Das Erste

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Dieses Kapitel widme ich meiner Schwester Flygellos . Werde schnell wieder gesund!

Das Wetter war schlecht, der Himmel war grau und es regnete. Vielleicht weinte er, genauso wie ich es tat, oder die Menschen, die ihn geliebt hatten.

Denn, ja, sie weinten alle, und ich wusste, dass es ihm gefallen hätte.

Er hätte sich gewünscht, dass sie es endlich bemerkten, die Menschen, die ihn geliebt hatten.

Der Himmel war wolkenbehangen, genau wie an dem Tag, als wir uns kennen lernten.

Und jetzt stand ich hier, zwischen all den schwarzen Menschen, nur bekleidet mit einem weißen Nachthemd und Krankenhausschuhen.

Ich war nass und hätte ich etwas anderes gespürt als ihn, dann hätte ich bestimmt gefroren.

Der Pfarrer redete in monotonen Sätzen. Ich verstand ihn nicht.

Sie warfen Erde auf den Sarg, auf den schwarzen Kasten in dem er liegen sollte. Aber er lag da nicht drinnen, das wusste ich. Es war nur sein Körper, denn auch wenn wir nicht an Himmel und Hölle geglaubt hatten, er war nicht mehr da.

Nicht in unseren Herzen, nicht als Geist neben mir, nicht in diesem Sarg.

Wieso weinten sie? Hatten sie ihn gekannt? Nicht so wie ich. Niemand hatte ihn gekannt.

Wieso war ich hier? Vielleicht um den Schmerz zu überspielen, um die Enttäuschung zu spüren, dass ich ihn nicht mal hier finden würde. Denn er war weg.

Die Tabletten die sie mir gegeben hatten, waren stark und ich fühlte mich selbst wie ein ruheloser Geist, in mir selbst gefangen und ohne die Fähigkeit, mit den Lebenden Kontakt aufzunehmen.

Wie war ich nochmal hierher gekommen? Ich wusste es nicht. Aber mein Arzt, er wusste, das ich nicht hier sein sollte und ich sah sein Gesicht, in jedem der Menge. Sie hatten den gleichen Ausdruck wie seines, teilnahmslos und egal. Er war ihnen egal.

Nur das blonde Mädchen, ganz vorne an dem Loch, in dem sie ihn für immer verschwinden lassen wollten, ihre trauer war echt. Ich glaube es war seine Schwester. Sie trug ein ganz kurzes schwarzes Kleid und lief barfuss.

Sie sah schön aus und sofort musste ich an ihn denken. Er hatte es mir ins Ohr geflüstert, aber es war laut genug gewesen. Obwohl wir beide viel zu dünn waren, hatte er es gesagt.

Du bist wunderschön.

Und ich habe ihm geglaubt. Denn er hat mich nie angelogen.

Nur an diesem Abend hatte er es getan, als wir eng aneinander geschmiegt auf seinem Bett lagen, als wir jeden unserer Knochen aneinander drückten und ich seine Krankenakte sah, als ich diesen einen Satz sah.

Nein, hatte er gesagt. ich bin nicht manisch depressiv. Aber sie denken das und sie sind dumm. Das weißt du doch, kleine Elsa. Sie haben studiert und dürfen weiße Doktorkittel tragen, aber sie haben doch keine Ahnung.

Und ich habe ihm geglaubt.

Aber jetzt war er tot und das Gewissen nagte an mir weil ich ihm geglaubt hatte. Aber ich hatte es gewusst, gewusst, dass das was wir hatten nicht halten konnte, weil die anderen ihn krank gemacht hatten, ohne es zu merken.

Vielleicht war es das einzige, was er hatte tun können. Die einzige Möglichkeit, dem allem hier zu entfliehen.

Wieso hatte er mich nicht mitgenommen? Er hatte mir versprochen auf mich aufzupassen, mich zu beschützen. Vielleicht wollte er mich vor sich schützen, aber das hatte er nicht gemusst, denn er war mein einziger Anker in dieser trostlosen Welt.

