Ich lasse meine Finger über den Boden gleiten. Die Straße ist kalt, aber die Kälte macht mir nichts aus. Ich mag sie um genau zu sein. Wenn ich den Boden berühre läuft mir ein bedrücktender, erschreckender zugleich wunderschöner Schauer durch meinen Körper. Als würde ich für eine Millisekunde unendlich viel Energie bekommen. Erst jetzt fühle ich die Gänsehaut auf meinen Armen. Ich fand schon immer das Gänsehaut aussieht, als würden viele kleine Nadeln aus meiner Haut drohen herauszuplatzen. Sie sieht fasst schon witzig aus.
Ich lache leise vor mich hin.
Als ich meinen Arm weiter begutachte, sehe ich mein kleines Silberarmband nicht. Ich suche es am linken Arm dort auch nicht. Ich fahre hoch und realisiere erst jetzt, das ich die ganze Zeit wie eine geistesgestörte auf dem Boden lag.
Es fühlt sich an als würde ich aus einem irren Traum aufgewacht sein. Ich suche mit meinen Händen den fast ganz erdunkelten Boden ab um mein Armband zu finden. Doch da ist nichts. Kein Boden, kein Armband. Um genau zu sein den Boden fühle ich nicht. Ich schaue mit weiter um und stehe auf. Ich suche verzweifelt nach meinem Handy um die Taschenlampe zu benutzen. Ich weiß aus irgendeinem Grund das ich vergeblich suchen werde.
Ich drehe mich zum zweiten Mal zur Seite, aber noch nicht um. Da glitzert doch was. Ich bin mir sicher es muss meine Armband sein. Ich laufe zum glitzern. Es kommt aus einem kleinen Graben und ich fische es heraus.
Das Wasser ist kalt. Merkwürdig, das ich nichts spüre bis auf Kälte und Wasser... Ich fühle das Gras nichtmal an meinen nackten Füßen.
Bestimmt, weil meine Hände und Füße gefühlt am erfrieren sind.
Ich öffne wieder meine Hand um das glitzern zu sehen. Ich halte das silberne Ding an meine Augen. Es ist es. Ein Seufzer der Erleichterung entfährt mir. Ich streiche es mit meinen zitternden Fingern sauber. Die Innenschrift Ellie 2008 ist noch zu sehen. Gut, das ich es wiederhabe meine kleine Schwester hätte mich sonst umgebracht.
