Prolog - Gefangen Im Traum -

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|Eevi| Hastig riss ich den Blick herum. Links. Rechts. Keuchend kam ich zum Stehen, stützte mich völlig aus der Puste auf meine Knie und brachte einen erstickten Laut über die Lippen. Gleich darauf setzte mein Atem aus, als ich das Geräusch vernahm, welches sich in meinen Kopf schon eingebrannt hatte, wie mein eigener, rasender Puls. Qualvoll. Grausam. Mit Worten nicht zu beschreiben. Panisch setzten sich meine Beine wieder wie von selbst in Bewegung. Geäst schlug mir ins Gesicht. Der beinahe sumpfige Untergrund unter meinen Füßen, brachte mich immer wieder fast zum Fall, doch die unbändige Angst hielt mich irgendwie auf meinen wackeligen Beinen. Das Geräusch gewann an Lautstärke und unwillkürlich presste ich, flach atmend die Augen zusammen. Scheiße! Er wird mich kriegen! ER WIRD MICH KRIEGEN! Mein Herz schlug mir bis zum Hals. In meinem Hirn pochte das Echo des einen Tons wieder, der mein Leben von der einen auf die andere Sekunde verändert hatte und meine Ohren rauschten so unglaublich, dass mein Kreislauf der Überforderung nahe war. All meine Sinne waren zum zerreißen gespannt und das explosive Adrenalin in meinem Körper brachte das Fass beinahe zum Überlaufen. Ich wurde das grausame Gefühl nicht los, mich trotz der Rennerei einfach nicht vom Fleck zu bewegen und fühlte mich wie die hilflose Maus unter den bedrohlichen Augen eines, über mir kreisenden Adlers. Die furchtbare Angst zog sich erbarmungslos um mein Herz zusammen, zerdrückte es bald und schaffte es schließlich doch, mir den Boden unter den Füßen wegzureißen. Alles um mich herum wurde schwarz, noch schwärzer als die Abgründe dieses Ortes ohnehin schon waren. Ein letzter Schrei, der vermutlich sogar meiner eigenen Kehle entschlüpft war, preschte durch die tiefe Dunkelheit und hallte so beträchtlich, dass er sich anhörte, als würde er einer ganzen Menschenmasse angehören. Unwillkürlich schrack ich hoch und riss die Augen auf. Mein Atem ging stoßweise. Mein Blick huschte durch das, in gedämmtes Straßenlaternenlicht getauchte, kühle Krankenzimmer. Ein Traum. Nur ein Traum. Ein Alptraum.⬇Fast reflexartig zog ich meine Knie an und wollte meine Arme um sie legen, um meinen zitternden Körper embryoartig zusammen zu rollen, wie ich es als kleines Kind immer in den Armen meiner Mutter getan hatte, doch augenblicklich wurden meine Handgelenke wieder zurückgerissen. Immer noch unter bebender Brust, wand ich den Kopf erst zu meiner Rechten, dann zu meiner Linken. Beim Anblick der Leinen-Manchetten um meine dürren Knöchel wurde mein Atem zunächst tatsächlich flacher. 'Stimmt ja...du bist ja nur ne Irre!', lachte eine Stimme irgendwo zwischen meinen Hirnwänden. Ich schüttelte verärgert über mich selbst, dass Alpträume wie dieser mich immer noch so unter ihrer Kontrolle hatten, mich ergreifen konnten, mir schlaflose Nächte bereiten konnten, mich irre machen konnten, den Kopf und ließ diesen erschöpft nach vorne auf meine Brust fallen. 'Tja...du bist halt nicht nur irre, sondern auch schwach, hilflos und allein...vor allem natürlich allein!', hauchte die Stimme mir beinahe genussvoll über den Inhalt ihrer Worte ins Ohr und ich zuckte zusammen. "Lass mich in Ruhe!", zischte ich sie an und schloss wieder die Augen, auch wenn ich wusste, dass ich für heute keinen Schlaf mehr finden würde. 'Alleine...Eevi ist alleine...', raunte das Stimmchen unerschöpflich weiter. "Halt die Klappe!", wurde ich etwas lauter und ballte meine Hände zu Fäusten, obwohl ich doch schon längst wusste, wie ünersättlich Diskussionen wie diese, waren... 'Du hast NIEMANDEN...weil du SCHWACH bist und HILFLOS!' Das Gesäusel brachte mich um das letzte bisschen Verstand. "ICH HAB GESAGT: HALT. DIE. KLAPPE!", schrie ich los und schlug, so weit es die Arm-Manchetten zuließen, um mich. Augenblicklich wurde die Tür zu meinem Zimmer aufgerissen und zwei Schwestern stürmten herein. Alles ging schnell, wie immer. Die beruhigenden Stimmen der Schwestern drangen nicht zu mir durch - wie immer. Meine Schreie wurden irgendwann rau und verstummten letztlich ganz - wie immer. Und die Mittelchen wirkten und taten ihren Zweck, sodass ich schon bald wieder in ein weiteres traumreiches Delirium abdriftete - wie immer. Träume, die leider keine Träume waren...wie immer...

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