P R O L O G

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Wenn man bedenkt, dass ich ein glückliches kleines Mädchen war, mit Geschwistern und Eltern, ein großes Haus und viel Geld, dem jeder Wunsch erfüllt wird...dann erscheint meine jetztige Situation wirklich wie eine Lüge. Eine riesige Lüge. Doch ich muss leider sagen, dass sie das nicht ist.
Jedes verdammtes Detail ist echt. Jedes Wort, dass er sagt.

Aber erstmal zu meiner Situation.
Ich lag auf dem Boden. In meinem schönen Kleid. Doch nicht ich hatte es angezogen, sondern er hatte es mir befohlen. Er war nicht von Grund auf schlecht...er war mein Vater. Das Kleid was ich trug, war das meiner Mutter. Er wollte, dass sie aus seinem "glücklichen" Leben verschwindet. Und somit dann wohl auch ich. Denn ich ähnelte ihr in fast allem. Das einzige, dass jetzt durch meinen herzallerliebsten Vater anders war, war ich, was eigentlich ein Widerspruch  in sich ist. Mein gebrochener Wille und meine Erscheinung. Die ganzen Prellungen, Blutergüsse und Schnitte. So ist meine Mum niemals gewesen. Und das ist das, was mein Vater, damals als es angefangen hatte, erreichen wollte.
Jetzt hatte er es und war immer noch nicht zufrieden.
Aber zurück zum Anfang. Ich lag an der Wand, in einem mir nicht bekannten Raum unseres Hauses, durch den er mich eben noch geschmissen hatte. Aus unzähligen Wunden von neuen Schnitten, ach ja, einem Glasschrank, und noch weiterem floss mein dickes rotes Blut. Auf dem ganzen weißen Mamorboden verteilte es sich langsam und ich beobachtete es fasziniert. Diesmal würde er mich nicht in die Knie zwingen.
Auch wenn er mit seinem bescheuerten Messer tausendmal zustechen würde. Diesmal würde ich stark bleiben und es ertragen.
Das war zumindest meine Absicht, denn als er vor mir stand, war ich mir nicht mehr so sicher.
Nur für dich Mum! Nur für dich werde ich durchhalten. Nur für dich meine allerliebste Mutter.
Und dann werde ich ihn zu dir befördern...
Es war ein stilles Versprechen und ich wusste nicht ob ich es halten konnte.
Langsam schloss ich die Augen und ließ mein ganzes Leben an mir vorbeiziehen. Mum, die Zwillinge, meinen Dad, Lilian und die schlimmen Moment, in denen ich immer mehr zerbrochen war.
Das Warten auf die Klinge in meinem Körper wurde immer schlimmer, sodass ich die Augen einen Spalt öffnete. In diesem Moment geschah es.
Sie durchschnitt meinen Bauch und dann ließ er sie los. In meinem Bauch steckte ein Messer.
Er spuckte mir einmal ins Gesicht und ging. Er ließ mich in Schutt zurück. Sterbend.
Als ich die Kraft fand, und die Klinge aus meinem Körper befreite, hatte ich das Gefühl, alle Schwere würde von mir abfallen.
Schwerelos fühlte ich mich. Ja. So fühlte ich mich. Leicht und an nichts gebunden.
Doch der zurück kommende Schmerz holte mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.
Gleich würde es aus sein, doch ich hatte gelebt.

ScherbenkindWhere stories live. Discover now