Könnte ich noch andere Luft schmecken als die des Gefängnisses?
Das ist die große Frage oder vielmehr,sie wäre es,wenn ich noch Aussicht
auf Entlassung hätte.
Aus: Das Urteil von Franz Kafka
Es fühlte sich dämmrig,und drückend an ,als wäre man für sich alleine in Einsamkeit gefangen,und draußen,weit weg pulsierte das,wenn Leben - der Rest der Welt.
Ich lief den endlos scheinenden Gang entlang,am Ende sah ich ein dumpfes und fahles Licht,in welchem sich schmale Umrisse zu bewegen schienen.Ich blieb abrupt stehen,alles schien sich in mir zu sträuben auch nur noch einen einzigen Schritt weiterzugehen.
Am Tag zu vor:
Lautes Gelächter und Klirren von Geschirr.
Ich stand in der Mitte des Raumes und begutachtete meine Familie und Freunde,die sich in rasender Geschwindigkeit um mich zu drehen schienen,ich sah ihre lachenden und verzerrten Grimassen um mich her tanzen,meine Gedanken drehten sich im Kreis,was wäre gewesen wenn ich den Umschlag einfach nicht geöffnet,den Test nicht bestanden,oder schlicht und einfach an dem Tag nicht zuhause gewesen wäre?
Dann hätte ein anderer die Ehre!
Als ich mich wieder etwas gefangen und eingesehen hatte,dass ich unter keinen Umständen auch nur einen Hauch von Chance hatte,meinem Auftrag zu entrinnen,verschwanden nach und nach die verzerrten Gesichter meiner Lieben.
Ich nahm mir ein Glas Rotwein,setzte mich neben meine Mutter,die gerade zur Ruhe gekommen war,nachdem sie den ganzen Tag in der Küche gestanden und Essen wie am Laufband produziert hatte.
Sie sah mir in die Augen,ein Gefühl der Sicherheit und Wärme dehnte sich in mir aus,wie in alten Kinderzeiten,wenn ich in ihren Armen lag.
Ein Gefühl von Enthusiasmus ergriff mich und ich lachte und sprach,als wäre das hier gegebene Abschiedsfest ein gemütliches Zusammensein.
Als sich alle verabschiedet hatten,wurde ich wie ein kleiner Schuljunge ins Bett geschickt,denn laut meinem Vater sei ja morgen mein großer Tag.
Der Stolz,der in diesem Satz mitschwang,hallte noch lange in meinem Kopf.
Ich erinnerte mich noch ganz genau an den Tag,an dem der Umschlag eintraf.
Die Freude und der Stolz im Gesicht meines Vaters waren nicht zu übersehen;
er erzählte allen die frohe Botschaft,und so war auch gleich das mir gewidmete Abschiedsfest in der folgenden Woche organisiert,mein letzter Tag auf dieser Gott verdammten Welt.
Ich lag noch lange wach,hörte dem Regen zu,der eine Melodie auf dem Dach unseres Hauses zu spielen schien.
Ich überlegte mir,ob der Himmel meinetwegen weinte oder ob er von dem nahenden Unglück wusste und es ihn überforderte.
Ich wollte und konnte nicht schlafen,die ganze Nacht.Ich hörte nicht auf,den Blick von meiner über mir bedrohlich schwebenden Decke zu wenden.
Aufstehen,meiner Mutter zuliebe Frühstück runter würgen,von meinem Vater einen bewundernden Schlag auf die Schulter, als guten Morgen-Gruß,Zähneputzen,als wäre es ein ganz normaler Morgen.Ins Auto steigen,fahren,aussteigen,sich anmelden,umziehen,laufen.
*
Und jetzt stand ich hier,musste der Realität ins Auge sehen,so zuversichtlich wie möglich..
Uns wurde gesagt,es würde sicher sein,es könne nichts passieren,unser Fachwissen sei gefragt,nur deshalb müssten wir da rauf,es könne ja nichts passieren.
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Jetzt sind wir zusammen eingeschlossen
Nouvelles„Jetzt sind wir zusammen eingeschlossen!" sagte die junge Frau. Ihre Stimme war ganz leise gewesen, doch wir hatten es alle gehört. Waren wir alle Wahnsinnig, so etwas zu machen?
