Flower storm

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Es war mir mal wieder zu ruhig. In diesem riesigen Haus war sogar die Stille hallend. Sie beunruhigte mich.
Es war ja auch beunruhigend. Zumindest waren die Zustände beunruhigend, die dafür sorgten wieso das Haus so ruhig war.
Das Haus wäre belebter, wenn Jan hier wäre und ich würde mich besser fühlen.
Klar, versteh ich, dass er bei Iris sein will.
Mom und Dad waren nie hier, also kann es nicht daran liegen.
Es liegt wahrscheinlich daran, dass ich so ein Theater mach deswegen.

Ich hielt es nicht mehr aus und riss mich von meinen Gedanken. Ich sah aus dem Fenster in den Garten hinaus.
Blumen tanzten durch die Lüfte in die weite Ferne.
Von den Rosenstöcken, die Dad für Mom angepflanzt hat, breitete sich ein aromatischer Duft aus. So wie von den restlichen Blumenbeten. Ich liebte diese Blumen. Narzissen, Petunien, Veilchen, Krokus und Tulpen wuchsen dort. Ich würde mich auch gern um den Garten und sein Geschenk kümmern, doch Mom wollte unbedingt einen Gärtner beauftragen. Mr.Strill hieß er und war nicht mehr der Jüngste. Ein zotteliger, alter Mann, der trotz dem Verlust seiner Frau, Kinder und Geld immer noch so viel Schönes im Leben sieht.
Jan hat auch immer so einen ausgeprägten Optimismus. Immer wenn ich dachte, es geht nicht schlimmer, war er es der mir versuchte klar zu machen, dass es gar nicht so schlimm ist. Ich brauchte ihn jetzt.
Jetzt sollte er mir sagen, dass es nicht so schlimm ist. Dass er da wäre für mich. Und nur für mich.

Doch es ist nicht so. Er ist bei Iris. Seiner Freundin, die er ja so sehr liebt. Er ist da für sie. Da er sie ja nie alleine lassen würde.
Und nur für sie. Weil es keine Andere gibt.

Ich kann mir denken, dass das alles seine Versprechen für sie sind. Das hat er bisher zu allen gesagt. Nein, noch nie zu mir. Und meine Güte, wie ich diesen Ruf als beste Freundin hasste.
Er wollte es nie einsehen, dass ich nach zwölf- jähriger Freundschaft auch etwas anderes empfinden kann. Und so ist es nun mal.
Ich kann nichts daran ändern.

Mir war mal wieder zu heulen zumute. Scheiß Liebe, scheiß Jan, Scheiß Iris!
Ich wischte mir über die Augen und stand auf. Um auf andere Gedanken zu kommen, lief ich durchs Haus zu meinem Zimmer. Am besten ist ich ginge einmal hinaus. Dazu holte ich meine Decke, ein Buch, Stifte und meinen Skizzenblock. Es wird wahrscheinlich Mr.Strill draußen sein. Ich benötigte Gesellschaft. Und Strill ist eine gute Gesellschaft. Er redet angenehm und ruhig, sogar manchmal auch mit Blumen und wenn er dann diesen sanften Blick hat, will ich ihn am liebsten umarmen und den ganzen Mist mit Jan und Iris, meinen Eltern und meinen Kummer raus lassen. Obwohl... er weiß einiges über meine Probleme. Nicht alles, aber er könnte sich den Rest dazu gereimt haben.

Ich lief wieder durchs ganze Haus in die Küche, wo ich noch zwei Gläser Limonade holte. Vielleicht wollte Strill auch etwas. Auf den Weg durch den Garten kam ich mir jedes Mal vor wie in einem Dschungel. Lianen, verwucherter Efeu, Schlängelpflanzen, tausende aber abertausende Rosen, Primel, Tulpen, Narzissen, Wildgewächs, und Vanille Blüten. Dann gab es noch die Weinstöcke, Apfelbäume, Aprikosen und Kirschbäume, Beerenfelder, Kräutergewächs und den Gemüsegarten. Und für all das war Strill zuständig. Deswegen hat er auch Besuch und eine Erfrischung verdient. Das einzige Problem in so einem riesen Garten ist, dass man sich nie findet. Ich suchte ihn bei den Weinstöcken als erstes und hatte Glück. Er war gerade dabei die Trauben zu ernten und summte dabei ungestört vor sich hin. Ich setzte mich zu dem Mosaiktisch und stellte die Limonade ab. Es war so still. Außer Strill's Summen und das Rascheln der Weinstöcke war nichts zu hören." Ach, Cecily! Was eine Ehre dich mal wieder begrüßen zu dürfen." Er lächelte leicht und zwinkerte."Auch schön dich zu sehen, Strill."Er war manchmal komisch, wenn er so gut gelaunt war und sich so ausdrückt, als käme er gerade aus längst vergangenen Zeiten. Doch ohne ihn wäre dieses Grundstück leer. Ich bin nur ein Gespenst. Ich brauch nicht viel. Es würde genauso gut gehen, wenn ich jeden Tag in die Bücherei gesperrt werden würde mit einen Krug Wasser und einen Laib Brot. So würde es gehen. Zwar würde ich irgendwann wegen Einsamkeit krepieren, doch das würde nicht weite Trauer haben. Strill würde vielleicht seine frohe Art verlieren, Mom hätte einen Grund nach Hause zu kommen und Dad würde sich endlich überwinden mit Mom zu reden. Tja nur würde ich die letzten zwei Dinge noch erleben, deswegen lass ich das Krepieren lieber. Der Einzige den das auch noch jucken würde und vielleicht einen Stein mit meinen Namen besuchen würde wäre Jan. Daran zweiflete ich aber auch.
"Wie sieht es aus? Hilfst du mir oder versuchst du mal wieder dieses Geschenk Gottes ins Bild zu bekommen?" Ich sah ihn kurz an und ließ meinen Blick über den Garten schweben. Alles sprießte und roch so gut. Mein Blick viel auf die Schaukel in drei Meter Entfernung. Sie schaukelte leicht nach vorne und zurück. Es herrschte ja keine Windstille, aber so kräftig ging er auch nicht. Es musste Quinn sein, Strill's grau brauner Kater. "Du sag mal, Strill.. ist Quinn hier?"
"Ach, a... Der Gute saß dort oben auf der Schaukel. Er hat vorher etwas gehört und stürmte los. Kam mir so vor als hätte er...." Er sah kurz verlegen weg. Als hätte er Jan gesehen. "T'schuldigung, aber ich seh mal nach ihm. Ich hab ihn seit Wochen nicht mehr gesehen."
"Ja, ich auch nicht. Davor meine ich. Bitte, seh mal nach ihn. Er sollte mal gefüttert werden. Hatte wenig an den Rippen, der Pengel!"
Ich konnte dafür nur ein mattes Lächeln aufbringen. Ich ging zur Schaukel und erkannte vom Baum oben wohin er ging. Von der Schaukel sprang er in die linke Hecke, dort hang ein riesen Büschel graue Haare vor einem Loch. Er benötigte wirklich Futter. Was mach ich jetzt nur? Durch das Loch? Am besten wäre es. Recht groß war es nicht, aber er benötigte wirklich Futter. Also ging ich auf die Knie und kroch gebückt durch das Loch. Auf der anderen Seite kam ich auf dem Getreidefeld raus. Dieser Moment hatte viel Ähnlichkeit mit Früher als ich und
Jan noch Verstecken gespielt haben. Jeder Weg war recht um das perfekte Versteck zu finden.

little menoriesWhere stories live. Discover now