Obwohl seine Arme und Beine fast noch dünner als meine waren, hatte er mich festgehalten, und verhindert, das ich weggespült wurde, von dem Verlangen nichts mehr zu essen.

Er hatte mich hier allein gelassen, ohne Schutz vor dem stechendem Schmerz, mit dem Wissen, das es jetzt keine Hoffnung mehr für mich gab.

So blieben seine letzten Worte, dass einzige, an das ich mich noch klammern konnte.

Du schaffst das. Du bist stark und ich bin nur ein schwerer Koffer voller Depressionen den du schon lange genug mit dir herum schleppst. Geh weg von hier. Geh zu all diesen Orten, zu denen du wolltest. Geh und lebe endlich.

Tränen brannten schon wieder in meinen Augen, aber ich wischte sie nicht weg. Er war jede Träne wert und ich erinnerte mich an den Moment, als wir beide lachend und weinend auf dem Dach standen, er ganz vorne an der Kante. Als er sich umdrehte und mich ein letztes mal küsste, mir ein letztes mal die Haare aus dem Gesicht strich und meine Tränen trocknete.

Versprich mir das du leben wirst, Elsa.

Und dann sprang er, und etwas heißes, brennendes explodierte in meiner Brust.

Denn ich hatte geglaubt, ich war so naiv gewesen, dass er gesund werden würde nur weil sie ihn zwangen zu essen, genau wie mich.

Aber mir ging es besser als ihm, und ich hatte das nicht bemerkt.

In seiner Gegenwart viel es mir leicht etwas zu mir zunehmen. Manchmal hatte er mich gefüttert und mir war garnicht aufgefallen, das er heimlich einen Teil von seinem Essen dazu getan hatte. Ich wünschte es wäre mir aufgefallen. Ich wünschte mir wäre aufgefallen, das er immer dünner und ich immer fröhlicher wurde.

Aber ich hatte mich in die Illusion fallen lassen, dass wir uns ergänzten und heilen würden.

Und jetzt war er tot und die Ärzte sagten, ich hätte einen Rückfall, so als ob ich schon geheilt gewesen wäre.

Aber nichts zu essen, das war jetzt das einzige, was ich noch kontrollieren konnte, das einzige worüber ich noch Macht hatte. Denn er hatte mich gehalten, hatte mir Sicherheit gegeben und dafür gesorgt, dass ich dachte, alles wäre in Ordnung.

Bis er vom Krankenhausdach sprang, zehn Stockwerke tief fiel und auf den steinernen Boden krachte, dort unnatürlich verdreht liegen blieb, während ich oben an der Kante saß, lautlos weinte und nichts lieber getan hätte, als ihm zu folgen.

Aber ich hatte es ihm versprochen, versprochen zu leben.

Und genau das würde ich tun.

Für ihn.

Ich fragte mich, an was er gedacht hatte, als er sprang. Vielleicht an seine Schwester. An das Essen, das wir beide nie hatten genießen können. Ich wünschte mir so sehr, er hätte an mich gedacht, aber nun konnte er es mir nicht mehr erzählen.

Er war meine erste Liebe, mein erster Kuss, mein erstes Mal, mein erstes ich liebe dich gewesen.

Ich war nicht seine erste Liebe, sein erster Kuss, sein erstes Mal oder sein erstes ich liebe dich gewesen.

Aber bei uns war es echt, denn er war für mich gestorben.

Und vielleicht war ich die erste, die ihn wirklich gekannt hatte.

Joa. Das war das erste Kapitel. Wer so etwas nicht mag, soll es nicht lesen :) nicht alle wollen einem fünfzehnjährigen Teenager zuhören der denkt er wäre in irgendeiner Weise begabt tiefgründige Texte zu schreiben^^

Totes HuhnOpowiadania do pokochania. Odkryj je teraz