<< 1 >> die Ernte

321 5 4
                                        

Pov Glimmer

Warme Sonnenstrahlen kitzelten auf meinem Gesicht. Gähnend schlug ich die Augen auf und streckte mich erst einmal. Mein Blick fiel auf den Spiegel, der rechts von mir an der pastellfarbenen Wand angebracht war. Meine vom schlafen verstruppelten, blonden Haare hingen mir größtenteils noch ins Gesicht.

Doch ich hatte keine Zeit mehr, mich weiter zu betrachten, da meine Mutter ohne auch nur zu klopfen in mein Zimmer kam. " Glimmer, ich hoffe du hast nicht vergessen, dass heute der Tag der Ernte ist? Hast du dir überhaupt schon ein Kleid ausgesucht? Meine Güte ist das schon wieder Stressig. ", redete sie ohne Luft zu holen auf mich ein. Doch sie hatte Recht. Heute fand die Ernte statt! Das hatte ich komplett vergessen. Wie konnte ich nur das wichtigste Ereignis meines Lebens vergessen? Heute würde ich mich freiwillig melden, um an den Hungerspielen teilzunehmen. Sechs Jahre lang hatte ich nur auf diesen Moment gewartet! Endlich konnte ich meine Fähigkeiten unter Beweis stellen. Und ganz Panem würde mich anhimmeln. Mich! Glimmer Sparks!

" Ja, Mutter. Ich ziehe mein weißes Kleid an. ", antwortete ich schnell.
" Gute Wahl, mein Schatz. " Nachdem meine Mutter das Zimmer verlassen hatte, holte ich mir wie versprochen das Kleid aus meinem Schrank auf der anderen Seite des Zimmers. Im Gegensatz zu den Freundinnen aus meinem Distrikt besaß ich nur einen kleinen Kleiderschrank,doch verglichen mit denen aus allen anderen Distrikten konnte ich mich doch sehr glücklich schätzen.
Wie dem auch sei. Rasch schlüpfte ich in das Outfit, dem ich noch ein paar weiße Schuhe hinzugefügt hatte, und schritt langsam die hölzerne Treppe ins Erdgeschoss herunter. In der Küche warteten schon meine Eltern und schienen über irgendwas zu diskutieren. Doch als ich den Raum betrat unterbrachen sie abrupt ihr Gespräch und sahen mich an. " Was?", fragte ich ein bisschen genervt. " Ach wir haben nur über eine Kleinigkeit gesprochen. Nichts wichtiges. ", antwortete mein Vater sofort. Na klar. Nichts wichtiges. Ich rollte mit den Augen und wandte mich dem Frühstück zu, das so wie bestellt und nicht abgeholt auf dem weißen Küchentisch stand.

Irgendwie würde ich dieses Haus vermissen. Schon alleine unsere Küche. Sie sah zwar mit ihren weißen Theken und Schränken recht nobel aus, war aber doch auf irgendeine Art und Weise herzlich und einladend. Von meinem Essen bekam ich heute nur ein Stück Brot herunter. Ich war einfach zu aufgeregt! Aber so durfte ich auf keinen Fall wirken!
" Glimmer, in einer halben Stunde müssen wir auf dem Marktplatz sein! Du willst doch nicht zu spät kommen, oder? ", meinte meine Mutter. " Ich bin doch schon fertig. ", erwiderte ich. " Das sehe ich nicht so. Sieh dir doch mal deine Haare an!" Och maan, die hatte ich komplett vergessen! Nachdem ich mich entschlossen hatte meine Haare heute ausnahmsweise mal offen zu lassen, kämmte ich sie nur kurz durch und musterte mich anschließend noch ein letztes mal prüfend im Spiegel. Meine blauen Augen funkelten. Das hatte ich wohl von meiner Mutter geerbt. Nur die blonden Haare mussten von meinem Vater kommen, da meine Mutter lockige, schwarze Haare hatte.

Mehr war da auch nicht zu sagen, bevor ich aus dem Badezimmer zum Marktplatz gezogen wurde. Natürlich von meiner Mutter. Was solche Sachen anging, war sie nicht sonderlich zimperlich.

Die meisten Leute aus Distrikt eins hatten sich bereits auf dem großen Platz vor unserem pompösen Rathaus versammelt. Der Bürgermeister und drei andere wichtige Personen unseres Distrikts saßen auf goldenen Stühlen am Rande der Bühne, auf der auch schon das Mikrofon und die Lostrommeln standen. Äußerlich lässig schlenderte ich zu den anderen Mädchen meines Alters. Doch innerlich war ich schon etwas nervös. " Na wen haben wir denn da? Die kleine Glitzer! ", vernahm ich eine Stimme hinter mir. " Zum letzten Mal, ich heiße Glimmer! G-l-i-m-m-e-r! ", schnauzte ich Diamond an. Sie nervte mich einfach so unglaublich! Das hatte sie schon seit meinem ersten Tag an der Akademie getan. Sie war nämlich in meiner Gruppe. Immernoch. Doch zum Glück ja nicht mehr lange. In ein paar Minuten schon würde ich sie und alle meine Probleme hinter mir lassen.

