An meine Kindheit habe ich nur bruchstückhafte Erinnerungen.
Ich weiß, dass meine Eltern sich getrennt haben, als ich vier Jahre alt war. Mein Vater war starker Alkoholiker. Jedes zweite Wochenende war Besuchswochenende. Das hieß, dass meine ältere Schwester und ich über das Wochenende bei ihm waren. Meine Mutter hatte uns damals oft Unwahrheiten über unseren Vater erzählt oder hat uns Dinge verschwiegen. Aber das fand ich selbst erst vor kurzem heraus, aber dazu in einem späteren Teil. Das tat sie natürlich, damit sie in einem besseren Licht dastand.
Als ich acht Jahre alt war, hatte ich mit meinem Vater ein Erlebnis, welches für mich sehr einschneidend und prägend war. Wir waren an einem Sonntag eines Besuchswochenendes auf einem Wasserspielplatz. Mein Vater, meine Schwester und ich. Da es sehr warm war, bekam ich Atemprobleme. Als Erklärung: Damals war bei mir schon Asthma diagnostiziert worden.
Die Atemprobleme wurden zu einem Asthmaanfall. Weder das Spray, noch Cortisontabletten noch der Inhalator daheim half. Als wir bei ihm daheim waren, flehte meine Schwester ihn an mit mir ins Krankenhaus zu fahren. Er hatte es nicht getan (weitere Erklärungen, der Grund warum, folgt in einem späteren Teil, da ich diesen ebenfalls erst vor kurzem erfuhr). Er fuhr mich und meine Schwester, wie jeden Sonntag, wieder zu meiner Mutter. Da diese aber noch nicht daheim war, ließ er uns bei einer Nachbarin. Ich weiß nur noch, dass ich schon panisch war, weil ich keine Luft bekam. Mein Vater musste mich vom Bus aus HuckePack tragen, weil ich nicht mehr in der Lage war allein zu laufen. Unsere Nachbarin ließ mich nochmals das Asthmaspray nehmen, was wieder nicht half. Dann fuhr sie mit mir uns meiner Schwester ins Krankenhaus. Auf dem Weg dorthin wurde ich im Auto bewusstlos, aufgrund des entstandenen Sauerstoffmangels. An die Anfangszeit danach kann ich mich eigentlich gar nicht mehr erinnern. Ich kann also nur auf Erzählungen bauen. Die Ärzte haben wohl gesagt, das es keine Minute später hätte sein dürfen, denn dann könnte ich diese Zeilen jetzt nicht mehr schreiben. Es war auch nicht klar, ob ich die erste Nacht überstehen würde.
Ich lag ca. eine Woche auf der Intensivstation. An die Zeit habe ich nur eine kleine Erinnerung, unzwar, das ich kurz wach wurde (sonst war ich so benebelt von den Medikamenten, das ich eigentlich weggetreten war), meine Mutter ansah und lachte, weil ich sie doppelt gesehen habe. Ich bekam so viele Medikamente, dass meine Ruhepuls bei 198 lag. Daran, wie ich auf die normale Station verlegt wurde, kann ich mich ebenfalls nicht mehr erinnern. Nach dem Krankenhausaufenthalt war ich noch weitere vier Wochen krankgeschrieben. Trotz allem, musste ich das Schuljahr Gott sei Dank nicht wiederholen. Meine Mutter hatte panische Angst, dass mir so etwas nochmal passieren würde...aber da war sie nicht die Einzige...ich ebenfalls. Ich ging ohne meine Mutter fast nirgendwo mehr hin. Seit diesem Zeitpunkt habe ich meinen Vater nicht mehr intensiv gesprochen.
Meine Mutter hat mich seitdem sehr überbehütet erzogen...zumindest bis ich elf Jahre alt war. Sie hatte meinen Stiefvater kennengelernt, wurde schwanger von ihm und heiratete ihn. Damals wollten meine Schwester und ich nicht anders heißen, als der Rest der Familie, weshalb es zu einer Namensänderung kam. Dafür brauchten wie jedoch die Einverständniserklärung unseres Vaters. Da dieser die Einverständniserklärung nicht erteilen wollte, mussten wir zu einer Anhörung beim Amtsgericht. Wir saßen mit der Dame von Amtsgericht da und es wurden einige Fragen gestellt. Warum wir den Namen unseres Stiefvaters tragen wollten. Warum wir nicht weiterhin heißen wollten, wie unser leiblicher Vater usw. Als sie zum Schluss des Gesprächs meinen Vater fragte, was er denn dazu sagen würde, sagte dieser nur:"Was soll ich denn noch sagen? Ich kann es doch eh nicht mehr ändern." Damals stellte meine Mutter diese Aussage so hin, als wenn er sich nicht für uns interessieren würde. Heute, wo ich eigenständig über diese Situation nachdenken kann, war es meiner Meinung nach reine Resignation.
Die Geschichte von mir als Borderlinerin beginnt ungefähr, als ich im Alter von 13 Jahren war. Ich hatte damals über den Knuddels-Chat meinen heutigen "großen Bruder" (Nein, ist er nicht wirklich, aber ich empfinde für ihn, wie für einen großen Bruder) kennen. Er wohnte in Hanau(Nähe Frankfurt am Main) und war 21 Jahre alt. Also acht Jahre älter, als ich. Zur damaligen Zeit hatte ich sozusagen durch meinen kleinen Bruder den Status als "kleine Prinzessin" oder auch "Nesthäkchen" verloren. Aber entgegen der Behauptung meiner Mutter, war ich nicht eifersüchtig auf ihn. Ich fand es nur nicht richtig, das er alles bekam, was er wollte. Sie verzog ihn damit, das kann man selbst als 13-jährige schon erkennen.
