Am Busbahnhof in New York.

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Zwanzig Minuten schon.
Zwanzig Minuten
Genervt gehe ich erneut einen Schritt zurück, sehe auf die Uhr, die über mir hängt, und rolle die Augen. Zuerst sehe ich nach rechts, dann nach links. Aus welcher Richtung er kommt, hätte ich eigentlich wissen müssen. Stefanie hat es mir vor einer halben Stunde erklärt.

Durch meine Anspannung und Vorfreude auf Zuhause habe ich es total vergessen.
Mir ging ein Gedanke durch den Kopf.
Was wenn ich meinen Bus gar nicht bemerkt hab?

Ich meine, dieser Busbahnhof ist nicht der kleinste in New York. Busse fahren hier wie Flugzeuge am Flughafen.

Viele Autos fahren schneller als sie dürfen, was die Luft noch windiger macht, als sie eh schon ist. Ich knöpfe meinen dicken Mantel noch ein Stück weiter zu und zittere. Ich hätte mir doch den Schal ummachen sollen, den Stefanie mir angeboten hat. Das es so frisch wird, hätte ich vor ein paar Stunden ja schlecht wissen können.

Von oben kommt ein leichtes Grollen, und ich kann mir denken, was gleich kommt. Ich lege den Kopf in den Nacken und spüre den Regen, der langsam auf mich zukommt. Ich schließe die Augen. Es ist beruhigend.
,,Endschuldigung!"

Ich öffne verwirrt die Augen, und sehe in die Richtung, aus der die kratzige Stimme kommt.
,,Können Sie mir sagen, ob der Bus, der um 16:59 Uhr kommen sollte, schon da war?"
Ich sehe die alte Dame an, dessen Äußeres komplett gar nicht zu ihrer Stimme passt.
Ich sehe auf meine Uhr.
17:19 Uhr.

,,Er war noch nicht da, antworte ich, ich warte auch."
Sie lächelt mich an.
,,Vielen Dank, junges Fräulein!"
Ich hebe verwundert die rechte Augenbraue. Junges Fräulein, ist auch mal was anderes.

Die alte Frau bewegt sich langsam in meine entgegengesetzte Richtung, und wartet, wie ich auch.
Sie holt einen schwarzen Regenschirm aus ihrer Handtasche und öffnet ihn.
Mein Mantel hat keine Kapuze, so muss ich den Regen nun über mich ergehen lassen.
Ich überlege, nicht das sich meine Eltern Sorgen machen, denn so langsam fange ich damit an.

Anstatt aufzuhören, regnet es immer mehr.
Und mehr.
Meine Haare hängen trostlos nach unten, und kleben sich an meinen Nacken fest.
Wann würde ich zuhause ankommen?
Wenn das hier noch so weiter geht, gegen halb acht.
Oder noch später?
Ich Strecke mich, und ein Gähnen rutscht mir raus.
,,Na endlich!" Höre ich die alte Frau rufen, und andere Leute am Steig atmen auf.
Ich ebenfalls.

Ich sehe den großen, dunkelblauen Bus näher kommen. Schließlich hält er vor uns.
Zuerst steigen ein paar Leute aus, darunter viele in meinem Alter, doch auch einige Anzugträger mit ihren Koffern.
Die ältere Frau von vorhin schluckt, während sie die steil in den Eingang verlaufenden Stufen sieht. Da niemand hilft, sage ich ihr, sie solle nach meiner Hand greifen.
Dankbar lächelnd lässt sie sich hochziehen.

Ich gehe vorbei an dem Busfahrer. Jung ist er nicht mehr. Trägt eine Brille, mit dicken Gläsern. Über seinen Lippen ziert sich ein gelber Flaum von einem Bart. Er blickt nur zornig geradeaus.
Woran er wohl gerade denken mag? Ob er unzufrieden mit seinem Job ist oder seine Frau zuhause auf ihn wartet, die ihn nur rumzukommandieren scheint?

Ich schlängele durch die enge Reihe in der Mitte, und sehe mich nach einem freien Sitzplatz um. Viele Leute schlafen, und ich wollte mich aus irgendeinem Grund nicht dazu setzen.
Ich gehe weiter.
Hinten rechts ist noch ein freier Platz, in den ich mich erschöpft hineinfallen lasse.

Vor mir sitzt eine junge Frau, vielleicht dreiundzwanzig, die aufgeregt telefoniert und oft ins Telefon lacht. An ihrer hohen Stimme kann man erahnen, dass sie vermutlich mit ihrem Geliebten spricht.
Ich öffne meinen Rucksack, und krame meine Kopfhörer raus. Dabei fallen eine Menge Bonbonpapiere mit raus, die sich in meinen Kopfhörern verfangen haben. Ich sehe nach rechts, ob es der nicht unattraktive Mann auf der anderen Seite des Ganges mitbekommen hat, doch er schläft. Ich kichere in mich hinein.
Sonst interessiert es mich auch nicht sonderlich, was andere von mir denken.

Gähnend stöpsele ich die Kopfhörer in meine Ohren, und versinke in Gedanken.

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