Linteau

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Ich muss husten, bekomme keine Luft mehr. Ich weiß es ist so weit zu gehen.
Hart knalle ich auf dem Boden auf, mir bleibt die Luft weg. Ich spucke Blut und mir wird schwarz vor Augen.
Ich erinnere mich an die Nacht davor, in der ich eine Familie beim Abendbrot beobachtet habe. Sie sahen glücklich aus, doch ich merkte das Vater und Mutter sich große Sorgen um ihr Wohl machten.
Dunkle Trauer liegt über der Erde und mit der Zeit fallen immer mehr von uns. Die meisten überleben den Sturz nicht.
Die Welt bringt sich selbst immer mehr um.

"Auf 12Uhr!Schießt!!"

"Runter!Achtung!!".....

"Ah diese verdammten Acanen. Jetzt sterbe ich auch noch!!...."

Krieg. Krieg auf der ganzen Welt. Und das nur wegen einem kleinen Dorf voller Irren, wie sie von der Bevölkerung genannt werden. Das Dorf der Acanen, unbesiegbar wie es scheint. Warum weiß niemand so genau, oder was besonders an dem Dorf ist. Es wird spekuliert, dass das Volk besondere Kräfte hat, aber wer glaubt das denn schon?
Es werde immer weniger Soldaten, die das Dorf bekämpfen, denn immer mehr sterben.
Die meisten sterben an zu großem Blutverlust, wegen zu großen Wunden, andere werden von einem urplötzlich entstandenem Brand erfasst. Er wird auch erzählt das einige in einem Sumpf erstickt sind, weil sie wie durch Geisterhand nach unten gezogen wurden.
Ein Kampf ohne Gute Aussichten.

Es fängt gerade an zu regnen. Mit noch geschlossenen Augen, spühre ich den kühlen Regen auf mein Gesicht prasseln. Ich kann kaum atmen und es ist ein Wunder das ich noch lebe. Meine Lunge brennt und mir fehlt die Luft zum Atmen. Bei jedem Atemzug sticht es mir unerbittlich in meine Brust. Ich mache die Augen auf und versuche mich aufzusetzen. Ich taste nach meinem Knöchel, da er fürchterlich pocht. Mein weißes Kleid ist Blut durch tränkt und hängt mir wie ein Fetzen Stoff an meinem verkratzt Körper. Meine Haare hängen mir in nassen Strähnen den Rücken hinunter. Mir ist schwindelig und mir schmerzt der Kopf. Vorsichtig schaue ich mich um. Der Regen vernebelt mir die Sicht, aber in der Ferne kann ich einen Wald erkennen. Ich drehe mich noch einmal im Sitzen im Kreis und traue meinen Augen nicht. Kaum 10 Meter von mir entfernt liegt Aden.

Aden ist mein kleiner Bruder. Ich bin 17 und er gerade mal 7. Er ist der jüngste aus unserer Familie. Ich habe noch eine 12 jährige Schwester.

Meine Haare kleben an meinem Blutverschmierten Gesicht. Auf allen Vieren krabbel ich zu ihm. Sofort steigen mir Tränen in die Augen. Es war ein abscheulicher Anblick. Sein Arm ist ausgekugelt, an seiner Stirn ist eine große Platzwunde. An seinem Bein ist ein offener Bruch. Mir wird übel und ich muss mich weg drehen. Überall Blut. Das ist nicht mein kleiner Bruder..
Es dämmert schon und außer dem Wald und ein paar Häuser gibt es weit und breit nichts und niemanden den ich um Hilfe bitten könnte.

Unter mir hustet Aden.

"Aden?!Aden!!"

Er öffnet langsam seine Augen und blinzelt verwirrt.

"Mein Kleiner, wir geht es dir?"

Über mein vom Regen schon nasses Gesicht tropfen mir Tränen aufs Kleid. Was ist nur gesehen?

"pehh..ohh...looh.."

"Ich hab dich nicht verstanden.."

"penehh..."

