Wenn er mich küsst!

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Es hat solange gedauert und nun ist es endlich soweit. Nach all dem Drama, dass ich ertragen musste, sind wir endlich zusammen. Er sieht mir mit seinen Haselnuss braunen Augen direkt in die Augen, steht so dicht an mir, dass ich seinen Atem, seine starken Hände an meiner Hüfte spüre, die mich immer näher an ihn ran ziehen. Ich bin glücklich, lächle und lege meinen Arm um seinen Hals. Ich will ihn sehen, riechen und schmecken. Er beugt sich langsam vor und küsst mich sanft und zärtlich. Ich schließe meine Augen. Ich bin überwältigt von all dem. Es ist so als wäre die Welt stehen geblieben. Er sieht atemberaubend aus, riecht einzigartig und schmeckt himmlisch nach Erdbeeren. Ich liebe es wie er mich küsst, umarmt und meine Strähne zart hinter mein Ohr streicht. Ich liebe ihn. Ich werde nie vergessen was Mikita für mich getan hat, als ich meine Großtante besucht habe in seinem Heimatland der Ukraine, als sie starb und ich mich von der Welt abgekapselt habe und er mich wieder aufgebaut hat, aber vor allem werde ich nie vergessen, dass er mir gezeigt hat wie schön und toll das Leben sein kann. Doch genauso wird er nie vergessen, wie viel Freude und Spaß ich ihm vorletzten Sommer geschenkt habe, nach dem er seine Freundin verlassen hat, wie nett ich immer gewesen bin und dass meine Familie ihn und seine Familie hier in Berlin aufgenommen haben, nach dem sie aus der Ukraine wegen des Krieges flüchten mussten. Am Anfang ist es für ihn schwer gewesen, nur weil Mikita kein gebürtiger Deutscher gewesen ist, hatte er viele Feinde. Er ist oft auf dem Schulhof in Schlägereien geraten und immer ist er der Schuldige gewesen. Deshalb habe ich ihn verteidigt und mich so unbeliebt gemacht. Ich verstehe bis heute noch nicht, warum die Flüchtlinge immer Schuld sind? Natürlich gibt es schlechte Menschen, aber die gibt es überall auf der Welt verteilt und dazu gehören auch die Menschen die sie verurteilen und schlagen, ohne sie richtig zu kennen oder zu wissen was sie durch gemacht haben. Mikita hat nichts falsch gemacht. Er und andere Flüchtlinge haben es es nicht verdient, so behandelt zu werden, nach dem sie alles in ihren Ländern hinter sich lassen mussten, nur um am Leben zu bleiben. Mir wird klar das manche Menschen unserer Gesellschaft, undankbare und seelenlose Gestalten sind und ich kein Teil so einer Gesellschaft sein will. Mikita ist nicht verantwortlich für das Auftreten anderer und ihre Taten. Die meisten sind so wie wir, bloß haben sie nicht das Glück, ihr Leben in ihrer Heimat so weiter zuführen, wie wir es tun können. Das weiß ich, denn seit dem wir seine Familie aufgenommen haben, teilen wir uns den selben Alltag. Von Tag zu Tag wird mir immer klarer, was für einen wunderbaren Mensch ich liebe. Mein Herz rast, bei alldem denken habe ich total vergessen, dass wir uns immer noch küssen. Seine weichen Lippen liegen immer noch fest auf meinen und seine warmen Hände auf meiner Hüfte. Der zärtliche Kuss endet und ich öffne meine Augen. Das erste was ich sehe sind seine Haselnuss braunen Augen, sein strahlendes Lächeln und seine braunen wuscheligen Haare. Jetzt merke ich erst das er einen festen und unersetzbaren Platz in meinem Herzen eingenommen hat. „Ich kann nicht ohne dich Leben!", flüstere ich in sein Ohr, während dessen ich geborgen in seinen Armen liege. „Ich liebte, liebe und werde dich bis in die Ewigkeit lieben Mikita!", sage ich befreiend und er lässt mich los. Ich gebe ihm zum Abschied einen Kuss auf die Wange, stehe auf und drehe mich um und gehe. Doch bevor ich ganz verschwunden bin höre ich ihn mir hinter her schreien: „Ich weiß Larissa, ich dich auch."

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