Ein neuer Schüler

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    Als er in die Klasse kam verstummten alle Gespräche. Er bewegte sich langsam, war nicht wie der Rest. Alle Jungen aus der Klasse kamen so in ein Zimmer, dass jeder sie bemerkte. Jeder sollte sehen, wie toll sie sind, was sie jetzt wieder Großes getan haben, wen sie gestern Abend wieder flachgelegt haben. Der Neue setzte sich stumm an den Platz und ließ unser Leben weitergehen, ohne sich auch nur zu uns zu drehen. Meine Freundinnen redeten anfangs ununterbrochen mit ihm, dann von ihm und schließlich lästernd über ihn.
So war das bei Neuen. Sie waren nur so lange interessant, bis etwas Besseres passierte.
Und das war es. Beverley aus 9e war schwanger. Der Neue vergessen.
Nur ich starrte immer wieder in seine Richtung. Er war hübsch, keine Frage. Aber er war wie der perfekte Schauspieler. Jeden Tag anders. Immer trug er einen anderen Charakter wie ein Makeup. Er schaute sich immer in der Klasse um, als suche er einen Freund, aber nie sprach er einen von ihnen an.
Er war ein Schatten und die beliebten wollten ihren Status nicht für ihn abgeben.
Auch ich gehörte dazu. Ich war beliebt. Er war monatelang ein Tabu für mich gewesen. Bis jetzt.

,,Also Liv", fing die kichernde Brenna an: ,,Ich wette". Wieder diese nervige Kaugummischmatzpause:,,Du traust dich nicht, Adam anzusprechen und seine Nummer zu angeln" Es war der Samstagabend und Flaschendrehen war unsere Lieblingsbeschäftigung an solchen Tagen. Ich schaute Brenna verständnislos an. In etwa wie jemand, der fragt :,,Ist das dein Ernst?" Jane machte in etwa das Gleiche und sprach es aus. Mein Blick entsprach aber nicht dem, was ich fühlte. Adam war ganz süß, also warum nicht. Die Pflicht war der perfekte Vorwand, endlich mit dem Neuen zu sprechen. Natürlich nahm ich nicht sofort an und druckste etwas rum, aber meine Meinung war schon besiegelt. Am Montag würde ich Adam am Spind abfangen und ansprechen. Nicht, dass ich eine Schlampe wäre-das ist eigentlich nicht mein Stil- aber es war nicht die erste Pflicht, in der ich etwas in der Art machen sollte. Letzten Sommer war das Ganze etwas ausgeartet und seitdem hatte ich Stress mit dem beliebtesten Schüler aus der Klasse. Jase war ein Ziel der Pflicht 'Küsse xy 15 Sekunden lang auf den Mund' . Gesagt, getan. Da haben wir den Salat! Er denkt, ich meinte es ernst und erzählt seinen Freunden regelmäßig heiße Geschichten (die nie passiert sind).


~Montag~
Meine feuchten Hände hielt ich nervös vor den Bauch und alle meine Freundinnen warfen mir unauffällig Blicke zu. Der Flur war überfüllt mit quatschenden Schülern, die an Spinden lehnten oder lachend den Gang hinuntergingen, um zum nächsten Unterricht zu gelangen.
Meinen Spind warf ich vor ein paar Sekunden schon zu, meine letzte Beschäftigung sah ich nun in meinem Knoten im Top vor meinem Bauch. Irgendwann musste Adam ja mal...plötzlich drehte sich alles bei mir. Der Neue schlich mit Kopfhörern den Gang entlang zu seinem Spind neben mir. Seine Augen waren der Hammer! Ach ja: Habe ich schon erzählt, dass ich in ihn verknallt bin?

Wie durch einen Zufall fiel mir mein Schlüssel auf den Boden. Showtime!
,,Oh!" Phase 1: Aufmerksamkeit erlangen. Check. Er schaute mich verwundert an, als würde er nicht wissen, was hier passiert war. Der Blick konnte mir aber sowieso egal sein. Denn jetzt kam Phase 2: Die Kopfhörer waren runter. Ansprechen.
,,Hey Adam!, was geht so? Ich hab gehört, du ziehst in unsere Ecke"-ja, das tat er-,,das Grundstück wurde an euch verkauft". Er nickte und sein Kiefer spannte sich an. Mit einem lauten Knall fiel sein Spind zu, ehe er sich mir zuwandte. Die Hände in den Hosentaschen versunken erwiderte er:,,Sag mir am Besten gleich, was du willst. Wahrheit oder Pflicht ist scheiße". Voll verkackt. Na klar wusste er, was abging. Ich wollte schon peinlich berührt abzotteln, aber er hielt mich nochmal an der Schulter und zog mich leicht zurück. Das Kribbeln an der Stelle ging durch meinen ganzen Körper.,,Ok. Vielleicht hab ich übertrieben wegen scheiße und so. Sorry. Ich geb dir meine Nummer, wenn du sie brauchst. Die Bestrafungen sollen übel sein" Da war ich erstmal baff. Ich war das erste Mädchen der Schule, mit dem er geredet hatte, seit er hier war. ,,Ähm...die Nummer wäre toll." Mehr konnte ich dazu nicht sagen. Adam zog eine Augenbraue hoch. Schüchternheit war jetzt kaum noch zu erkennen. Das Handy gezückt bemerkte ich, wie nahe wir uns standen und tritt verlegen einen Schritt nach hinten. Nebenbei löste er seine Hand von meiner Schulter. Es war mir nicht aufgefallen, aber ich wollte es zurück.,,Die Pause ist gleich vorbei. Also 0176 37895623. Ich bin den ganzen Tag erreichbar." Ein Zwinkern seinerseits. Ein Lachen meinerseits. Phase 3: Die Nummer. Check.






Adam & Not-EvaWhere stories live. Discover now