" Wenn ich um Aufmerksamkeit bitten dürfte? ", schallte es über den Platz, allmählich kehrte tatsächlich Ruhe ein und alle Augenpaare waren auf die Bühne gerichtet. Genauer gesagt auf Blair, unsere Betreuerin aus dem Kapitol. Heute trug sie ein perfekt auf ihr feuerrotes Haar abgestimmtes Kleid mit nicht all zu vielen 'Extras' , für die das Kapitol berühmt war. Doch dafür hatte sie vielleicht etwas mit dem Make-up übertrieben. Das war schon langsam echt nicht mehr schön an zusehen.
" Als erstes habe ich euch ein kleines Filmchen aus dem Kapitol mitgebracht. " Wie immer, ergänzte ich in Gedanken. Der Einspieler erzählte darüber, wie die Hungerspiele entstanden waren. Weil es aber eh immer das gleiche war, hörte ich nur ein kleines bisschen zu. Erst als Blair sich wieder zu Wort meldete, hatte sie wieder meine volle Aufmerksamkeit. " Jetzt kommen wir zum besten Teil. Ich werde nun das Los eines glücklichen Gewinners ziehen. Wie immer: Ladys first. " Sie Schritt mit ihren hochhackigen Schuhen auf die erste Lostrommel zu.
Es kam mir wie eine kleine Ewigkeit vor, bis sie sich für einen Zettel entschieden hatte. Dann kam sie mit einem breiten Lächeln zurück auf die Mitte der Bühne.

Extra langsam öffnete sie ihn und ich atmete noch einmal tief ein und aus. Gleich war mein Moment gekommen! " Anastasia Belroj ", ertönte der Name eines 13 jährigen Mädchens. Sichtlich geschockt stand sie da. Super! Jetzt würde ich auch noch als Retterin dastehen. Besser könnte es gar nicht laufen. " Ich melde mich freiwillig als Tribut.", rief ich so laut, dass sogar Blair vorne auf der Bühne es verstanden hatte. Immernoch lächelnd winkte sie mich zu sich herauf. Selbstbewusst und mit einem aufgesetzten Lächeln steuerte ich auf die Treppenstufen zu.

" Wie heißt du? ", fragte sie mich, als ich meinen Platz neben ihr eingenommen hatte. " Glimmer Sparks. ", antwortete ich wahrheitsgemäß. " Nun gut. Der weibliche Tribut aus Distrikt eins, Glimmer Sparks! ", verkündete sie durch das Mikrofon. " Und nun zu den Jungs. " Ich bemühte mich um eine selbstsichere Körperhaltung. Das war gar nicht so einfach, da ich das Gefühl hatte, meine Knie würden bald nachgeben. Doch ich verdrängte dieses Gefühl und lächelte in die Kameras, die unsere Ernte im Kapitol ausstrahlten. Wir waren sozusagen live. Völlig in Gedanken hatte ich gar nicht bemerkt, wie sich unsere Betreuerin schon für ein Los entschieden hatte. Sie wollte gerade den Namen verkünden, ich hatte ihn lesen können: Shadow Lewis , als sie schon von einer mir all zu bekannten Stimme unterbrochen wurde. " Ich melde mich freiwillig!" empört, aber dennoch fröhlich wie immer zugleich ( Wie schaffte sie das nur ?), bat sie die Person, der diese Stimme zu gehören schien, auf die Bühne.

Mein Herz machte einen kleinen Satz, als die Menge mir die Sicht auf den Tribut freigab. Es war Marvel! Wusste ich doch, dass mir die Stimme bekannt vorkam. Marvel war schon seit ich denken kann mein bester Freund. Aber wie konnte er mir das antun? Ich konnte doch nicht mit ihm zusammen in die Spiele ziehen! Mit einem wütenden Blick empfing ich ihn neben mir. Auch er wurde nach seinem Namen gefragt und dann stand es fest: " Glimmer und Marvel werden bei den 74. Hungerspielen Distrikt eins vertreten. ", redete Blair fröhlich drauf los. " Nun gebt euch die Hand. ", forderte sie uns auf. Gequält fröhlich folgte ich ihrer Anweisung. Na toll! Ich hätte mir jeden anderen Jungen aus unserem Distrikt als Partner für die Hungerspiele gewünscht. Nur Marvel nicht! Er versaute mir doch das alles nur! Na dann: fröhliche Hungerspiele.

 Cato und Glimmer - just in love Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt