Nächtliche Begegnung

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„Am Freitag um die selbe Uhrzeit, Miss Wolgh. Ich freue mich schon."

Das letzte, was sie hörte, bevor Danielle die alte Steintür zu Professor Umbridges Büro schloss, war eines ihrer entzückt klingenden Lachen, die wie schnelle Messerhiebe in den Ohren nachhallten.
Sie konnte kaum fassen, was sie die letzten Stunden durchstehen musste. Zuerst war sie etwas überrascht über Umbridges Strafe. Sie sollte mit einer Feder, wohlgemerkt einer IHRER Federn, immer wieder denselben Satz auf ein Pergamentstück schreiben.

„Ich muss Respekt zeigen"

Jedoch gab man ihr keine Tinte, auch nach Danielles Bitte nicht. Vor ihr erschien das Bild der zufrieden dreinschauenden Professorin, die ihren Kopf leicht nach Links kippte und mit ihrer piepsigen Stimme sagte: „Oh, Sie werden keine Tinte brauchen, mein Liebes."

Danielle war verwirrt gewesen, doch sie fing an auf dem leeren Blatt ohne Tinte zu schreiben.

„Ich muss Respekt zeigen"

Kaum hatte sie das erste Wort vollendet, spürte sie ein schmerzendes Ziehen in ihrer linken Hand. Ein Blick darauf verriet, weshalb sie keine Tinte benötigte. Die auf dem Pergament geschriebenen Worte ritzten sich in ihre Hand. Auf dem Blatt sah sie nun die selben Wörter in ihrer Schrift in roter Farbe erscheinen. Es dauerte einen Augenblick bis sie begriff, dass das ihr eigenes Blut war, mit dem sie gerade geschrieben hatte.

Geschockt sah Danielle zu ihrer Professorin in Verteidigung gegen die Dunklen Künste, die still auf sie blickte und zufrieden grinste. Still forderte sie sie auf, weiterzuschreiben.
Sich selbst zu foltern.

Danielle wusste nicht wirklich, wie lange sie die Wörter in ihre Hand ritzte. Es mussten mehrere Stunden gewesen sein. Mittlerweile war es auch fast ganz dunkel im großen Schloss. Nur einzelne Fackeln an den Wänden erleuchteten ihr den Weg in den Gryffindorgemeinschaftsraum.

Sie hatte sich so lange selbst gefoltert, bis ihre blutverschmierte Hand geschwollen und taub war. Erst dann entließ sie Umbridge.

Scheinbar wie in Trance zwang sie sich die zahlreichen Treppen hinauf. Danielle sank immer wieder zusammen, da ihre zittrigen Knie nachgaben. Jetzt konnte sie Schwäche zeigen. Es war niemand mehr hier. Alle Schüler waren in ihren Gemeinschaftsräumen oder schon im Bett. Ob sie wussten, dass die neue Professorin Folter anwendete? Zu gern würde sie wissen, ob das Ministerium, welches Umbridge schließlich nach Hogwarts geschickt hatte, davon wusste.
Danielle selbst hatte keine Ahnung von den Erziehungsmaßnahmen der Großinquisitorin gehabt.

Doch auch, wenn sie sich so unvorbereitet wie noch nie gefühlt hatte, setzte sie ihre steinerne Maske auf und ließ keine Gefühle nach außen treten, egal wie sehr sie auch in ihr tobten.

Wut, Peinigung, Angst. Doch der Schmerz war das Schlimmste gewesen. Es fühlte sich an, als würde man mit Nadeln auf ihre Hand einstechen. Immer und immer wieder. Doch auch, wenn es fast unmöglich war: Danielle hielt ihre Tränen zurück. Sie wollte Umbridge nicht die Genugtuung geben, erreicht zu haben, was sie schließlich wollte. Eine gebrochene Schülerin.

Oh nein, so dumm war Danielle nicht. Wenn es sein musste, würde sie lieber jeden Tag diesen Satz 1000 mal schreiben, als klein bei zu geben und dieser schrecklichen Person das  zu geben, was sie wollte.
Wohl oder übel blieb ihr auch nichts anderes übrig. Schon in zwei Tagen war ihr nächsten Treffen im Büro der Professorin.

Bei dem Gedanken daran stöhnte sie leise auf. Erst da bemerkte sie, dass sie am Fuße einer der vielen verzauberten Treppen saß und am schwungvoll verzierten Geländer lehnte. Sie musste sich aufrappeln und in den Gryffindorturm gelangen, bevor sie noch erwischt wurde und noch eine Strafe aufgehalst bekommt.

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