ihn umgab. Immer diese Schreie, Kosu hatte sie schon einmal gehört, aber sie waren so durcheinander und laut, aber es war eine Chance. Kosu versuchte sich auf zu richten und humpelte langsam weg von der gesamten Scene, es kostete ihn viel Kraft. Er griff nach dem Band seiner Tasche und löste es, sie war zu schwer, es tat weh. Er humpelte aus dem Park heraus, die Schreie waren verstummt und die Nacht war wieder ruhig. War das alles real gewesen? Kosu sah auf seine Hände, welche mit Blut überzogen waren, weil er sich sein verletztes Knie gehalten hatte. Ja, aber was zur Hölle war da passiert, sollte er zur Polizei gehen? Er bog wieder um die Ecke und ging auf seine Haustür zu, seine Hände zitternden, als er den Schlüssel aus seiner Tasche zog. Er verstand nichts, er musste sich verarzten, es ging ihm nicht gut. Doch je näher er der Tür kam umso mehr erkannte er, dass dort etwas lag. Seine Tasche... Grade als ihm das klar wurde schwebte eine schwarze Feder nur knapp an seinem Kopf vorbei, erschrocken sah er nach oben und Tränen fanden ihren weg in seine Augen. Jetzt war es vorbei, was auch immer sie wollten, jetzt hatten sie ihn. Die Person flog über ihn hinweg und landete elegant, ungefähr drei Meter von ihm entfernt. Sie strich sich die Robe mit dem Baumsymbol ab und richtete sich die schwarze Maske. War das derselbe? Dieser Hebi? Die grünen Augen fixierten ihn und der Unbekannte mit der Robe sagte nur ein Wort, doch dieses reichte um Kosu die letzte Hoffnung zu nehmen, sie hatten ihn. „Kami...", die Stimme war eine andere, aber sie mussten sich kennen und sie beide wollten ihn und jetzt hatten sie es geschafft...
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Kami no Tomi
FantasyMysteriöse mit Gottes Kraft gefüllte Gegenstände, sogenannte "Kamis" fallen durch ein schreckliches Ereignis auf die Erde, wo sie von verschiedenen Leuten mit verschieden Motiven gefunden werden. Der Oberschüler Kosu stolpert durch Zufall in diese E...