Jedenfalls verliebte ich mich damals in den acht Jahre Älteren. Er wurde mein Kummerkasten, mein Tagebuch, welches antwortete. Durch ihn habe ich dann auch irgendwann die ersten sexuellen Erfahrungen mit mir selbst gemacht ;)
Er war damals auch in mich verliebt, weil ich kopfmäßig oft weiter war, als Andere in meinem Alter. Jedoch hatten wir (zumindest) zu diesem Zeitpunkt keine Liebesbeziehung miteinander, denn es wäre schlichtweg verboten gewesen.
Irgendwann zu dieser Zeit hat sich in mir eine Anspannung entwickelt, ein Druck, den ich nicht mehr ausgehalten habe. Diesen löste ich dann, indem ich das erste Mal ritzte. Zum Glück tat ich es damals mit einer Sicherheitsnadel, mit der man ja bekanntlich nicht besonders tief kommt. Meine Mutter bzw. meine ganze Familie wusste es anfangs nicht. Ich trug immer Schweißbänder, damit es niemand sah. Fataler weise führte ich damals ein Tagebuch. Schließlich war er Einzige, mit dem ich wirklich reden konnte mein "großer Bruder".
Dann kam der Tag, an dem meine Mutter rausfand, dass ich ritzte. Wodurch? Sie las mein Tagebuch. Sie rechtfertigt es auch heute noch damit, das sie ja irgendwie erfahren musste, was in mir vorging und ich ja nicht bereit war zu reden. Für mich jedoch war das der endgültige Vertrauensbruch. Sie versuchte damals mich zu einer Jugendberatungsstelle zu schicken, aber ich wehrte mich vehement dagegen. Ich fühlte mich damals einfach nur von allen allein gelassen, ungeliebt, unverstanden und einsam. Niemand verstand, warum ich sauer auf meine Mutter war, die auf einmal nur noch meinen Bruder im Sinn hatte. Niemand verstand, das es keine Eifersucht war....ist es bis heute nicht...ich wusste nur immer, das es kein gutes Ende nehmen würde, wenn sie ihm weiterhin alles in den Hintern stecken würde.
Mit 14 Jahren habe ich mit dem Ritzen aufgehört...ganz von allein...
Der Kontakt zu meinem "großen Bruder" gestaltete sich etwas schwierig. Meine damalige beste Freundin kannte ihn nämlich ebenfalls und war, genauso wie ich verliebt in ihn. Jedoch wusste sie auch, das er mich liebte und war eifersüchtig. Also erzählte sie meiner Mutter, das er mit Drogen handeln würde und Kinderpornos besäße. Meine Mutter glaubte es natürlich, ohne mit mir oder ihm gesprochen zu haben und verbot mir den Kontakt zu ihm. Somit war der einzige Mensch, mit dem ich zu diesem Zeitpunkt immer reden konnte, auch nicht mehr da.
Als ich 15 Jahre alt war, lernte ich dann meinen ersten richtigen, festen Freund kennen. Alles Andere vorher waren nur kleine Schwärmereien. Er war drei Jahre älter als ich und wohnte in der Nähe von Bielefeld. Damals gestaltete sich schon das Verhältnis zu meiner Mutter immer schlechter. Sie bezeichnete mich als "schwarzes Schaf der Familie" oder als "Problemkind". Außerdem schrien wir uns eigentlich nur noch an. Also war ich teilweise öfter bei meinem damaligen Freund, als zuhause. Die erste Zeit war alles so wundervoll mit ihm. Wir hatten so viel Spaß, haben so viel Blödsinn zusammen gemacht, so viel gelacht. Mit ihm hatte ich auch mein erstes Mal, welches an sich auch schön war. Jedoch bereue ich es heute trotzdem, dass es mit ihm war. Warum, erzähle ich euch: Nach 10 Monaten wunderschöner Beziehung waren seine Eltern im Urlaub...das hieß wir waren allein bei ihm. Da mussten wir natürlich nutzen und schliefen oft miteinander...im ganzen Haus verteilt. Irgendwann kam ich auf die Idee, das er mich ja ans Bett fesseln könnte. Gesagt, getan. Ich fands anfangs auch noch reizend. Bis ich ihm sagte, das ich erschöpft war und kaum noch Puste hatte und eine Pause bräuchte und er nicht auf mich hörte. Ich sagte ihm mehrmals, er solle aufhören....doch er machte weiter....Ich weinte, ich schrie, ich flehte...aber all das half nicht...es schien ihn sogar noch mehr anzuheizen....
Als er mich nach zwei Stunden endlich losgebunden hatte, war auf dem Bett bereits ein großer Blutfleck und ich konnte kaum noch laufen. Ich weinte, zog mich an und verschwand wortlos. Ich bin ohne zu zögern heimgefahren. Diese Geschichte kennt nichtmal meine Mutter...warum auch? Sie würde sie eh nicht glauben....
Ich habe ihn jedenfalls niemals angezeigt, weil ich erfahren hatte, dass er zwei Wochen später einen Autounfall hatte und seitdem querschnittsgelähmt ist.
Aus diesem Erlebnis entwickelte sich noch eine Leidenschaft, die ich aber erst Jahre später entdecken würde.
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My black History - Vom Dunkel ins Licht
Non-FictionIch teile hier mit euch meine Lebensgeschichte. Von den schlimmsten Ereignissen, über zu Diagnose: Borderlinerin, Magersüchtige und Sozialphobikerin, meinen "Heilungsweg" bis zum heutigen Tag, wo ich in der Lage bin ein geregeltes und normales Leben...
