Smaugs Sicht

343 15 0
                                        

Die Seemenschen sollten meine Rache spüren, also brach ich auf und ließ meinen Berg voll mit Schätzen, darunter auch den Arkenstein, zurück.
Ach, der Arkenstein...auch für mich hatte er eine besondere Bedeutung,  denn er verkörperte den glorreichen Sieg über Thorin und sein Sippschaft.
Deswegen behielt ich ihn auch immer in einer meiner Flügelfalten aufbewahrt.

Aber jetzt musste ich mich konzentrieren, um diese noch ahnungslosen Menschen auszurotten.
Da lag die Seestadt...ein reges Treiben verursachte Lärm, der an meine überempfindlichen Ohren drang.

'Bald werden sie so laut schreien, dass der Fassreiter es auch hört!', dieser Gedanke erfüllte mich mit einer gewissen Befriedigung.
Tief holte ich Luft und spürte das Feuer schon in meiner Kehle brennen.
Beim Ausatmen entstand eine gewaltige Flamme, die ich so verteilte, dass ein Feuerstreifen einmal quer diese verdammte Stadt durchtrennte.
Die Hitze wärmte angenehm meinen Bauch, als ich auf einem der Dächer landete.

Dieses war jedoch so instabil, dass es gleich unter mir zusammenbrach. Das ärgerte mich: Diese Fasssammler waren noch nicht einmal fähig ihre Häuser so zu bauen, dass sie einen stattlichen Drachen wie mich tragen konnten. 

Obwohl ich ja da war, um Verwüstung anzurichten (da gehörten zertrampelte und zerstöre Gebäude gewiss dazu), fand ich das einfach unangemessen.
Ein weiterer Grund sie leiden zu lassen!
Wieder wurde Luft mit einem zischenden Geräusch in meine Lunge gesogen, ein paar Sekunden später explodierte alles vor mir in einem lodernden Funkenregen.

Großartig! So sollte ich weitermachen!

Da nun alles in meinem Umfeld zerstört war, breitete ich meine Flügel wieder aus, um mir ein neues Ziel zu suchen.
Ein klackender Laut ertönte plötzlich und ich spürte Druck an einer meiner Schuppen, doch ich machte mir keine Gedanken:
So schnell duchdrang nichts diese natürliche Rüstung. Seelenruhig setzte ich meinen Zerstörungsflug fort.
Das Kreischen der Menschen klang wie Musik in meinen Ohren, das Schluchzen der Kinder ließ mich frohlocken.

'Warum bloß habe ich das nicht früher gemacht?', fragte ich mich, während ich eine Familie, bestehend aus 3 Kindern, die sich gegenseitig trösteten, einer Mutter, in deren Haut auf den Händen tiefe Furchen eingegraben waren (wahrscheinlich eine Wäscherin-wie erbärmlich) und einem Vater, der einen alten zahnlosen Mann stützte, verbrannte.
Nun war von ihnen nichts mehr außer ein paar Knochen und Asche übrig.

Doch meine Freude wurde gedämpft, da ich immer wieder dieses Klacken an meinem Schuppenkleid spürte...wie nervig!
Als ich mich umsah erblickte ich einen Bogenschützen, der ganz ohne jeglichen Schutz auf einem Turm stand. Gerade half er einem  Jungen, wahrscheinlich seinem  Sohn auf die Plattform.

' Grüßt Gott von mir!', dachte ich boshaft, nachdem ich den Aussichtsposten zur Seite gestoßen hatte. Ärgerlicherweise stand dieser immer noch, und diese Menschen waren auch wohlbehalten!
Als ich den schwarzen Pfeil entdeckte, den der Jüngere in der Hand hielt, regte sich ein uralter Hass in mir.
Während ich mich schleichend näherte, bastelte der Ältere ein improvisiertes Schießgerät, das unter anderem seinen Sohn beinhaltete.
Das wurde langsam gefährlich, deswegen musste ich schnell überlegen.
Dann kam mir die rettende Idee: Ich stieß Rauch aus meinen Nasenlöchern aus, dieser wurde vom Wind, den meine flatternden Schwingen verursachten, zu dem Jungen getragen, und brachte ihn in genau dem Moment zum husten, in dem der andere den Pfeil abschoß. Bingo! Doch das Triumphgefühl währte nur kurz:

Statt duch mein Herz bohrte sich der spitze Gegenstand in mein Bein.
Fauchend erhob ich mich in die Lüfte. Schwer verletzt und in meinem Stolz gekränkt, beschloss ich, die warmen Höhlen im Norden aufzusuchen.

Das waren Hohlräume mit heißen Quellen, die sich meistens unter Vulkanen befanden.
Dort konnte ich in aller Ruhe genesen, und mir derweilen eine Rache ersinnen...

Doch als ich nach einer beschwerlichen Reise endlich angekommen war, fiel mir etwas auf, das mein Herz bluten liest und ich schrie meinen Zorn in die Welt hinaus: "Wo ist er? Wo ist mein Arkenstein?" Ich musste das Königsjuwel irgendwo verloren haben...verloren für immer...?

-überarbeitet-

Ein Unerwartetes EndeWhere stories live. Discover now