Gerichtstermin

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London.

Wegen eines verschobenen Termins wurde ich von meinem Sekretär um halb 6 aus dem Bett geklinget. Langsam sollte ich mir wirklich angewöhnen mein Handy auf Stumm zu schalten, zumindest, wenn ich schlafe.

Müde und mit einem Café Latte bewaffnet, machte ich mich auf den Weg in mein Büro. So cool es auch ist ein Peanthousebüro zu haben, für mich unsportliches Wesen ist es eine Qual. Normalerweise fährt mein persönlicher Lift bis hinauf vor meine Bürotür, aber da heute sowieso alles schief geht, hat sich mein Lift gedacht, er wird jetzt so just for fun defekt.

Mit immer noch beschissener Laune, hatte ich die gefühlten acht Milliarden Stufen endlich erklommen. Gott sei dank, hang in meinem Foyer ein Spiegel, sonst hätte ich wie eine Hexe ausgesehen. Schnell richtete ich meine roten Haare und tuschte meine Wimpern nach. Dadurch fingen meine blauen Augen an zu leuchten. Alles in allem sehe ich aus wie ein irischer Kobold. Hach, so ein kleiner irischer Kobold aus dem Lande Tir Na Nog zu sein hätte schon etwas. Leia konzentriere dich bitte, du hast gleich einen wichtigen Termin.
"Na endlich. Sie warten schon auf dich."
"Kian, wenn diese verdammte Band schon ihren Termin verschieben muss, dann müssen sie damit rechnen, dass ich ein wenig zu spät komme. Außerdem sind es nur fünf Minuten. So und jetzt sei ein braver Sekretär und tu so als würdest du arbeiten."
"Die Laune bringt ja Freude auf. Sei wenigstens zu ihnen etwas netter. Zum Glück weis ich, wie ich dich aufheitern kann. Das neue Mythologiebuch von J.K. McConnory liegt schon am Schreibtisch."
"Danke." Kian nimmt mir noch den Latte ab und richtet meine Haare noch einmal neue. Echt der Typ hätte Stylist werden sollen. So und jetzt auf ins Gefächt.

Zum dritten Mal öffne ich die Akte One Direction und zum dritten Mal wegen Drogenmissbrauch. Mit 14 war ich Directioner, aber sie haben genau in dem Jahr aufgehört als ich so zu sagen angefangen habe. Sie sind erst vor drei Jahren wieder zurück gekommen und haben vorher so richtig tolle Solokarrieren gehabt. Fast besser als in der Band. Nach 14 Jahren bin ich kein Directioner mehr, muss aber zugeben sie sind immer noch heiß. Auch wenn sie neun Jahre älter sind.
"So meine Herren. Zum dritten und hoffentlich letzten Mal erkläre ich ihnen, wie alles ablaufen wird und wie wir sie wieder aus der ganzen Sache herraus bekommen. Sie werden am Gerichtstag, so wie immer, einfach nichts sagen, nur Fakten und ich regle den Rest. Klar soweit?"
"Klar ist ja nicht das erste Mal. Gehen Sie jetzt mit mir Essen?"
"Mister Styles. Zum dritten und hoffentlich wirklich letzten Mal, nein. Werden sie erwachsen. Mit 36 sollte man nicht mehr ziellos herum flirten. Meinet wegen mit 22 aber nicht mit 36. Außerdem sind Sie mir zu alt." Nach meiner kleinen Rede sieht Mister Styles sehr pikiert aus. Der Rest verkneifft sich ein Grinsen. Leider gelingt das nur Mister Payne. Die Anderen, naja, sie geben sich Mühe.
"Gerichtstermin ist am 19. April um 12:00 Uhr. Seien sie alle bitte pünktlich. Noch einmal stehe ich nicht ohne Mandanten im Saal."

Schließlich ist unser Sitzung beendet und wir stehen noch im Flur und unterhalten uns über Gott und die Welt. Plötzlich dringen laute Stimmen aus dem Foyer zu uns.

"Einen Moment bitte meine Herren." Schnellen schrittes eile ich auf die Tür zu. Die Stimmen werden immer lauter, offenbar streitet sich mein Sekräter mit jemandem. Schwungvoll stoße ich die Tür auf und erstarre. Bitte nicht.

"Was willst du hier, Theo? Ich habe dir vor drei Jahren gesagt, dass du dich nie wieder blicken lassen sollst."

"Charmant wie eh und je. Ich bin nicht wegen dir hier. Ich bin der Verteidiger der Herrschaften hier." Er deutet hinter mich auf die Jungs.

"Ihr habt noch einen Verteidiger? Und das wollten Sie mir wann sagen? Am Gerichtstag oder wie? Mit ihm arbeite ich nicht zusammen. Entweder er oder ich. Das ist mein letztes Wort." Ich wollte hinaus stürmen, aber Theo hielt mich zurück.

"Mach keine Szene. Verdammt, es ist nur ein Fall. Danach siehst du mich nicht wieder. Versprochen, oder soll ich es schwören?"

"Auf deine scheiß Versprechen kann ich verzichten. Ich mache außerdem keine Szene. Geh mir aus den Augen."

"Wie oft soll ich mich noch für die Scheiße entschuldigen. Ja, es war ein Fehler, aber es war nur gut gemein. Du weist das und außerdem......" Klatsch. Die Ohrfeige hatte gesessen. Kian zieht hinter mir scharf die Luft ein. Schnell führt er die Band in einen Nebenraum.

"Scheiße? Das nennst du Scheiße. Über die Affäre mit Jenny hätte ich hinwegsehen können. Aber das du es wagst mir euer Kind vor die Nase zusetzen und dann mit deiner nächsten Tussi zu verschwinden, dass war zu viel."

"Ich habe Dir hundert mal erklärt, dass ich nicht mit irgendeiner Tussi abgehauen bin, sondern meiner Schwester in einer sehr schwierigen Phase helfen musste. Und dass mit der Kleinen war..."

"Ich will es nicht wissen. Deine Schwester starb mit 3 Jahren. Also erzähl den Blödsinn jemand anderen. Weißt du, dass ich mittlerweile für dein Kind das Sorgerecht erhalten habe ? Da beide Elternteile verschwunden sind und sich einen Dreck um das Kind scherren, welches sie in die Welt gesetzt haben! Geh und sag ihnen du bist nicht mehr deren Verteidiger, oder tu es nicht und ich bin nicht mehr deren Anwältin. Aber mit dir möchte ich nichts mehr zu tun haben." Zum Ende hin wird meine Stimme immer lauter, bis sie zum Schluss einfach bricht.

"Ich geh. Bleib deren Anwältin. Mich siehst du nie wieder."

Er macht am Absatz kehrt und geht. Für ihn ist es leicht, aber für mich bricht schon wieder eine Welt zusammen.

Between The Worlds And LinesWhere stories live. Discover now