Aden kullert eine Blutige Träne die Wange hinunter. Er will sich aufsetzten aber bei dem Versuch, verzieht er schmerzerfüllt das Gesicht. Sacht streiche ich ihm eine Blutverklebte Strähne aus dem Gesicht.

"Warte ich helfen dir"

Ich umfasse Adens Hüfte und ziehe ihn so vorsichtig wie nur möglich auf meinen Schoß.

"Penelope, wo.. Wo bin ich?"

"Ich weiß es nicht."

Mein kleiner Bruder fängt an zu weinen und zu zittern. Auch ich friere schon eine Weile durch den immer stärker werdenden Regen. Als ich aufstehen will, zieht Aden an meinen Ärmeln meines Kleides.

"Ich gehe zu Mama.. Sie wartet auf mich und wird mit mir kuscheln... Sie sagt ich soll dir sagen das du den Krieg stoppen sollst, sonst sterben noch mehr von uns.... Und ich soll dir sagen..."

Aden fallen die Augen zu und sein Atem geht nur noch stoßweise. Verwirrt und ängstlich schaue ich ihn an.

"Was redest du da? Mama ist tot, das weißt du doch. Und was für einen Krieg?..."

"Geh Richtung Norden sagt Mama. Bringen sie zur Vernunft und lasse dich nicht töten. Sie hat dich unglaublich lieb und sie wird mit mir auf die warten... Ich hab dich auch lieb, meine große Schweshhh...."

"Aden!"

Ich bekomme Panik und schüttel ihn sanft. Was redet er da und was ist eben passiert? Er wird doch wohl nicht eben in meine Armen gestorben sein. Er atmet nur nochh sehr flach, so gar so flach, dass man meinen könnte er wäre schon tot.

"Aden,... Bitte sag doch was!"

Ich muss immer mehr weinen.Sein Körper entspannte sich und er hörte auf zu atmen. Nach einigen Minuten, in denen ich ihn verzweifelt an starre halte ich es nicht mehr aus, seinen schlaffen, toten Körper auf meinem Schoß liegen zu haben. Ich kann schon immer nicht mit dem Tod um gehen, aber das war bisher meine schlimmste Erfahrung mein jüngstes Familienmitglied zu verlieren.
Verzweifelt schreie ich ihn an und schlage mit der Faust auf seinen Brustkorb, in der Hoffnung er würde so wieder anfangen zu atmen. Aber vergeblich.

"Nein!! ADEN, BITTEE!! NEEEIIIN!!!"

Ich weine und weine. Ich kann garnicht mehr aufhören zu weinen.
Kraftlos lasse ich mich auf den Boden sinken. Mir tut alles weh und ich habe meine Zuhause verloren und zu allem Überfluss habe ich meine geliebten Bruder nun verloren. Mit Tränen in den Augen starre ich in den nun dunklen mit Regenwolken verhangenen Himmel hinauf.

Nach ein paar Minuten höre ich Explosionen und Geschreie. Hektisch setzte ich mich unter Schmerzen auf. Was war das. Ich schaue mich um und sehe ein Haus in Flammen. Immer mehr Häuser gehen in Flammen auf. Und immer öfters höre ich Explosionen. Ich habe fürchterliche Angst und weiß nicht was ich machen soll. Ich schaue auf meine Bruder hinab. Ich muss hier weg. Ein paar Schritte von mir entfernt wächst eine Blume. Ich laufe schnell hin und zupfe sie ab. Der Wind weht in meine Richtung und der Rauch von dem Feuer bläst mir einen Geruch aus verrottetem und verbranntem Fleisch entgegen. Die Blume lege ich zu meinem Bruder und gebe ihm eine Kuss. Auf Wiedersehen, Aden. Um nicht wieder zusammen zu brechen, eile ich los Richtung Norden...

Schön das ihr bis hier hin gelesen hab. Dies ist also mein erstes Kapitel von Heaven Fall. Ich würde mich über Rückmeldung freuen.

Nightsoul- ❤

~Heaven Fall~Where stories live. Discover now