Kapitel 2

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Calum hob beschwichtigend die Hände. "Ganz ruhig, Ashton." meinte er, während sich schon wieder so ein dreckiges Grinsen auf sein Gesicht schlich. Ich kannte ihn lange genug, um zu wissen, dass das nichts gutes bedeutete. "Wir wollen dir nur deine nächste Aufgabe mitteilen." Ich rollte mit den Augen, wusste aber, dass ich keine andere Wahl hatte. "Also?"

Er wollte gerade zum Sprechen ansetzten, da hielt ein Auto neben uns. Ich erkannte es sofort als das meiner Mutter. "Sorry Jungs, ich muss los." meinte ich und deutete auf den Wagen. Meine Mutter hatte das Fenster runtergekurbelt. Ja, gekurbelt, unser Auto ist gefühlt ein Jahrhundert alt.

Malum schaute mich nur nochmal mit einem grimmigen Blick an, dann ließen sie mich gehen. Ich warf schnell meinen Ranzen in den Kofferraum und stieg dann ein. "Haben sie dir wieder irgendeine sinnlose Aufgabe gestellt?" wollte meine Mutter wissen. Sie war darüber bestens informiert und nicht gerade begeistert, dass ich das mitmachte. Aber den wahren Grund kannte sie nicht. Den sollte auch niemand kennen. Durfte niemand kennen.
"Sie wollten, aber dein Auftritt hat sie abgelenkt." meinte ich. "Wieso holst du mich überhaupt ab?" fragte ich sie dann. "Wir haben doch heute den Termin bei dem neuen Arzt. Hast du das schon wieder vergessen?" bekam ich zur Antwort und ich gab mir einen Facepalm. "Alzheimer lässt grüßen ..." murmelte ich und ich konnte mir vorstellen, wie sie lächelte. Sie und meine Geschwister waren so ziemlich die einzigen Personen, die mich so akzeptierten, wie ich war, und dafür war ich ihnen unglaublich dankbar.

"Hoffen wir mal, dass dieser Arzt jetzt etwas findet." meinte ich in die kurz danach entstehende Stille hinein. Wir hetzten schon seit einem Jahr von einem Arzt zum nächsten. Aber bisher hatte noch keiner etwas gefunden, woher meine Kleinwüchsigkeit stammen könnte. Die meisten hatten Vererbung vermutet, was aber nicht sein konnte, da ich erst ab meinem 15. Lebensjahr aufgehört hatte zu wachsen. Außerdem war jeder, wirklich ausnahmslos jeder aus meiner Familie größer als ich. Also konnten wir das zu 100% ausschließen.
Das war für mich ein Beweis, dass die meisten Ärzte Stümper waren.

Nach einer Weile stiller Fahrt kamen wir an der Praxis meines neuen Arztes an. Er hieß Dr. Hemmings und war anscheinend ein sehr berühmter und bekannter Neurologe, der erst vor kurzem hierher gezogen war. Warum er ausgerechnet in unser kleines Städtchen kam, war mir ein Rätsel, sollte mir aber recht sein, wenn er mir helfen konnte.

Wir gingen also in das Gebäude hinein. Er hatte es anscheinend erst neu gebaut, die Einrichtung war sehr modern und trotzdem hing dieser sterile Geruch nach Desinfektionsmittel in der Luft. Wie ich das hasste.
Meine Mutter meldete uns an und ich wurde von der Arzthelferin die ganze Zeit angestarrt. Ich starrte mindestens genauso intensiv zurück. Das war meine Taktik, um alle zu verunsichern, die mich wegen meiner Größe dumm anmachten. Nach einer Weile wurde es ihr zu bunt und sie sah weg. Ein triumphierendes Lächeln schlich sich auf mein Gesicht. Doch das fiel sofort wieder, als die Arzthelferin meine Mutter fragte: "Wie alt ist der Kleine denn?"

"Ich bin 17!" keifte ich. Sie schien ehrlich überrascht, murmelte allerdings nur etwas in sich hinein und meinte dann: "Sie können nun im Wartezimmer Platz nehmen." Gott, ich hasste diese Praxis jetzt schon.

Wir setzten uns also ins Wartezimmer. Außer uns war nur ein kleines Mädchen da, welches mit einer Barbie spielte. Ich musste bei ihrem Anblick lächeln. Nach einer Weile kam ein groß gewachsener Junge rein. Er hatte seine blonden, etwas längeren Haare lässig nach oben gestylt und unwillkürlich stellte ich mir vor, wie es wohl wäre, dort mit der Hand durchzufahren. Ich schüttelte kurz den Kopf, um diese wirren Gedanken zu vertreiben. Seine ozeanblauen Augen, in denen ich mich wahrscheinlich sofort verlieren würde, musterten erst das Mädchen und dann mich. "Ashton Irwin?" fragte er gelangweilt und ich nickte. "Du kannst jetzt ins Sprechzimmer kommen." meinte er und lief los. Ich hatte Mühe, ihm zu folgen. "Renn doch nicht so, ich hab nicht so ewig lange Beine wie du..." murmelte ich vor mich hin. Er hatte es anscheinend gehört und meinte desinteressiert: "Ich kann doch auch nichts dafür, wenn du so klein bist. Wie alt bist du überhaupt? 14?" Ich gab wütend zurück: "Ich bin 17. Was denkst du, wieso bin ich sonst hier?" Mittlerweile hatte ich zu ihm aufgeholt und funkelte ihn von unten an. Das Problem dabei war nur, dass zwischen seinem und meinem Gesicht mindestens 10 Zentimeter lagen und er es gar nicht bemerken dürfte.

"Normalerweise sind die Patienten meines Vaters nicht ganz richtig im Kopf." meinte er mit einem kleinen Grinsen, ohne auf meine Feststellung einzugehen. "Ach, du beurteilst Menschen also immer, bevor du sie richtig kennenlernst?" Es war keine Frage, sondern eher eine Feststellung. Er sagte nichts darauf und blieb vor einer Tür stehen, die sich nicht wirklich von den anderen im Gang unterschied. "Wir sind da." sagte er überflüssigerweise und öffnete die Tür. Dahinter befand sich kein Behandlungszimmer, wie ich erst angenommen hatte, sondern ein Büro. Ein großer Schreibtisch dominierte den Raum, davor konnte ich einige bequem aussehende Sessel erkennen. Hinter dem Schreibtisch saß ein Mann mittleren Alters, der die selben blonden Haare wie der Junge neben mir hatte. Das war also Dr. Hemmings. Er stand auf und auch er überragte mich um ein ganzes Stück. Na super.

Er gab mir die Hand und ich stellte fest, dass er einen festen Händedruck hatte. War auch kein Wunder, bei einem Mann seiner Größe und Statur. "Du bist also Ashton Irwin?" fragte er mich, als wir uns gesetzt hatten und sein Sohn sich verkrümelt hatte. "Nein, ich bin Gollum." gab ich genervt zurück und rollte mit den Augen. Das konnte ja heiter werden.

Hallöchen Leute!
Heute wieder mit einem Kapitel, diesmal etwas länger. ^-^

LG, Laki-chan

Truth《 Lashton 》-slow updates-Where stories live. Discover now